Grossmann: Zur Beobachtung der Wolken,
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yeführt und den ursprünglich gegebenen Lebensbedingungen entrissen wurden
und meist nicht zu voller Entwickelung gelangen, und bezeichnet sie als eine
der am weitesten verbreiteten Wolkenarten; man erblickt sie unter Cumulo-
nimbus, doch weniger häufig als Nubes informis, weit öfter jedoch unter Nimbus,
deren Basis sie bilden.
Diese Wolkenart ist keineswegs mit dem Fracto-cumulus der internatio-
nalen Nomenklatur identisch, welche mit diesem Namen die beständiger Ver-
änderung unterworfenen Wölkchen bezeichnet, in welche Cumulus-Gewölk unter
der Einwirkung starker Winde zerfällt; Po@y führte diese Wolkenart unter dem
gleichen Namen als Fragmente von Cumulus ein, doch scheint er diese Bezeich-
nung auf den Strato-cumulus der internationalen Klassifikation ausgedehnt zu haben.
Unter Nebula versteht Ley den von Howard eingeführten Sitratus, auf
dem Boden liegenden Nebel, an dessen Stelle die internationale Klassifikation
unter Beibehaltung der Bezeichnung Stratus die durch gehobenen Nebel gebildeten
Wolken bezeichnet und, wie folgt, definirt: „Eine dünne horizontale Schicht
gehobenen Nebels. Wird dieselbe durch Wind oder Einwirkung von
Berggipfeln zerrissen, so kann man sie als Fracto-stratus bezeichnen“.
Die Wolkentafeln von Singer enthalten den Zusatz, dafs diese Wolken das trübe
Wetter des Winters bringen und bei ruhigem Wetter und hohem Barometerstand
lange Zeit bestehen können; dies entspricht der international vereinbarten Auf-
fassung aber nicht, die letzteres Gewölk als Strato-cumulus (Stratus quietus von
Ley) ansieht.
. Als nebula pulverea bezeichnet Ley die in manchen Theilen der Erde
vorkommenden, in niederen Höhen schwebenden Staubwolken, die aber kaum als
eine eigene Wolkenart, ihrer geringen Bedeutung halber, aufzunehmen sein dürften.
. Die von Ley aufgestellten weiteren neun Abarten, die sich am Schlufs
seiner Klassifikation finden, sind leicht beschrieben. Der Zusatz praecipitans
deutet an, dafs die Wolke Niederschläge fallen läfst, und ebenso grandineus und
nivosus, dafs sie mit Hagel oder Graupeln, bezw. mit Schnee auftritt. Die Zu-
fügung mammaetus bezeichnet ein eigenthümliches Aussehen der betreffenden Wolke,
von deren unterer Basis gleich umgekehrten Cumuli oder mammae Auswüchse
herabhängen. Diese letzteren Wolkenvarietäten kannte Po@y auch, bezeichnete
aber die Auswüchse, mammae, der Wolken als Globo-Cirrus und Globo-cuwmulus,
und, wie es scheint, mit gröfserer Berechtigung, da nach Ley in keineswegs
seltenen Fällen, wenn die Mutterwolke verschwindet, die mammae noch tagelang
selbständig fortbestehen können. Endlich stellt Nebula stillans einfach einen
nässenden Nebel (Nebelregen) dar.
Besondere Beachtung verdient von diesen Nebenformen die Einführung
des Siratus praecipitans, indem nach Ley Stratus maculosus nicht selten, Stratus
quietus zuweilen, und in seltenen Fällen Stratus lenticularis Regen oder Schnee
herabfallen lassen, der die Erde erreicht oder unterwegs wieder verdunstet, ab-
hängig von der Temperatur. nahe der Erdoberfläche und der Höhe der Wolke;
Bedingung ist einzig, dafs diese Wolken so grofse Wassertheilchen mit sich
führen, dafs diese herausfallen müssen.
Im Gegensatz zu Ley kennt die internationale Klassifikation Niederschlag
nur bei Cumulo-nimbus und dem specifischen, nicht zu erkennenden Nimbus mit
dem Attribut der darüber ausgebreiteten Schicht höherer Wolken, und folgt hierin
Howard. Da indessen andere Wolkenkenner mit Ley übereinstimmen, und
wir sogar der Behauptung begegnen, dafs gerade die anhaltenden Landregen
nicht aus der charakteristischen Nimbus-Wolke fallen, so liegt hier ein prinei-
pieller Widerspruch von grofser Bedeutung vor. Man hätte die Frage bei der
internationalen Klassifikation einfach als eine offene behandeln und es leicht ver-
meiden können, besonderen Nachdruck auf die Niederschläge zu legen. Kine
Beobachtung beispielsweise, die mit den Festsetzungen dieser Klassifikationen
auch nicht in Einklang zu bringen ist, wird man nicht selten machen können,
dafs nämlich bei dem Herannahen einer Depression der erste schwache Regen
zuweilen aus der Alto-stratus-Schicht herabfällt, ehe die Nimbus-Schicht heran-
gekommen ist. Wird nicht ferner dieselbe Wolke auf einem Berge häufig als
Nimbus gelten müssen, während der Beobachter im Thale Strato-cumulus notirt,
and wird nicht sogar diese Bezeichnung, häufig von Ort zu Ort wechseln müssen?