Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1896.
Von Mittag bis zum Abend herrschen also ausschliefslich Südwest- und
Westsüdwestwinde, von Mitternacht an kommt auch NE, Landbriese, vor, doch
bekommt sie erst um 8a für kurze Zeit die Oberhand über den SW.
Etwa die Hälfte aller Beobachtungen während der Nacht ergab Windstille,
am Nachmittage nur wenige, nämlich um 4*a 59%, um 8a 52°%o, um 12a 29%,
um 4° p nur 4°/o, um 8" p 19%o und um 12° p 47% aller Aufzeichnungen.
W. K.
Das Hafenbauwesen in Russland in dem Jahrzehnt 1885 bis 1895.)
Aus der „Hamburgischen Börsen-Halle“ vom 9. September 1895.
Wir entnehmen dem russischen „Regierungs-Anzeiger“ No. 142 in der
Uebhersetzung folgenden interessanten Artikel: .
Am 1. Juli d. J. sind genau 10 Jahre seit der Einrichtung der „zeit-
weiligen Kommission für Anlage von Handelshäfen“ im Ressort des Verkehrs-
ministeriums vergangen, Mit dem Umbau der russischen See-Handelshäfen wurde
während der Regierungszeit Alexander’s II. zu einem Zeitpunkte der Anfang
gemacht, als einerseits die Verdrängung der Segel-Handelsflotte durch Dampf-
schiffe, und die fortwährende Steigerung der Schiffsgröfse, sowie andererseits die
Entwickelung des russischen Eisenbahnnetzes und des Schiffahrtsverkehrs auf den
Binnenwasserstrafsen an die Hafenanlagen, als Knotenpunkte, in denen verschieden-
artige Verkehrswege zusammenkommen, bis dahin ungeahnte Anforderungen
stellten. Der Umbau der russischen Häfen beginnt mit der Anlage des im Süden
bedeutendsten Odessaer Hafens, welche in der Zeit von 1863 bis 1882 einen
Kapitalaufwand von über neun Millionen Rubel erforderte und findet mit der
Anlage des St. Petersburger Seekanals und des sich an denselben anschliel senden
Einfuhrhafens einen vorläufigen Abschlufs, welch letztere Gesammtanlage auf fast
13 Millionen Rubel zu stehen gekommen ist. Die Eröffnung des Seekanals ist
bekanntlich erst in der nächstfolgenden Regierungsperiode, im Jahre 1885, erfolgt.
Aufser diesen bedeutendsten Werken sind ansehnliche Arbeiten in den Häfen von
Reval, Pernau, Riga, Libau und Berdjansk gemacht, sowie die Anlage des Kanals
von Kertsch-—-Jenikaleh bewirkt worden. In die gleiche Zeitperiode fällt die
Anlage der Häfen Poti und Petrowsk am Kaspi-See.
Eine ganz besondere Entwickelung hat der Umbau der russischen Handels-
häfen während der Regierungszeit des verewigten Kaisers Alexander III.
genommen. 1883 wurde von dem damaligen Minister der Verkehrswege, General-
adjutanten Pofsjet, an allerhöchster Stelle eine Denkschrift vorgelegt, in welcher
der allgemeine Entwurf der allmählichen Verbesserung der russischen Handels-
häfen im Laufe der künftigen 10 bis 15 Jahre niedergelegt war, Auf dieser
Denkschrift vermerkte der verewigte Kaiser Höchsteigenhändig unterm 1./13. Juli
1883: „Ich hoffe sehr, dafs der Finanzminister die Möglichkeit findet, die Mittel
für so dringend nothwendige Anlagen zu beschaffen.“ 1885 wurde für Rechnung
des Budgets des Ministeriums der Verkehrswege ein bedeutender Betrag für die
Verbesserungen der russischen Häfen angewiesen — über sechs Millionen Rubel.
In demselben Jahre ist für Rechnung einer besonderen, vom Reichsrath bewilligten
Anweisung im Ministerium der Verkehrswege eine „zeitweilige Kommission für
Anlage von Handelshäfen“ eingerichtet worden, zu der auch Vertreter der
Ministerien der Finanzen, des Innern, der Marine, sowie der Staatskontrole
gehörten. Auf Verfügung dieser Kommission wurde eine ganze Reihe von Hafen-
arbeiten gleichzeitig in Angriff genommen, Zur Bestreitung der durch diese
Arbeiten bedingten Ausgaben wurden in den Budgets für 1885 bis 1895 beiläufig
50 Millionen Rubel angewiesen, ein recht hoher Betrag, der aber durch die un-
geheure Bedeutung, welche die Seehäfen für den auswärtigen Handel erlangt
haben, durchaus gerechtfertigt erscheint.
Folgendes sind die Ergebnisse der in der Periode 1885 bis 1895 bewerk-
stelligten Arbeiten: An Neuanlagen“”sind die Häfen von Mariupol, Batum und
‘) Vgl. Annalen 1894, S. 319. „Beschreibung russischer Handelshäfen.“