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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

Mensing: Versuche mit Gastonnen in der Aufsenjade, 
"x 
Ueber die Versuche mit Gastonnen, System Pintsch, abgehalten 
in der Aufsenjade vom 23. August bis 7. November 1892. 
Von ADOLF MENSING, Kapitän zur See a. D. 
I. Einleitung. 
In der Zeit vom 23. August bis 7. November 1892 fanden in der Aufsen- 
jade Versuche mit Leuchttonnen, System Pintsch, statt. Sie hatten in erster 
Linie den Zweck, festzustellen, ob das Auslegen einer Anzahl solcher Tonnen 
an den Rändern eines Fahrwassers allein genügen würde, um die Fahrt durch 
einen offenen Meeresarm, besonders aber das Einlaufen in denselben von See 
aus, auch bei schlechtem Wetter zu sichern. 
Die Einfahrt zum Suezkanal bei Port Said und der Einlauf auf die Rhede 
von Dünkirchen sind bekanntlich in dieser Weise bereits bezeichnet, Die an 
beiden Orten gewonnenen Erfahrungen hätten, selbst wenn authentische Berichte 
darüber zur Hand gewesen wären, zur erschöpfenden Beantwortung der gestellten 
Frage jedoch nicht ausgereicht. Denn einmal sind die atmosphärischen Ver- 
hältnisse des Mittelmeeres von denen der Jade sehr verschieden; bei Dünkirchen 
aber fanden die Leuchttonnen nur in Verbindung mit Feuerschiffen Anwendung, 
während sie in der Jade streckenweis allein und ohne weitere Unterstützung 
benutzt werden sollten. In beiden Fällen waren somit die gemachten Erfahrungen 
zur Beantwortung der gestellten Frage nicht ohne Weiteres heranzuziehen. 
Selbst über Versuche zur Feststellung des Werthes einzelner Leucht- 
tonnen für die Nachtbezeichnung von Fahrwassern liegen nur wenige pinwandfreie 
Berichte vor. Von diesen geht, meines Wissens, wiederum nur der eine, in dem 
Werke E. Allard, „Les Phares, Histoire, Construction, Eclairage“, Paris 1889, 
Seite 392 bis 398, abgedruckte Bericht genügend ins Einzelne, um etwas Rechtes 
damit anfangen zu können. 
Einige nähere Mittheilungen über die Ergebnisse unserer Versuche dürften 
demnach für die Beurtheilung des Werthes von Gastonnen um so mehr von all- 
gemeinem Interesse sein, als es doch häufiger vorkommt, da(s die Richtung eines 
Fahrwassers oder ein häufiger Wechsel derselben die Verwendung von Leit- 
feuern auf festem Lande ausschliefst und das Auslegen von Feuerschiffen nicht 
allein sehr kostspielig sein würde, sondern auch an manchen Stellen der Küste 
des Seeganges wegen als ein sehr gewagtes Experiment erscheinen muß. Es 
ist z. B. ‚eine mehrfach vorgekommene Thatsache, dafs die Schnelldampfer des 
Norddeutschen Lloyds mit einer Höhe des hinteren Schilddecks von etwa 6,5 m 
über Wasser beim Einlaufen in die Aufsenweser zwischen Schlüsseltonne und 
dem Leuchtthurm „Rother Sand“ besonders bei Stürmen aus WNW und laufender 
Ebbe durch’ über das Heck brechende Seen schwere Deckhavarien erlitten haben. 
Man hat dann häufiger das Deck voller Sand gefunden, so dafs das Vorkommen 
wirklicher Grundseen in dem tiefen Fahrwasser der Aufsenweser nicht zu be- 
zweifeln ist. 
Gegen solche würden aber selbst Dampffeuerschiffe gewöhnlicher Bauart 
nicht Stand halten können, selbst wenn sie mit sehr kräftigen Maschinen und 
sehr reichlich bemessenem Personal versehen wären. Denn wenn sie auf Ebbe 
vor Anker liegen, so würde ihr Heck trotz aller Vorsichtsmaßsregeln den aus See 
heranrollenden Wogen schutzlos preisgegeben sein. Durch die Schraube wesentlich 
beschwert, "kann das Heck sich nicht leicht und rechtzeitig heben. Die Seen 
werden deshalb mit furchtbarer Gewalt auf das Deck aufschlagen, das kleine 
Fahrzeug ganz überfluthen und Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, vielleicht 
auch, wie das den Dampfern auf der New Yorker Fahrt dann und wann passirt 
ist, die Brücke mit sich reifen. 
Nun soll allerdings hier nicht in Zweifel gezogen werden, dafs die Kunst, 
welcher es so ziemlich gelungen ist, Schiffe gegen moderne Angriffswaffen zu 
schützen und sie zu befähigen, mit voller Fahrt durch schwere See zu laufen, 
ans im Stich lassen würde, wenn wir von ihr verlangten, ein vor Anker liegendes
	        
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