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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Das Hafenbauwesen in Russland in dem Jahrzent 1885 bis 1895. 
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Feodossia geschaffen worden. In Nikolajew ist ein neuer Uferdamm sowie ein 
Kabotage-Hafen, in Jalta ein neuer Molo sowie ein Kai angelegt worden. Eine 
Erweiterung haben die Hafenanlagen von St. Petersburg, Reval und Odessa (Neu- 
anlage eines besonderen Hafens für Naphtha) erfahren. In Taganrog sind sämmt- 
liche Anlagen umgebaut sowie der Hafen vertieft worden. In Archangelsk sind 
durch die Barre an den seichten Stellen des Dwina-Stromes Seekanäle angelegt 
worden, durch welche Schiffe von der See direkt vor die Stadt kommen können. 
In Riga ist das Fahrwasser der Düna von der Mündung bis zum Weichbilde der 
Stadt durch Regulir- und Baggerarbeiten für Seeschiffe mit bedeutendem Tiefgang 
passirbar gemacht worden. Im Dnjepr-Bug-Liman (Bucht) wurde der Otschakow- 
Kanal angelegt, um den Zutritt von Seeschiffen in den Hafen von Nikolajew zu 
ermöglichen; außerdem wurde der Kanal von Kertsch—Jenikaleh vertieft und 
erweitert. Gegenwärtig geht die Anlage der Häfen von Libau und Noworossijsk 
dem Abschluß entgegen. Ferner wurde die Anlage eines gesonderten Kabotage- 
Hafens in Batum, sowie die Vertiefung der Dnjepr-Mündungen, damit Seeschiffe 
bis zur Stadt Chersson Zutritt erlangen, in Angriff genommen, Endlich wäre 
noch der begonnenen Anlage von Kais und Hafendamm in Berdjansk, sowie 
von Kais in Rostow am Don und in Petrowsk Erwähnung zu thun. 
Trotz dieser im Laufe des letzten Jahrzehnts unternommenen und zum 
Theil bereits abgeschlossenen umfangreichen Arbeiten kann das Werk der Um- 
gestaltung der russischen Seehäfen bei Weitem noch nicht als beendet angesehen 
werden. Eine ganze Reihe von Kapitalarbeiten, deren Nothwendigkeit bereits 
hinreichend anerkannt worden ist, steht noch bevor. Dahin gehören folgende 
Arbeiten: .1. Durchgreifende Ausbesserung der Mündungen des Dnjepr-Stromes. 
2. Umbau und Erweiterung des Hafens von Poti. 3. Durchgreifende Verbesserung 
der Wolga-Mündungen, vor denen Seeschiffe jetzt in offener See liegen bleiben 
müssen, während das Frachtgut nur in besondere Schiffe umgeladen nach Astrachan 
gelangen kann, wo dann eine zweite Umladung in die Wolga-Schiffe erfolgen 
mufs, wodurch jährlich wenigstens drei Millionen Rubel an Unkosten ver- 
ursacht werden. Weiterhin hat sich zur Zeit bereits hinreichend das Bedürfni(s 
geltend gemacht, die Hafenanlagen des Odessaer Hafens auszudehnen, beziehungs- 
weise zu vervollständigen, u. a. durch Anlage eines neuen Wellenbrechers, da 
der stets zunehmende mächtige Frachtverkehr dieses Hafens durch die bestehenden 
Anlagen fühlbar beengt wird. Schon längst ist ferner von einer Erweiterung des 
St. Petersburger Hafens die Rede, in welchem Specialbassins für Holz und Stein- 
kohle angelegt werden sollen, ohne welche der Endzweck der Anlage des See- 
kanals, nämlich die vollständige Ueberführung des Handelsverkehrs von Kron- 
stadt, das ausschliefslich Kriegshafen werden soll, nach St. Petersburg nicht zu 
erreichen wäre. Schliefslich gehören hierher weitere Vertiefungsarbeiten und 
Neuanlagen in Archangelsk, welche im Hinblick auf die künftige Bedeutung dieses 
nächsten See-Ausgangspunktes für die von der grofen sibirischen Eisenbahn heran- 
rollenden Frachten in Aussicht genommen worden sind. Aufserdem stehen noch 
Regulirarbeiten an den Mündungen der Düna bevor, um den Zugang zu dem 
Rigaer Hafen zu erleichtern. 
Das obige Verzeichnis könnte noch durch die Anführung einer Reihe 
weiterer bedeutender Hafenplätze vervollständigt werden, deren Anlagen einige 
Erweiterung erheischem. Allein, ganz abgesehen von den grofsen und gröfseren 
Hafenpunkten, ist es an der Zeit geworden, auch Hafenplätzen von unter- 
geordneterer Bedeutung gröfsere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Seit 1885 bis zum 
heutigen Tage blieb die Thätigkeit der Kommission, wie aus Angeführtem ersicht- 
lich, blofs auf den Ausbau derjenigen hervorragenderen Hafenanlagen beschränkt, 
in welchen sich der auswärtige Handelsverkehr concentrirte. Was etwaige 
Arbeiten an Hafenplätzen geringerer, interner Bedeutung anbetriffß, so wären 
folgende zu erwähnen: Baggerarbeiten zur ständigen Tieferhaltung des Eingangs 
zum Windauschen "Hafen; die Anlage eines besonderen Winterhafenbeckens da- 
selbst; Anlage eines Anlegeplatzes in Arensburg und Vertiefung des Einganges 
in den Hapsaler Hafen; Anlage eines kleinen Anlegeplatzes in Anapa; Einrichtung 
mehrerer Hafenanker (? D. R.) an verschiedenen Strandpunkten des Schwarzen 
und des Asow’schen Meeres. Letztere Nothwendigkeit wurde durch die natürliche 
Gestaltung der Strandverhältnisse hervorgerufen, durch die geringe Entwickelung 
der Uferlinie und durch die äußerst beschränkte Anzahl von einigermafsen erträg- 
Ann. 4. Hvdr. ete.. 1896. Heft IT.
	        
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