Ein Sturm auf den Azoren am 7. und 8. Dezember 1894.
493
in das um 1 Uhr nachmittags abgeschlossene tägliche Bulletin, in Paris jedoch
kommen sie schon fast‘ stets zu spät für die Wetterkarte an, und im übrigen
Europa würde dies noch mehr der Fall sein. .
Unter allen Umständen ist aber schon jetzt die Wissenschaft dem Lissa-
boner Observatorium und Herrn Chaves zu grofsem Danke verpflichtet für die
Beobachtungen auf diesem exponirten Posten. Das tägliche Bulletin des Obser-
vatoriums del Infante Dom Luiz gestattet dadurch, dafs es die Beobachtungen
von zwei Punkten auf den Azoren und von Madeira enthält, den Horizont der
europäischen Wetterkarten schon vor Einlauf von. Schiffsbeobachtungen ganz
erheblich nach SW auszudehnen. W. K.
Zur Beobachtung der Wolken.
Nach W. Clement Ley: Cloudland, a Study on the Structure and Characters
of Clouds.
With numerous coloured plates, photogräphs, charts and diagrams.
London 1894, Edward Stanford.
Dr. GROSSMANN, Hamburg (Seewarte).
Mit besonderer Erwartung ist diesem Werke des durch ‚seine früheren
Arbeiten aus dem Gebiete der Wolkenkunde wohlbekannten Verfassers, (1) der das
Studium der Wolken zu seiner Lebensaufgabe gemacht hatte, entgegengesehen
worden. Eine schwere Erkrankung verhinderte ihn leider, das Werk selbst zu
Ende zu führen, so daß wir es aus der Feder eines Verwandten, C. H, Ley,
erhalten haben, der uns jedoch die Versicherung abgiebt, dafs wir in allen Theilen
die unverfälschten Ideen des geistigen Urhebers antreffen.
Das Buch stellt sich die Aufgabe, das Verständnifs für das Wolkengefilde,
womit wir den Titel Cloudland am besten wiederzugeben meinen, zu wecken,
dem aufmerksamen Leser die Deutung der atmosphärischen Vorgänge, wie sie
sich in den Wolken abspielen, zu ermöglichen und somit den Einzelbeobachter
zu wissenschaftlicher Forschung zu befähigen und anzuregen, welche dem weiteren
Ausbau der Meteorologie zu Gute kommen müfste. Da gerade der Seemann durch
seinen Beruf, der ihn auf der ganzen Erde umherführt, ihm den Aufenthalt
vorwiegend im Freien anweist und sein Wohl und Wehe in ganz besondere
Abhängigkeit von Wind und Wetter zwängt, zumal zur Beobachtung der
Wolken berufen erscheint, so ist es von Bedeutung, gerade an dieser Stelle
auf jenes einfach und verständlich geschriebene Werk eines unserer tüchtigsten
Wolkenkenner hinzuweisen, in der Hoffnung, durch eine Besprechung des
Inhalts nicht allein zu seinem Studium anzuregen, sondern auch unmittelbar
das Interesse für die Wolkenbeobachtung zu fördern.
Die sprachlich treffende Schilderung der Wolken, ihre nähere Kennzeichnung
durch Form, Bewegungsgröfße, Färbungen. bei verschiedenen Beleuchtungen und
die sonstigen optischen Erscheinungen, durch Angabe der begleitenden atmo-
sphärischen Verhältnisse und der gleichzeitig auftretenden Wolkenformen, unter-
stützt durch gut gewählte und vortrefflich ausgeführte Wolkenbilder, theils in
Buntdruck, theils Druck. nach Photographien, werden bei gründlichem Studium
meist die richtige Vorstellung der gemeinten Wolkenarten erwecken müssen. Erst
wenn wir im Stande sind, jede Wolke allgemeinverständlich zu bezeichnen, haben wir
den sicheren Grund für ein erfolgreiches Studium des Wolkenhimmels gewonnen.
Da jeder Wolkenart innerhalb gewisser, mehr oder minder weiter Grenzen eine
bestimmte Höhe über dem Erdboden zukommt, vermögen wir nun die in. den
verschiedenen Höhen vorhandenen Luftströmungen am Wolkenhimmel abzulesen
and allgemein die Vorgänge im Wolkengefilde in ihrer räumlichen Anordnung
richtig zu deuten.
; Wenngleich der geschulte Wolkenbeobachter eine grofse Sicherheit erlangen
kann in der Voraussage, ob aufziehendes Gewölk durch seine Wandlungen Regen