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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

520 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1895. 
die ganze Küste ausdehnte, auffrischende südwestliche Winde zunächst an den 
westlichen Küstentheilen und Erwärmung bedingte; die Morgentemperatnren 
erreichten am 5. fast durchweg die Normale und stiegen bis zum 7. Mit einer 
Tiefe von weniger als 725 mm schritt das Minimum vom 4. bis 8. vom Westen 
[rlands nordnordostwärts und entsandte einen Ausläufer über Mittelskandinavien 
nach dem Finnischen Busen, unter dessen Einflufs am 7. an der Ostseeküste 
stürmische Winde aus SW-— West, meist Stärke 8, auftraten. 
Am 8, erstreckte sich morgens ein Ausläufer niedrigen Druckes von NW 
her durch die Nordsee, und sehr starkes Fallen an dieser Küste verrietb die 
Ausbildung eines Theilminimums, welches am Mittag mit weniger als 745 mm 
Druck in der südlichen Nordsee lag und die zum folgenden Morgen nach der 
ostpreufsischen Küste fortschritt, längs der ganzen Küste von starken Stürmer 
aus westlichen Richtungen, Stärke 8 bis 10, begleitet; sehr ergiebige, 20 mm: 
übersteigende Niederschläge traten ein am 9. in Friedrichsort (22), Kiel (22), 
Aarösund (26) und in Süderhöft (23), Die mittlere Ostsee hatte am 5. und 6. 
stellenweise Gewitter, 
Am 10. trat vorübergehend trockenes Wetter ein. Ein neues, sehr tiefes 
Minimum, am Morgen des 11. mit weniger als 720 mm Druck nördlich von 
Schottland gelegen, schritt in nordöstlicher Richtung auf dem Ocean vorüber, 
seinen Wirkungskreis bis nach Russland hin ausdehnend. Kin von Mittel- 
deutschland nach der Ostsee wanderndes tiefes Theilminimum hatte am 13. an 
jer östlichen Ostseeküste stürmische Winde aus westlichen Richtungen, meist 
Stärke 8, an der westlichen Nordsee und mittleren Ostsee Gewitter im Gefolge. 
Die Morgentemperaturen fielen an der Nordsee langsam vom 8. bis 10., am der 
Ostsee bis zum 11., im Osten bis’ zum 12. und in stärkerem Grade, dann stiegen 
sie wieder an und zeigten weiterhin bis zum 17. wenig Aenderung.. vn 
Als am 15. ein neues tiefes Minimum westlich der Britischen Inseln nord- 
ostwärts vorüberschritt und gleichzeitig hoher Druck von SO her nach Central- 
auropa stark vordrängte, frischten die Winde an der östlichen Ostsee zu Sturm 
aus westlichen Richtungen, meist Stärke 8, auf, während am 16. eine Ausbuchtung 
im Süden der Depression in Wechselwirkung mit dem Hochdruckgebiet, an der 
Nordsee stellenweise stürmische südwestliche Winde, Stärke 8, bedingte. 
Noch am Morgen des 17. lagerte ein tiefes Minimum, unter 730 mm, im 
Norwegischen Meere, in ganz Skandinavien Südweststurm hervorrufend, während 
an unserer Küste, schon im Bereich hohen Druckes, diese Winde mit mäßiger 
Stärke wehten, und gehörte dieselbe bis Ende des Monats Hochdruckgebieten an, 
ausgenommen am 22., wo ein Minimum in der Nordsee lag, welches am 23. nach 
dem westlichen Mittelmeere fortschritt und, da der Druck in seinem Rücken über 
dem Nordseegebiet stark stieg, stellenweise stürmische östliche Winde, Stärke 8, 
am 23. an der Nordsee hervorrief, sowie am 27., wo die Ostsee vorübergehend 
anter dem Einflufs einer über Westrussland lagernden Depression stand, An 
diesen Tagen traten an den genannten Küstengebieten Niederschläge ein, während 
im Uebrigen vom 18. bis 31. meist trockenes, am 21. an der Nordsee, westlichen 
und mittleren Ostsee, am 29. und 30. an der Ostsee vorwiegend heiteres, am 19, 
20., 26. und 27. an der Nordsee, westlichen und mittleren Ostsee vorwiegend 
nebeliges Wetter herrschte. Die Morgentemperaturen sanken meist vom 18. bis 
22. oder 23. (in Memel 24.) und lagen seit dem 20. fast durchweg unter der 
Normale. Oestlich der. Oder trat am 26. und 27. eine starke Erwärmung ein, 
auf allen Stationen starkes Sinken der Temperatur am 29. und 30., so dafs fast 
durchweg am letzten Monatstage die niedrigste Temperatur beobachtet wurde. 
In den Monatswerthen waren der Luftdruck erheblich, die Temperatur 
ein wenig zu hoch, Niederschläge und die registrirten Windgeschwindigkeiten 
wichen um meist geringe Beträge in verschiedenem Sinne von den Mittelwerthen 
ab. Von den Windrichtungen hielten sich, an Häufigkeit vorherrschend, im Al- 
gemeinen die südöstlichen und südwestlichen das Gleichgewicht. 
Gedruckt und in Vertrieb bei E. S. Mittler & Sohn 
Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei 
Berlin SW. Kochstrafse 68—71.
	        
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