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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1895. 
scheinbar allmählich abnehmend, alljährlich wiederholt hatten; es handelt sich 
hier um äußerst entfernte zarte Wolkengebilde in 80 bis 90 km Höhe über dem 
Erdboden, die nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang im Licht der Sonne 
erstrahlen. Um ihre Erforschung hat sich O. Jesse besonderes Verdienst er- 
worben (vgl. „Meteorologische Zeitschrift“, Jahrgang 1885 und folgende Jahrgänge). 
Diese, vermuthlich dem Verschwinden geweihte Wolkenart hat in keiner anderen 
Klassifikation Aufnahme gefunden. 
Die Wolkenarten Cirrus und Cirro-filum von Ley umfassen die von 
Howard aufgestellte und in die internationale Klassifikation unverändert auf- 
genommene, Cirrus benannte Wolkenart, für welche folgende internationale 
Definition vorliegt: „Getrennt auftretende Wolken von zartfaserigem 
Aussehen, welche die Gestalt von Federn annehmen, meist weifs sind, 
zuweilen zu Gürteln!) geordnet auftreten, die einen Theil des Himmels 
als gröfste Kreise durchschneiden und durch die Wirkung der Per- 
spektive nach einem oder zwei entgegengesetzten Punkten des Himmels 
konvergiren (Cirro-stratus und Cirro-cumulus bilden häufig auch solche 
Gürtel).“ Von diesen Wolken hat Ley die mehr isolirt auftretenden als Cirrus, 
dagegen die in zarten und bestimmten Linien mit gewöhnlich einem gekräuselten 
Ende oder in Form aneinander gereihter Federn und Büschel (wisps?) und zumal 
die in Gürteln auftretenden Wolken (vermuthlich auch unsere „Windbäume“) als 
Cirro-flum bezeichnet. Ley hebt verschiedene weitere Unterscheidungsmerkmale 
hervor, giebt aber selbst zu, dafs die Unterscheidung zuweilen schwierig sei. Da 
Polarbanden auch von Cirro-stratus und Cirro-cumulus gebildet werden, so deckt 
sich Cirro-filum nicht mit der Po&y’schen Wolkenart Tracto-cirrus, die alle Polar- 
banden umfafste. 
Aufserhalb der Tropen tritt der Cirrus (Ley) nach dem Verfasser als eine 
Wolke der Sommer-Anticyklone auf, nur selten finden wir sie als Begleiter oder 
Vorläufer von atmosphärischen Störungen; indessen gilt ihr Erscheinen meist als 
Anzeichen früherer, häufig weit entfernt aufgetretener lokaler Schauer. Bei gutem 
Sommerwetter mit mäfßig hohem und gleichbleibendem Luftdruck läfst nämlich 
ein lokales Gewitter häufig Cirrus zurück, der sich Tage lang erhalten und vom 
Winde hänfig auf sehr grofse Entfernungen fortgeführt werden kann; auf diese 
Weise sollen die höchsten und mächtigsten Cirruswolken dem Cumulo-nimbus 
ihre Entstehung verdanken, so dafs im Winter der Eintritt von Cirrus in der 
Höhe das Nahen unruhiger Witterung anzeigt, da Cumulo-nimbus, entgegen dem 
Sommer, zur kalten Jahreszeit im Gebiet atmosphärischer Wirbel auftritt, 
Cirro-filum stellt sich nach Ley als ferner Vorläufer der atmosphärischen 
Störungen dar. Auf Seite 120 und 120/127 giebt der Verfasser einige Regeln, 
die insbesondere auf den Britischen Inseln als Anhaltspunkt bei der auf den Zug 
von Cirrus und die Lage des Radiationspunktes, aus welchem die Polarbanden 
auszustrahlen (und unter geringer Winkelabweichung meist herziehen) scheinen, 
zu gründenden Wetterprognose dienen sollen, deren Wiedergabe aber hier zu 
weit führen würde. 
Cirro-velum betrachtet Ley als eine weitere Entwickelungsform von Cirro- 
filum, sie besteht aus zahlreichen verflochtenen Fäden dieser Wolkenart, die so 
dicht verwoben sind, dafs sie eine fast einheitliche Schicht darstellen; sie gehört 
dem Gebiet der atmosphärischen Störung an oder geht ihr unmittelbar voraus, 
so daß ihr Herannahen am Horizont besondere Bedeutung für die Wetterprognose 
besitzt; unter einer dichten Wolke?) dieser Art treten häufig die höheren Stratus- 
formen auf. Bewegen sich diese ziemlich schnell in der gleichen Richtung wie 
Cirro-velum (für welch letztere jedoch Richtung der Bewegung und der sichtbaren 
Ausbreitung nicht zu verwechseln sind), so sind die Wetteraussichten nicht so 
schlimm, als wenn sie nahezu stationär erscheinen, Aussichten auf besonders 
schlechte Witterung bestehen nach Ley, wenn im Winter C%rro-velum als milchige 
Trübung des Himmels (Cirrus-Dunst, von Ley früher Cirro-nebula benannt) auftritt, 
da dann Nimbus meist bald nachfolgt, während zu Anfang des Sommers diese Er- 
scheinung in seltenen Fällen auch gutes Wetter im Gefolge haben kann. 
4) Polarbanden oder Radiations-Streifen genannt. 
2) Hier ist offenbar Altu-stratus gemeint. unter deren Schicht nach Lev zumal Stratus 
maculosus auftritt und sich zu dem kompakten Nimbus verdichtet.
	        
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