Die Witterung an der deutschen Küste im Januar 1895.
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raum 1851/80, während die vieljährigen Monatsmittel der Windgeschwindigkeit aus allen bis 1891
»inschl. vorhandenen Anemometer-Registrirungen abgeleitet wurden; hierbei kamen für Hamburg und
Borkum die ersten Jahrgänge Registrirungen nicht in Betracht, da die jetzige Aufstellung der Anemo-
meter von der ursprünglichen zu erheblich abweicht, um vergleichbare Werthe zu geben,
Als Sturmnorm sind untere Grenzwerthe für die stündliche Geschwindigkeit bei stürmischen
Winden zu verstehen, welche in Beiheft II des „Monatsberichtes der Deutschen Seewarte, Jahr-
zang 1890“ abgeleitet wurden. Als Tage mit Sturm wurden diejenigen Tage gezählt, an welchen
die mittlere Windgeschwindigkeit im Mittel mindestens einer Stunde die betreffende Sturmnorm
erreichte oder übertraf.
Wo Störungen im Gange der Anemometer vorkamen, ohne dafs die durchschnittliche stünd-
liche Geschwindigkeit für diese Zeit ermittelt werden konnte, sind die Monatsmittel der Wind-
geschwindigkeiten kursiv gedruckt; die Daten der Tage mit derartigen Störungen, an welchen
stürmische Winde beobachtet wurden, sind, mit Fragezeichen versehen oder in Klammer, hin-
zugefügt, ebenso für Rügenwaldermünde, welches kein Anemometer besitzt sowie für Keitum und
Memel, da für diese Stationen das Anemometer neuerdings eine andere Aufstellung erhalten hat, und
somit die Sturmnorm noch nicht festgestellt werden konnte,
Durch kursive Ziffern sind allgemein alle Werthe gekennzeichnet, bei deren Ableitung
interpolirte oder ergänzte Zahlen mitbenutzt werden mufsten.
Dem niedrigen mittleren Luftdruck des Monats entsprechend, lag die Küste
fast beständig im Bereich von Depressionen, doch herrschten Winde aus östlichen
Richtungen vor, so dafs die Witterung meist kühl war, außer vom 16. bis 21.,
wo bei oceanischer Luftströmung eine Reihe milder Tage eintrat; fast täglich
erfolgten Niederschläge, meist von Schnee und in geringer Menge, doch fraten
im Osten zeitweise stärkere Schneefälle bei starken Winden auf, so dafs erhebliche
Verkehrsstockungen durch Schneeverwehungen verursacht wurden. Stürmische
Winde waren selten, einen starken Sturm hatte nur die Ostseeküste am 30.
Die letzten Tage leiteten eine Periode strenger Kälte ein, die noch langen Bestand
haben sollte.
Während noch am Morgen des 1. Januar ganz Centraleuropa von einem,
über Mitteldeutschland liegenden, von Norden hergewanderten Minimum beherrscht
wurde, welches der Küste in der Sylvesternacht streckenweise recht erhebliche
Schneemengen gebracht hatte, erschien bereits am Abend ein neues Minimum im
hohen Nordwesten. Dieses verlagerte sich bis zum 4., durch die Nordsee her-
ziehend, nach dem Mittelmeer, während. gleichzeitig ein Minimum von Ungarn
Jurch Polen nach Mitteldeutschland fortschritt, welches den Eintritt östlicher
and nordöstlicher Winde an der Küste am 3. herbeiführte.
Am 5. bis 11. lagerte meist ein tiefes Minimum über dem Mittelmeer,
dessen Depressionsgebiet ganz Centraleuropa zugehörte, durch die Vermittelung
von Theilminima, die von der Adria nach Polen und von dort westwärts nach
dem nördlichen Deutschland zogen; da über Nordeuropa hoher Druck lag, so
frischten die Winde an der Küste vielfach stark auf, und wurden stürmische
Winde, Stärke 8, aus Ost am 6. in Brüsterort, am 11. in Hela, sowie aus NE
am 7. mehrfach an der westlichen Ostsee beobachtet. .
Unter dem Einflufßs eines am 11. von Westen herannahenden, am 13. bis
16. vor dem Georg’s-Kanal liegenden tiefen, ganz Europa beherrschenden Minimums
drehten die Winde auch an der Küste nach SO und erfolgte ein geringes
Steigen der Temperatur, welches meist bis zum 17. und 18. anhielt, als die Winde
vom Meere wehten, unter der Einwirkung des nach Norden abziehenden Minimums
und gleichzeitigen starken Steigens des Luftdruckes über Süd- und Centraleuropa.
Am 13. wehte der Wind zeitweise stürmisch aus SE in Schleimünde, Stärke 8
bis 9, in Brake aus Ost, Stärke 8.
Am Morgen des 19. war das Hochdruckgebiet, durch die anticyklonale
Krümmung der Isobaren in seiner Erstreckung gekennzeichnet, fast bis zur
dänischen Küste vorgedrungen, da erschien ein neues Minimum vor dem Kanal
und schritt, unter Zunahme an Tiefe und Umfang, zeitweise ganz Centraleuropa
beherrschend, über Nordfrankreich durch Norddeutschland nach dem Finnischen
Busen. In seinem Rücken drangen am 23. bis 25. mehrere zum Theil tiefe
Theilminima von der Nordsee nach Nordwestdeutschland und schritten dann ostwärts
durch Norddeutschland fort. Stürmische nördliche bis westliche Winde, Stärke 8
bis 9, wurden am 21. und 22. in Wittower Posthaus, am 22., 23. und 24. in
Brüsterort und Leba, am 23. in Neufahrwasser beobachtet.