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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1895,
die hieraus resultirende Einwirkung auf die Sichtweite der Tonne eine mehr un-
günstige. Dies soll jedoch hier nur erwähnt und nicht näher darauf eingegangen
werden.
Vergleicht man mit dem Vorhergesagten die Sichtweiten, wie sie sich für
»inen hohen Beobachtungspunkt von z. B. 20 m Höhe ergeben, so finden wir
mit ı = 20 bezw. 19 m und derselben Fokalhöhe wie vorher für d einmal die
Werthe 9,4 + 4,70 =— 14,1 Sm, das andere Mal 9,15 + 4,20 = 13,35 Sm. Der
Unterschied beträgt hier somit nur 0,85 Sm. Da aber beide Gröfsen weit über
die Grenze der Sichtbarkeit der Tonne hinausliegen, so kann das Auftreten
von Wellenbergen von 1m Höhe in der Kimm bei einem Standpunkt
von 20 m Höhe eine Einwirkung auf die Sichtbarkeit von Tonnen-
feuern überhaupt nicht mehr haben.
b) Aus dem Vorhergesagten ergiebt sich, dafs die Wellenberge. die Sicht-
barkeit von Tonnenfeuern auch für einen niedrigen Standpunkt erst von etwa 7 Sm
ab verringern können, wenn der Seegang nicht besonders schwer wird.
Es ist aber noch ein anderer Umstand anzuführen, durch welchen die Höhe
eines Hindernisses in der Kimm, welches die gradlinige Fortbewegung eines
Lichtstrahls verhindert, wesentlich vergrößert wird. Durch den Seegang, be-
sonders bei der Bildung schäumender Wellen, wird Wasser in der Gestalt von
Bläschen oder ganz kleinen Kugeln in die dem Wasser zunächst liegende Luft-
schicht übergeführt. Einerseits durch die Einwirkung des Windes, andererseits
Jurch die hebende und senkende Bewegung der Wellen selbst wird die unterste
Luftschicht mit den zunächst liegenden vermischt. Ein Theil der Wasser-
partikelchen geht in den dunstförmigen Zustand über; das darin enthaltene Salz
wird, dabei in sehr fein vertheiltem Zustande ausgeschieden, Sein Vorhandensein
bildet bekanntlich das eigentlich Charakteristische der „Seeluft“ und bedingt u. A.
deren Heilwirkung.
Dafs das Vorhandensein vieler Wasserbläschen und Salzpartikelchen die
Sichtbarkeit aller Objekte beeinträchtigen kann — sei es durch Absorption der
Lichtstrahlen, sei es durch Beugung derselben und Bildung diffusen Lichts —
wissen wir aus den bei Nebel leicht zu beobachtenden Erscheinungen. Dafs
die Möglichkeit der Bildung einer Luftschicht, welche entweder einen die Erd-
oberfläche tangirenden Lichtstrahl bricht oder absorbirt, durch die aufgeführten
Gründe gegeben, ja sogar wahrscheinlich gemacht wird, dürfte nicht bestritten
werden. Auch dafs eine solche, wenn nicht immer, so doch in den weitaus
meisten Fällen wirklich vorhanden ist, läfst sich aus der Erscheinung folgern,
dafs man äufserst selten, wenn je, die Sonne beim Berühren des Horizonts ihre
regelmäfsige Gestalt behalten und als solche unter dem Horizont verschwinden sieht.
Etwas Anderes aber ist es, Angaben über die Dicke einer solchen Luftschicht
unter verschiedenen Umständen zu machen, denn da das Vorhandensein von Wasser-
staub in der Luft durch die Psychrometer der verschiedensten Arten nicht verläfslich
angezeigt wird, so fehlt es uns zur Zeit noch an Mitteln, diesen zu bestimmen,
and damit an der Möglichkeit, die Frage auf dem Wege der Beobachtung zu lösen.
Die gesammte einschlägige Litteratur, soweit dieselbe mir bekannt geworden ist,
schweigt über die in Frage stehende Erscheinung, mit Ausnahme eines kurzen
Hinweises, welchen ich bei Veitmeyer: „Die Seefeuer der deutschen Küsten“,
Seite 2, Absatz 3, fand, völlig.
Ueber das, was ich von Anderen betreffs dieses Punktes in Erfahrung
brachte, habe ich anzuführen, dal der als eine erste Autorität in allen solchen
Dingen allseitig verehrte, nunmehr verstorbene Geheime Oberbaurath Hagen mir
2,5 m als das Maximum dieser Schicht angab, welches er nach seinen zumeist
in der Ostsee gemachten Erfahrungen anzunehmen bereit war.
Herr Regierungs- und Baurath Körte hat, wenn ich nicht irre, mir gegen-
über die gleiche oder eine ganz ähnliche Ansicht ausgesprochen.
Außer von diesen um die Hebung unseres Leuchtfeuerwesens so verdienten
Herren habe ich andere bestimmte Aeufserungen über diesen Punkt nicht
gehört, und bleibt mir deshalb nur noch übrig, eine hierher gehörige, von mir
beobachtete Thatsache mitzutheilen.
An einem gut feuersichtigen Winterabende konnte ich bei bedecktem
Himmel und etwa halber Ebbe vom Fufßse der Strandbake ‚auf Wangerooge aus
das große Feuer auf Helgoland mit blofßsem Auge klar erkennen.