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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

Mensing: Versuche mit Gastonnen in der Aufsenjade. 
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Bei einer Untersuchung der Lage der Punkte in Fig. 3 kommen wir zu 
ähnlichen Resultaten und können ebenso zwanglos die Kurven AB und AC 
ziehen, wenn auch hier die Punkte nicht so genau in die Kurven zu liegen 
kommen wie in Fig. 4. Es ist das aber nicht auffällig, wenn wir bedenken, 
wie es viel leichter sein mul, unter verschiedenen Beobachtern darüber ein 
gleichmäfsiges Urtheil zu erzielen, ob ein Feuer „sichtbar“ ist oder nicht, als 
wenn es sich darum handelt, zu unterscheiden, ob dasselbe „gut sichtbar“ ist 
oder nur „sichtbar‘‘. 
Dals die von den Feuerschiffen gemachten Beobachtungen dem durch die 
Kurven gegebenen Mittelwerth nicht immer so genau entsprechen können wie die 
auf festem Standpunkte gewonnenen, wird mit der See bekannten Männern gleich- 
falls nicht auffällig sein. 
Vergleichen wir nun zunächst die Kurve Z Y mit ZW und AB mit ACC, 
so ergiebt sich, dafs die von den festen und hochgelegenen Stationen‘) 
ermittelte Sichtbarkeit der nämlichen Tonnenfeuer zweifellos eine 
wesentlich bessere war, als die von den Feuerschiffen ermittelte. 
Wir werden uns nun Rechenschaft über die Umstände zu geben haben, 
welche diese Thatsache begründen könnten. 
In dieser Beziehung sei zunächst darauf aufmerksam gemacht, dafs die 
Kurven ZY und ZW in ihrem Verlaufe weit mehr voneinander abweichen als 
die Kurven AC und AB. Wir schliefsen hieraus, dafs diejenigen Umstände, 
welche eine Verringerung der Sichtbarkeit von „gut sichtbar“ auf, „sichtbar‘‘ 
herbeiführen, auch auf die gröfsere oder geringere Divergenz der Kurven einer 
Gruppe von Einfluß sein müssen. In der That lassen sich ohne grofse Mühe zwei 
Ursachen finden, welche eine Erklärung dieser Erscheinung gestatten. 
a) Es ist bekannt, daß die „geographische“ Sichtweite eines Feuers und 
die „Entfernung der Kimm“ von einem Beobachter durch die Formel 
rh 
d = Va 
gefunden wird, in welcher d die Entfernung, r den Erdradius, h die Fokalhöhe 
eines Leuchtfeuers oder die des Beobachters über dem Meeresspiegel repräsentirt. 
Hierbei ist angenommen, daß r bis zur freien Kimm, h von der dieser 
entsprechenden Kugelschicht ab gemessen wird. 
Bei dem in der Praxis bis jetzt verfolgten Verfahren zieht man nur die 
Höhe über den zu einer bestimmten Zeit gegebenen mittleren Wasserstand in 
Betracht, vernachlässigt dagegen z. B. in der Kimm auftretende Wellenberge. 
Dafs dies nicht richtig ist, wird ohne weitere Erklärung verständlich sein, 
ebenso, dal es zur Erlangung eines richtigen d erforderlich ist, die Höhe der 
in der Kimm auftretenden Wellenberge (Erhebungen des Wellenkammes über 
den ruhenden Meeresspiegel) von dem h der Formel in Abzug zu bringen. Wenn 
die Fokalhöhe einer Leuchttonne 4 m, die Augeshöhe eines Beobachters auf einem 
Feuerschiffe 3,5 m beträgt, so ergiebt sich hieraus die geographische Sichtweite 
des Feuers bei völlig freier Kimm auf 4,20 + 3,92 = 8,1 Sm. "Treten aber in 
der Kimm Wellenberge von 1m Höhe auf, so werden wir in der Formel für h 
einmal 4,0 — 1,0 — 3,0, das andere Mal 3,5 — 1 = 25 und für d entsprechend 
die Werthe 3,64 und 3,31 = 6,95 Sm erhalten. 
Wir finden zunächst also, daß die geographische Sichtweite des 
Feuers einer Leuchttonne unter den angegebenen Verhältnissen beim 
Auftreten von Wellenbergen von 1 m Höhe in der Kimm um ca 1,15 Sm 
verringert wird. 
Wir haben ‘hierbei die Fokalhöhe der Tonne als konstant angenommen, 
während in Wirklichkeit dieselbe durch Ueberliegen der Tonne und durch ihre 
Stampfbewegungen leicht um -+ 0,5 m verändert werden kann. Da die Neigung 
der Tonne immer eine Verringerung der Fokalhöhe bedingt und da die Tonne 
dem hebenden Impuls des Wassers langsamer folgt als dem Gegentheil, so ist 
1) Die Höhe des Wangerooger Leuchtfeuers über Hochwasser beträgt etwa 30,7 m, die des 
Rother Sand-Leuchtfeuers 23,9 m, die des Beobachtungsstandes „Wangerooger Strand“, neben der 
Strandbake, etwa 15m. Die Augeshöhe eines Beohachters auf dem Deck eines Feuerschiffes beträgt 
etwa 3,5 bis 4 m. 
Ann. d. Hydr. ete., 1895, Heft II.
	        
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