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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1895.
Beitrag zur Kenntnifs der täglichen und jährlichen Periode der
Gewitter auf dem Ocean.
Von Dr. WILE. MEINARDUS.
Die bisherigen Anschauungen über den täglichen und jährlichen Gang der
Gewitterhäufigkeit auf dem Meere stützen sich zum Theil auf die Donnerbeobach-
tungen an Küstenstationen, zum "Theil auf maritime Beobachtungen von elek-
trischen Erscheinungen überhaupt, wobei nicht zwischen Donner und Wetter-
leuchten unterschieden ist, sondern alle Blitzbeobachtungen als Gewitter in
Rechnung gestellt sind, so z. B. in der Darstellung der „Gewitterhäufigkeit“ auf
dem Indischen Ocean im Segelhandbuch für diesen Ocean (herausgegeben von
der Deutschen Seewarte 1892) und in der von P. Schlee über die klimatischen
Verhältnisse des südwestlichen Atlantischen Oceans ausgeführten Untersuchung
(„Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte“, XV, 1892, und „Met. Z.“, IX, 1892,
Seite 441 ff). Da man sich nun aber dahin geeinigt hat, den Donner (nicht auch
das geräuschlose Blitzen) als Charakteristikum einer Gewitterbeobachtung an-
zusehen, 80 ist also unsere Kenntnifs von der wirklichen Gewitterperiode auf
dem Ocean noch sehr beschränkt. Um sie zu erweitern, ist es dringend erforder-
lich, bei einer Bearbeitung maritimen Beobachtungsmaterials hinfort die Beobach-
tungen von Donner und Wetterleuchten zu trennen und jene allein zur
Grundlage der Gewitterforschung zu machen. Nur wenn die tägliche und jährliche
Periode der Donnerbeobachtungen allein bestimmt ist, kann man sie mit der
Periode an festländischen Stationen vergleichen.
Weil die Sichtbarkeit der Blitze in einem umgekehrten Verhältnifs zur
Stärke des diffusen Himmelslichts steht, also zu einer Größe, die vor Allem von
der Tages- und Jahreszeit, außserdem noch von der geographischen Breite der
Beobachtungsorte abhängt, so wird unter allen Umständen in der täglichen und
jährlichen Periode der elektrischen Erscheinungen überhaupt, die oft fälschlich
als Gewitterperiode ausgegeben ist, sich die Neigung zu einem nächtlichen und
winterlichen Maximum bemerkbar machen wollen, so dafs der wahre Gang der
Periode verschleiert wird. Die Periode der Empfindlichkeit der Netzhant des
Beobachters mit ihrem nächtlichen Maximum wird der wahren Periode der elek-
trischen Erscheinungen superponirt. Kine derartige fälschende Beeinflussung
durch die Disposition eines Sinnesorgans braucht dagegen bei der Bestimmung
der Periode des Donners nicht befürchtet zu werden, am allerwenigsten auf dem
Meer, weil hier der Beobachter auch während der Nachtzeit mit voller Aufmerk-
samkeit auf seinem Posten steht, während dem Beobachter auf dem Lande
während der Nachtruhe gewifs nicht alle Donner zu Gehör kommen.
Diese Erwägungen machten es mir zur Pflicht, als ich die im Archiv der
Deutschen Seewarte niedergelegten werthvollen Schiffsjournale zu einer Bear-
beitung der klimatischen Verhältnisse des nordöstlichen Theils des Indischen
Oceans benutzte, die Donnerbeobachtungen für sich zu behandeln und deren täg-
liche und jährliche Periode für diesen Meerestheil zu bestimmen. Die Ergebnisse
dieser beiläufigen Untersuchung sind nur zum Theil mit der Hauptarbeit ver-
öffentlicht, der gröfsere Theil derselben ist der Gegenstand dieser Mittheilung.
Kine ausführlichere Besprechung der Auswahl der Beobachtungen, ihre
Vertheilung über das Jahr und das Beobachtungsgebiet findet man in der Ein-
leitung zu der erwähnten Arbeit, die im „Archiv der Deutschen Seewarte“ XVI,
1893 erschienen ist. Hier zur kurzen Orientirung nur Folgendes:
Der Untersuchung wurde nur Beobachtungsmaterial aus den zuverlässigsten
Segelschiffjournalen zu Grunde gelegt. Die Beobachtungszeit umfalst die Jahre
1885 bis 1590. Die räumlichen Grenzen des Beobachtungsgebietes sind im Süden
durch den 10.° S-Br, im Westen etwa durch den 86.° O-Lg, im Uebrigen durch
die Küsten der hinterindischen Halbinsel und Sumatras bezeichnet. Wegen der
ungünstigen Vertheilung der dortigen Schiffsfrequenz über das Jahr mußte die
Bearbeitung der klimatischen Elemente auf die Monate November bis Juni ein-
geschränkt werden. Die Beobachtungen von Juli und August wurden zu einem
Mittel vereinigt, Im Ganzen haben sich in dem oben genannten Zeitraum etwa