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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1895,
Schiff auch gegen Grundseen zu schützen. Ebenso sicher dürfte es aber auch
sein, dafs der Bau eines solchen Schiffes und des erforderlichen gleichwerthigen
Rerserveschiffes sehr kostspielig sein und dals die verantwortliche Behörde eine
solche Ausgabe nur dann als gerechtfertigt ansehen kann, wenn sich die Un-
möglichkeit herausgestellt hat, das Ziel auf einem anderen Wege mit erheblich
geringeren Kosten zu erreichen,
Allerdings war von vornherein klar, dafs Leuchttonnen und in Besonderem
Gastonnen im Vergleich mit Leitfeuern und Feuerschiffen eine Reihe von Nack-
theilen besitzen, welche selbst durch sorgfältigste Ausführung und Bedienung,
zum wenigsten zur Zeit, nicht gehoben werden können. ;
1. Die Gastonnen sind vor Allem nicht so zuverlässige Brenner wie die
auf festem Lande oder auf Feuerschiffen vorhandenen Lampen. Es ergiebt sich
dies aus den betreffenden, nicht eben seltenen Meldungen über das Verlöschen
von Leuchttonnen in in- und ausländischen Gewässern, wie sie uns in den „Nach-
richten für Seefahrer“ häufiger begegnen.
2. Gastonnen sind ferner der Gefahr des Vertreibens ausgesetzt. Eine
vertriebene, weiter brennende Leuchttonne kann aber zweifellos zu einer Quelle
grofser Gefahr für die Schiffahrt werden. Ich glaubte eine Einrichtung gefunden
zu haben, welche beim Vertreiben der Tonne ein Auslöschen der Flamme be-
wirken und durch das Heraustreten zweier Flügel am Laternengerüste auch bei
Tage dies erkennbar machen sollte. Auf eine praktische Erprobung der sonst
wohl ausführbaren Konstruktion mufste ich jedoch verzichten, weil sich bei näherer
Ueberlegung fand, dafs sie für das hier in Betracht kommende, verhältnifsmäfsig
flache Wasser nicht geeignet war.
Mangels einer solchen Einrichtung würde nur übrig bleiben, die Tonnen
alle paar Stunden von bestimmten Positionen aus durch geeignete Instrumente
(z. B. auf gemauerten Pfeilern in den in Frage kommenden Richtungen fest ein-
zustellende Fernröhre) beobachten zu lassen und Vorsorge zu treffen, dafs das
Vertreiben "einer Tonne sofort, z. B. durch Aenderung des Charakters des An-
segelungsfeuers, zur Kenntnifs ansegelnder Schiffe gebracht wird.
3. Im Uebrigen war bekannt, dafs die erste in der Jade ausgelegte Leucht-
tonne, Modell „Rübe“, trotz ihrer geringen Gröfse häufiger vertrieben ist, ob-
schon zu ihrer Verankerung, wenn auch gebrauchte, so doch gut erhaltene Feuer-
schiffsketten von 42 mm (!) Stärke benutzt wurden. Es rührte dies aber allein
von den aufserordentlich heftigen Bewegungen dieser Tonne in der Richtung
der Längsachse her, welche, eine Folge der ungünstigen Form der Tonne, schon
bei mäfsigem Seegange eine so bedeutende Gröfe erlangten, dafs Ketten, die
ein Feuerschiff gehalten haben würden, in nicht langer Zeit zu Bruch gingen.
Seit der Einführung des Modells „Stieltonne“ sind solche Kettenbrüche meines
Wissens nicht mehr vorgekommen. Wie aber der Bruch einer Kette der ihrer
Form nach den Stieltonnen ähnlichen Heultonne vor der Jade beweist, welche
wenige Tage vor dem Beginne der zur Diskussion stehenden Versuche stattfand,
kann das Vorkommen eines Kettenbruchs selbst durch Verwendung sehr starker
Ketten, durch Auswechseln der Kette alle sechs Monate und durch häufige sorg-
fältige Revision nicht unbedingt verhütet werden. *
4. Ein weiterer Uebelstand der Leuchttonnen besteht darin, dafs die mit
ihnen zu verbindenden Nebelsignalapparate nur durch den Seegang in Bewegung
gesetzt werden können, bei stillem Wetter also versagen, dafs die mit ihnen
gegebenen Lautsignale zu schwach sind,. um auf nur einige Entfernung gegen
den Wind gehört zu werden, und dafs die Signalmittel einer Art, also Glocke
von Glocke, Heuler von Heuler, unter den in Frage stehenden Verhältnissen
nicht mit Sicherheit voneinander unterschieden werden können.
5. Ein richtig konstruirter Leuchtapparat entwickelt seine gröfste
Leuchtkraft in seiner Fokalebene. Bei jeder Neigung der Tonne, welche bei
ginem schwimmenden Gegenstande doch unvermeidllich ist, mufs somit eine
größere oder kleinere Schwächung des nach dem Horizont ausstrahlenden Lichtes
eintreten, so daß es bei einer stetigen Neigung der Tonne dem Auge eines auf
einem Schiffe in einiger Entfernung befindlichen Beobachters als wesentlich ge-
schwächt, wenn nicht als erloschen erscheinen muß, Bei einem Pendeln der
Tonne im Seegang wird dagegen die Stärke eines festen Laternenfeuers, je nach
ihrer mehr oder weniger aufrechten Lage, periodisch ab- und zunehmen, und