70 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1895,
füsse und die von rechts einmündenden künstlichen Wasserstrafsen und endlich
die von links kommenden Zuflüsse und Kanäle daran. Je nach der größten
zulässigen Tragfähigkeit der eine Strecke befahrenden Schiffe wird die betreffende
Wasserstrafse in verschiedene Strecken zerlegt, von denen jede eine besondere
Nummer erhält, welche sich auf der Karte wiederfindet und so einen -bequemen
Uebergang von dieser zu dem Tabellenwerk ermöglicht. Soweit thunlich war,
sind die einzelnen Strecken einer Wasserstraße unter aufeinander folgenden
Nummern behandelt worden, für einige wenige, wo dies nicht ausführbare war,
sind die Daten zu Eingang der Tabelle II besonders zusammengestellt.
Die Tabellen zerfallen in zwei Theile, die auf zwei nebeneinander
stehenden Seiten gedruckt sind, so daß man alle auf dieselbe Wasserstrafsen-
strecke bezüglichen Angaben in einer Horizontalzeile wiedergegeben findet. Die
linke Seite enthält aufser dem Namen der Wasserstraße, Anfangs- und Endpunkt
der Strecke deren Höhenlage über Normal-Null bei mittlerem Wasserstande und
bei schiffbarem Niedrigwasser, so dafs man sich sofort eine Vorstellung über
das Gefälle bilden kann, wenn man zugleich die daneben stehenden Angaben
über die Länge der einzelnen Theile der Strecke beachtet, deren Gesammtsumme
für jede Wasserstrecke sich in Abtheilung III findet. In neun Rubriken wird
die Länge der innerhalb jeder Wasserstrafsenstrecke vorkommenden: 1. schiff-
baren Kanäle, Begradigungen, Durchstiche, Aquädukte, See-Verbindungsstrecken,
2. der schiffahrtkanalartig ausgebildeten und der mit Schiffahrt-Schleusen ver-
sehenen Flufsstrecken, 3. der nicht mit Schiffahrt-Schleusen versehenen Flufß-
strecken, 4. der schiffbaren Binnenseestrecken, 5. der Haff- Aufsenfahrwasser,
Wattfahrwasser- und Aufsentiefstrecken, 6. der nur flöfsbaren Kanäle, 7. der nur
flöfsbaren Fluß- und Bachstrecken, 8. der flöfsbaren Binnenseestrecken und
9. der nicht mehr zur Flöfßserei verwendeten flöfsbaren Wasserstraßenstrecken
angegeben.
Am Fuße jeder Seite sind die in diesen neun Kolumnen stehenden Zahlen
aufsummirt und für jedes Stromgebiet die Generalsumme gebildet, Die rechte
Seite ist den für den Güterverkehr nothwendigen Angaben gewidmet, sie enthält
in Rubrik 1 Angaben über die geringsten Breiten im Wasserspiegel (bei Mittel-
wasser) und an der Sohle, in 2 die geringsten Wassertiefen bei Mittelwasser und
bei Niedrigwasser, in 3 und 4 Zahl der Schleusen und geringste nutzbare Länge,
Breite und Tiefe, 5, 6, 7 geben Angaben über die höchstens zulässige Länge,
Breite, Tiefgang und Tragfähigkeit der die Wasserstrafse befahrenden Schiffs-
gefäße sowie über die höchstens zulässige Länge, Breite und Tiefgang von
Flöfsen. Die letzten acht Kolumnen enthalten, soweit es möglich war, sie zu
beschaffen, Angaben über den Verkehr auf den einzelnen Wasserstraßsen: Er-
hebungsjahr, Erhebungsort, Zahl der Schiffe und die Menge der angebrachten,
weggeführten und durchgefahrenen Güter und Flöfse in "Tonnen ä 1000 kg und
endlich die ungefähre Anzahl der Tage im Jahre, an denen die Schiffahrt durch
Eis nicht behindert ist. Die Rubrik „Bemerkungen“, welche den Schlufs bildet,
enthält noch viele andere nützliche Notizen, die theils zur Erläuterung, theils
zur Ergänzung der Angaben der Tabelle dienen.
Die III. Abtheilung des Werkes enthält eine Zusammenstellung der Längen
der verschiedenen Arten der vorhandenen deutschen Binnenwasserstrafsen, nach
Stromgebieten geordnet und zugleich nach dem zulässigen Tonnengehalt der
Schiffe abgetheilt, sowie auch der nur zur Flößerei benutzten oder früher, aber
jetzt nicht mehr benutzten Strecken. .
Endlich giebt Abtheilung IV die in Il für die einzelnen Stromgebiete
gewonnenen Summen der Streckenlängen, und es wird die Gesammtsumme ge-
bildet, welche das überraschende Resultat ergiebt, dafs das deutsche Reich
14 932 km schiffbare, 5528 km flößbare, 962 km flöfsbare, aber nicht mehr hierzu
benutzte Wasserstrafsen, im Ganzen also nicht weniger als 21429 km nutzbare
Wasserwege besitzt, wozu noch 260 km im Neu- oder Umbau begriffene und
569 km projektirte Kanäle kommen. Der „Führer auf den deutschen Wasser-
straßsen“ weist dagegen nur 13500 km nach, wobei indessen zu bemerken ist,
dafs darin auf die nur flößbaren Wasserstraßen keine Rücksicht genommen ist.
Diesen reichhaltigen Inhalt hat der Verfasser nun in einer Karte des
Deutschen Reichs im Mafsstabe von 1: 1000000, die in vier handliche Blätter
eingetheilt ist, verarbeitet. Die Wasserstralsen sind in verschiedenen Farben