Ann. d. Hydr. ete., XXI. Jahrg. (1895), Heft IL
Segelanweisung für die Kamerun-Mündung.
Vom Führer. des Vermessungs-Detachements, Lieut, zı S. DEIMLING. Mai 1894.
Die Kamerun-Mündung wird im Norden von Kap Kamerun, im Süden durch
die Suellaba-Halbinsel begrenzt. Einen eigentlichen Kamerun-Flufs giebt es nicht;
die Kamerun-Mündung, wie das Aestuarilum neuerdings bezeichnet wird, bildet
vielmehr das Mündungsgebiet einer Anzahl von Flüssen und Krieks.
Strand und Ufer. Die Ufer der Kamerun-Mündung sind fast durchgängig
flach. Das rechte oder nördliche Ufer ist voii Kap Kamerun bis hinauf nach
Hikori mit Mangroven bestanden und nur an wenigen Stellen, wo Sand über
dem sehr weichen Schlick angeschwemmt ist, zugängig. An jenen Stellen sind
seitens der Eingeborenen Fischerplätze errichtet. Auf diesen Fischerplätzen
bauen die Eingeborenen zur Zeit des Fischfanges ihre Hütten und bringen
mehrere Wochen daselbst zu. Meistentheils nehmen sie ihre mit Kanoes trans-
portirbaren Hütten nach Beendigung des Fanges wieder mit, doch markiren sich
auch dann diese Stellen durch die Farbe des Strandes sowohl wie durch Fehlen
des Unterholzes recht gut. Bei Hikori sowie weiter aufwärts tritt stellenweise
das feste Land, ca 5 bis 10 m hoher Lehmboden, bis dicht an das Wasser heran.
Diese Stellen sind durch Anlage von Häusern für Europäer, wie‘ Faktoreijen,
Missionsgebäude sowie auch Ansiedelungen der Schwarzen reichlich ausgenützt.
Von Kap Kamerun nach See zu ist Sandstrand, hinter dem theils hoher Busch-
wald, theils Mangroven stehen,
Das linke oder Südufer besteht bei Suellaba (Halbinsel) aus Sandgrund
mit ca 25 m hohem Wald. Dieselbe Beschaffenheit zeigt auch das Ufer bei der
Halbinsel Manoka, jedoch sind dort vielfach Mangroven in einer ungefähren
Breite von 10 m vorgelagert. Von der Mbenda-Spitze bis hinauf zur Jo[s-Spitze
werden die Ufer lediglich von Mangroven-Waldungen gebildet, Bei der Jofs-
Spitze tritt ein ca 15 m hohes Steilufer bis dicht an den Strand und zieht sich
bis nach Didodorf mit nur geringen Unterbrechungen, z. B. da, wo ein Kriek
mündet, hin. Auf dieser Platte — Jofs-Platte genannt — bezw. direkt an ihrem
Fuße befinden sich die meisten Ansiedelungen der Europäer, In erster Linie
sind die schon von Weitem sichtbaren Gouvernements-Anlagen zu nennen, welche
am Anfang der Jofs-Platte errichtet sind. Der sehr hohe Gouvernements-Flagg-
stock bietet besonders beim Passiren der Barre eine gute Leitmarke. Dicht
beim Flaggstock befindet sich ein Observationssockel, dessen Breite zu
4° 2' 32,7“ N-Br und dessen Länge zu 9° 41’ 39,45“ O-Lg bestimmt ist.
Aufser dem Gouvernementshaus ist noch das Beamtenhaus, in dem sich
das Post- und Telegraphenamt befindet, sowie das Krankenhaus und Doktorhaus
zu erwähnen, welche sämmtlich im Gouvernementsterrain liegen, Weiterhin sind
das deutsche Schulhaus, das Wohnhaus der Firma Wörmann und die Baseler
Mission vom Wasser aus sichtbar. Auch befinden sich auf der Platte zahlreiche
Ansiedelungen der Eingeborenen. Direkt am Strande, an der Wattgrenze, liegen
die verschiedenen Faktoreien, von denen jede ihren Flaggstock hat. Zur Zeit
wird an einem ca 600 m langen Kai gebaut. Derselbe reicht von der Huk beim
Gouvernements - Flaggstock bis zur Faktorei von John Holt. Vor demselben
sollen auch bei Niedrigwasser ca 0,5 m Wasser stehen bleiben, Gleichzeitig ist
eine Schiffs-Reparaturwerkstätte und ein Slip errichtet; auf Letzterem können
Schiffe bis zu 50 m Länge aufgeholt werden. Ferner ist ungefähr in der Mitte
des Kais eine grofßse Brücke zum Anlegen für Dampfer errichtet, die bis zur 6 m-
Grenze reicht.
Sowohl das nördliche wie das südliche Ufer sind vielfach durch Krieks
unterbrochen. Die hauptsächlichsten derselben sind:
Krieks. Von Norden einmündend: Der Vietoria-Kriek, Tende-Kriek,
Mikanje-Kriek und Mboka-Kriek, deren Mündungen zusammen die Mokushu-Bucht
zwischen Kap Kamerun und Mianju bilden.. Die drei erstgenannten Krieks
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