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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1895.
Am 26. bis 28, war der Luftdruck in Europa sehr gleichmäßig vertheilt,
so dafs bei schwacher veränderlicher Luftbewegung die seit dem 19. oder 20. Januar
Jangsam sinkende Temperatur weitere starke Abnahme erfuhr.
Starkes Steigen des Druckes über Nordeuropa, Fallen im Mittelmeer führte
eine neue Wetterlage herbei. Schon am 30. lagerte ein Hochäruckgebiet über
Nordeuropa, über Mittelskandinavien 785 mm übersteigend, während ein aus-
gedehntes Depressionsgebiet, mit weniger als 750 mm Druck über der Adria, das
Mittelmeergebiet bedeckte, eine Wetterlage, die sich in ihren Hauptzügen bis
weit in den Februar erstreckte und strenge Kälte im Gefolge haben sollte.
Zunächst trat trotz des starken Steigens und des Auffrischens der nordöstlichen Winde
am Morgen des 30. in Norddeutschland wieder wärmeres Wetter ein, vielleicht
bedingt durch die Zuströmung der über der Ostsee lagernden Luftmasse, vielleicht
zum Theil zu erklären durch eine dynamische Erwärmung der an der Grenze des
Maximums herabsinkenden und dem Minimum zuströmenden Luft; wie in jedem Falle
zu erwarten war, irat am letzten Monatstage wieder Rückgang der Temperatur ein.
Die starken Luftdruckunterschiede bedingten starkes Auffrischen der Winde, die
schon am 29. in Brüsterort und Hela stürmisch aus Ost—ENE, Stärke 9/10
bezgl. 8, wehten, am 30. aber wehte in der Ostsee ein starker Sturm aus Ost—
NE, vielfach bis Stärke 10, Brüsterort bis Stärke 11 und 12, von Hochwasser
begleitet, der bis nach Mitternacht anhielt; in der Nordsee wurden stürmische
Winde aus Ost—NE, Stärke 8 bis 9, nur vereinzelt an diesen Tagen beobachtet.
Sehr ergiebiger Niederschlag, mehr als 20 mm, hatte Leba am 26. (28 mm);
keinen mefbaren, bezgl. weniger als 1 mm Niederschlag, hatte die ganze Küste
nur am 5., bezüglich am 12., 17., 28. und 29., aufserdem die Nordseeküste unter
1mm am 1., 2., 6., 7., 11., 25., 27., 30. und 31.
Heiteres Wetter trat vereinzelt am 1., 2., 4., 5. sowie am 26. bis 30. ein;
Nebel in größerer Ausdehnung herrschte am 9. an der östlichen Ostsee, am 15.
bis 17., 19. bis 21., 27. und 28. am größten Theil der Küste und trat sonst nur
vereinzelt auf.
Die Morgentemperaturen lagen am 1. bis 3., 5. bis 10., 12. bis 14. und
24. bis 31. fast durchweg unter der Normale, am 4,, 16. bis 21. und 23. meist
darüber.
In den Monatsmitteln war der Luftdruck erheblich zu niedrig, wie auch,
um geringere Beträge, die Temperatur und die registrirte Windgeschwindigkeit
unter den normalen Werthen lagen. Die monatlichen Niederschlagshöhen über-
stiegen im Westen um Weniges, im Osten zum Theil erheblich den vieljährigen
Durchschnitt, Ueberall überwogen Winde aus östlichen Richtungen an Häufigkeit
ihres Auftretens, im Westen Ost—NE, im Osten die Richtungen Ost—SE.
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