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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1895, 
am 21. Mai, welche einen Schaden anrichteten, der sich auf viele Millionen 
Dollars beziffert, abgesehen von vielen Verlusten an Menschenleben, 
Der Sommer ist ausgezeichnet durch grofßsen Regenreichthum, grofse 
Häufigkeit der Niederschläge und Gewitter und durch das entschiedene Vorwalten 
der westlichen Luftströme bei durchschnittlich fast normalen Wärmeverhältnissen. 
Nach einem warmen und trockenen Frühling setzte der Sommer mit trüber 
and feuchter Witterung ein. Der Juni war kalt und regnerisch und ebenso im 
Allgemeinen der August; im Gegensatz hierzu steht der warme, heitere und 
meist regenarme Juli, in welchem auch die östlichen Winde entschieden mehr 
zur Geltung kamen als bei seinem Vorgänger und Nachfolger. 
Die höchsten Sommertemperaturen wurden am 24. Juli beobachtet; sie 
überstiegen an vielen Stationen 35°, 
Von Verwüstungen begleitete Gewitterböen waren in diesem Monate 
häufiger, als es durchschnittlich der Fall zu sein pflegt. Hervorzuheben ist das 
Unwetter, welches am 7. Juni über die Gegend von Wien wegzog und dort ins- 
besondere durch einen starken Hagelfall furchtbare Verwüstungen anrichtete. In 
dem darauf folgenden Monate, am 14, Juli, ging eine Gewitterböe über das süd- 
liche Bayern weg, welche an einigen Orten eine orkanartige Stärke erreichte 
and von heftigem Hagelschlag begleitet war. Durch dieses Unwetter wurden 
ausgebreitete Verwüstungen angerichtet, 
Der Herbst war im Allgemeinen kalt, trübe und meist trocken, ent- 
sprechend der ungewöhnlichen Häufigkeit der östlichen Winde. 
Der September war aufserordentlich kalt, fast normale Temperaturen zeigte 
der Oktober, aber der November war entschieden zu warm, 
Der regenärmste Monat des Herbstes war der November, obgleich er 
durchschnittlich die meisten trüben Tage aufweist. Der Schneefall war bedeutend 
geringer, als es dem Durchschnitt entspricht. 
Hervorzuheben ist der Sturm, welcher am 26. Oktober die ganze deutsche 
Küste heimsuchte und stellenweise eine orkanartige Heftigkeit erreichte. Viel- 
fach war dieser Sturm von Gewittern begleitet. — Ebenso hatte der heftige 
Sturm, welcher am 13. und 14. November die Küste entlang sich fortpflanzte, 
Gewitter im Gefolge. 
Bei stark vorwaltenden westlichen Winden war der Dezember, wie sein 
Vorgänger, mild und trübe. Die Küstengebiete waren im Allgemeinen regen- 
reich, dagegen das Binnenland meistens trocken. Der Schneefall war verhältnifßs- 
mäfßsig gering. Bis zum Schlusse des Monats hielt sich die Temperatur ohne 
gröfsere Schwankungen gleichmäfsig hoch. Aber beim Uebergang zum neuen 
Jahre 1895 setzte bei häufigen und ausgebreiteten Schneefällen der Frost ein, 
and es bildete sich eine Frostepoche vor, welche, begünstigt von einer Schnee- 
Jecke, bis Mitte Januar 1895 andauerte. 
Hervorragende Witterungserscheinungen des Monats Dezember waren zwei 
Stürme, welche wegen ihrer verheerenden Wirkungen denkwürdig sind und noch 
lange in der Erinnerung der Küstenbevölkerung bleiben werden, nämlich der vom 
22, und der vom 29. Dezember. 
Am 22. Dezember war es eine tiefe Depression, welche von Schottland 
astsüdostwärts nach Südschweden fortschritt, über den britischen Inseln und dem 
Nordseegebiete heftige Stürme erzeugend, welche langsam von SW nach NW 
drehten. Dabei fiel an der südlichen Nordseeküste vom 21. anf den 22. das 
Barometer in 12 Stunden um 15 mm. 
Unter der gewaltigen Wirkung der Nordweststürme entwickelte sich an 
Jer deutschen Nordsee eine Sturmfluth, wie sie seit vielen Jahren nicht vor- 
yekommen ist und welche schlimme Verwüstungen herbeiführte, wobei insbesondere 
Helgoland arg betroffen wurde. Viele Schiffbrüche und die Verluste vieler 
Menschenleben sind durch diesen Sturm verursacht worden, abgesehen von vielen 
anderen Zerstörungen, die der Sturm auf dem Lande anrichtete. 
Nicht minder gefahrdrohend erschien die Wetterlage am 29. Dezember, 
wenn auch die Folgeerscheinungen nicht so schlimm waren als am 22. Dezember. 
Eine tiefe Depression (unter 720 mm), ebenfalls südostwärts fortschreitend, lag 
am 22, morgens über dem nordwestlichen Europa, bis zu dem Alpengebiete hin 
stürmische Luftbewegung hervorrufend, welche auf den britischen Inseln und im 
Nordseegebiete vielfach die Stärke 10 der Beaufort’schen Skala erreichte oder
	        
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