Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1895,
Zur Verbreitung dieser Klassificirung trugen die Lehrbücher von Kämtz,(7)
zumal auch deren theilweise Uebersetzung ins Englische, bedeutend bei, doch
fand hiermit gleichzeitig auch die von Kämtz gewonnene subjektive Auffassung
der Howard’schen Wolkenarten vielfach Eingang. Wie weit die hier auftretenden
Abweichungen auf Mifsdeutungen beruhen oder wie weit eine Aenderung der
Definition beabsichtigt war, ist nicht zu entscheiden, auch unwesentlich, doch
haben diese Definitionen von Kämtz noch bis zum heutigen Tage ihren Einflufs
bewahrt.
Unter jenen Männern, die für die weitere Entwickelung der Wolkenkunde
zunächst besondere Bedeutung gewannen, mufs in erster Linie Po6y(8) genannt
werden, ein für die Bedeutung des Gegenstandes begeisterter Forscher, der eine
ungleich intensivere Beobachtung des Wolkenhimmels verlangte, mit grofser
Schärfe die Mängel der Howard’schen Eintheilung hervorhob und an deren
Stelle eine neue Eintheilung setzte, die gewiß einen bedeutenden Fortschritt
bezeichnete. Seine Werke über die Wolken enthalten so vieles Vortreffliche,
dafs von dem mancherlei Minderwerthigen gern abgesehen werden kann. An-
klängen aus seiner Wolkenklassifikation begegnen wir noch heute vielfach, doch
insbesondere beschleunigten seine Arbeiten die Ueberzeugung von der Unzuläng-
lichkeit der Howard’schen Eintheilung.
Entgegen der vom Verfasser oder dem Herausgeber in der Einleitung
ausgesprochenen Ansicht darf behauptet werden, dafs auch auf dem Gebiet der
Wolkenkunde in den letzten Jahren fleilsig gearbeitet worden ist, Von den
’rüheren Arbeiten geben die umfassenden Literaturnachweise von Po&y(8) gute
Kunde, über die späteren orientiren u. A. zwei Abhandlungen von Köppen(9)
und Clayton.(10) Mit der Entwickelung der Klassifikation der Wolken ins-
besondere sind die Namen Howard, (6) Poey,(8) Ley,(1) Weilbach,(1l) Hilde-
brandsson(l12) und Abercromby(l3) durch bleibende Verdienste aufs Innigste
verknüpft.
Im Jahre 1887 vereinigten sich die letztgenannten, Abercromby(13a) und
Hildebrandsson über zehn Hauptformen von Wolken, die späterhin dem von
Hildebrandsson, Köppen und Neumayer 1890 herausgegebenen, in Buntdruck
ausgeführten Wolkenatlas(14) zu Grunde gelegt worden sind. Diese Eintheilung
wurde vom internationalen meteorologischen Kongrefs in München(15) im Jahre
1890 nach lebhafter Diskussion und vielfach entschiedenem Widerspruch als Basis
der künftigen Wolkenbeobachtungen durch Mehrheitsbeschlufs gutgeheifsen und
von dem „Internationalen meteorologischen Komitee“ in seiner Sitzuug zu
Upsala(16) im Jahre 1894 mit nur geringer Aenderung angenommen. Das
yenannte Komitee hat zumal auch die Herausgabe eines neuen, der internationalen
Wolkenbeobachtung zu Grunde zu legenden Wolkenatlas übernommen, für welchen
die Vorarbeiten als bereits nahe erledigt zu betrachten sind und welcher an
Stelle des genannten Wolkenatlas, (14) sowie der später erschienenen Wolkentafeln
von Singer,(17) und der vielen übrigen zu Beobachtungszwecken dienenden Wolken-
bilder der verschiedenen meteorologischen Instruktionen zu treten berufen ist.
In der folgenden Nebeneinanderstellung der Wolkenarten der beiden
Klassifikationen finden wir die international vereinbarten in ihrer festgesetzten
Reihenfolge, dagegen die von Ley angenommenen in einer etwas veränderten
Anordnung, indem entsprechend die höchsten Wolken vorangestellt wurden. Es
sind die Höhen der Wolken nach den Angaben des Wolkenatlas und von Ley,
sowie in Klammern die die ersteren ergänzenden Angaben der Wolkentafeln von
Singer beigefügt. Bemerkt sei, dafs wir bei Ley eine bestimmte Angabe ver-
missen, in welcher Weise seine Wolkenhöhen ermittelt worden sind, indem uns
nur mitgetheilt wird, dafs sie die Arbeit eines Lebens darstellen und bei ihrer
Feststellung alle einschlägigen Arbeiten sorgfältige Beachtung gefunden haben,
wobei der werthvollen Arbeiten von Hildebrandsson, Ekholm, Hagström
and Clayton auf diesem Gebiet besondere Erwähnung gethan wird.
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