Meinardus: Zur Kenntnifs der täglichen und jährlichen Periode der Gewitter, 507
33 000 Beobachtungssätze als brauchbar erwiesen. Die Zahl der Beobachtungen
ist am gröfsten im Januar und März.
Zur See werden täglich sechsmal (in vierstündigen Zwischenräumen, nach jeder
„Wache“) Bestimmungen der meteorologischen Elemente vorgenommen und ihre
Werthe in die betreffenden Spalten der Journale eingetragen. Nur unter der
Rubrik „Wetter“ pflegt nicht der zur Zeit des Beobachtungstermins beobachtete
Wetterzustand (in Gestalt der Beaufort’schen Buchstabenzeichen) vermerkt zu
werden, sondern der Witterungs-Charakter des verflossenen vierstündigen Zeit-
raums. Die in der letzten Spalte der Tabelle I mitgetheilte Zahl der Donner-
beobachtungen bezeichnet demnach die Zahl der Wachen mit Donner, nicht die
der Termine. (Die letztere würde viel kleiner ausfallen als die erstere und
sich zur Ermittelung der absoluten Donnerwahrscheinlichkeit, nach Köppen’s
Terminologie, eignen.) Die Zeit des ersten Donners oder der „fase massima“
wird in den Journalen nicht angegeben, man kann also nur ermitteln, ob es über-
haupt in einem vierstündigen Zeitraum gedonnert hat, dies rechtfertigt die
Ueberschrift der Spalten in Tabelle I. Jede Reihe der Tabelle giebt an, wie
sich die in der letzten Spalte angegebene Zahl der Donnerbeobachtungen über
die sechs Wachen vertheilt, Die Reiben sind auf diese Weise untereinander
vergleichbar gemacht. Man darf wohl olme Bedenken annehmen, dafs diese
Zahlen nicht blofßs die tägliche Periode des. Donners, sondern auch die der
Gewitter für die betreffenden Gebietstheile darstellen. Die absolute Zahl der
Wachen mit Donner wird ja im Allgemeinen größer sein als die Zahl der Wachen
mit Gewitter, da es sich ereignen kann, dafs ein und dasselbe Gewitter in zwei
Wachen fällt, also zwei Wachen mit Donner schafft, Aber weil dieser Fall für
alle Tageszeiten mit gleicher Wahrscheinlichkeit eintreten dürfte, so siud die
relativen (procentischen) Zahlen für Donner und Gewitter wohl als gleich anzu-
sehen, Das rechtfertigt die Ueberschrift der Tabelle Il. Der 92.° O-Lg hat in
dem Beobachtungsgebiet eine gewisse Bedeutung, er theilt die Beobachtungen in
solche, die weit vom Lande entfernt sind, und solche, die den Andamanen, Niko-
baren und der Insel Sumatra näher liegen und davon nicht ganz unbeeinflufst
bleiben können. Die Zahl der Beobachtungen ist im grofsen Ganzen von November
bis März westlich, von April bis Juni und später östlich von jenem Meridian
gröfser. Die drei ersten Reihen der Tabelle I, besonders die zweite, prägen
demnach den oceanischen Typus der Gewitterperiode am reinsten aus, die späteren
zeigen diesen Typus abgeschwächter. Die vorletzte Reihe giebt das Mittel für
das ganze Beobachtungsgebiet. Ueberall zeigt sich ein mitternächtliches
Maximum.
Um einen Vergleich dieser Gewitterbeobachtungen mit denen im Nord-
westen Schottlands, die Buchan mitgetheilt hat (abgedruckt in Sprung: „Lehr-
buch der Meteorologie“, Seite 359), zu ermöglichen, war eine Reduktion der
letzteren auf die sechs Beobachtungswachen erforderlich. Auf den Leuchtthürmen
vor der schottischen Küste wurden täglich achtmal einstündige Beobachtungen
über Donner gemacht (von 1* bis 2", 4" bis 5*, 7% bis &® ete). Durch Inter-
polation kann die Zahl der Donner aus den direkt beobachteten auch für die
übrigen Stunden des Tages leicht näherungsweise gefunden werden. Zieht man
dann je vier aufeinander folgende Zahlen zusammen, so erhält man die Zahl
der Donner in den Stunden 12* bis 4*, 4 bis 8%, 8* bis 12"a und p. Diese
endlich noch in Procente umgerechneten Werthe sind in der letzten Reihe der
Tabelle I aufgeführt. Die Uebereinstimmung dieser Reihe mit den darüber
stehenden ist so überraschend grofs, dafs man ohne Weiteres den Schlufs daraus
ziehen kann, dafs im Bengalischen Meerbusen und im Nordwesten von
Schottland ein und dieselbe Ursache die Gestalt der täglichen Ge-
witterperiode bestimmt.
Ehe wir an dieses interessante Ergebnils einige Bemerkungen knüpfen,
werfen wir einen Blick auf die jährliche Periode der Gewitter im nordöstlichen
Theil des Indischen Oceans, Tabelle II giebt die procentuale Häufigkeit der
Tage mit Donner, die darauf folgende Tabelle giebt die Zahl der Beobachtungs-
tage, gestattet also ein Urtheil über die relative Sicherheit der Häufigkeitszahlen.
Ausführlicheren Nachweis findet man in Tabelle 40 und 41 a. a. O0.
Wie ich in der erwähnten Abhandlung (Seite 23 f. und Seite 34) ein-
gehender dargelegt habe, breitet sich in dem fraglichen Gebiet eine Neigung zu