Annalen der. Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1895.
2. Bogen, über welchen beide Lichter bei verschiedenen Ab-
blendungen zu sehen sind. Ueber die gleichzeitige Sichtbarkeit beider Lichter
bei verschiedenen Abblendungen und aus verschiedenen Entfernungen läfst sich
aus den gemachten Beobachtungen die vorstehende Tabelle ableiten.
Die Zahlen in derselben zeigen zunächst, dafs es in Bezug auf den Bogen,
über welchen beide Lichter zu sehen sind, nur einen äufserst geringen Unter-
schied macht, ob aus 1 oder 2 km Entfernung beobachtet wird. Standen die
Laternen nur 10 m von einander, so war der Bogen naturgemäfs etwas größer,
doch nur bei der kleinen Entfernung, bei gröfserer Entfernung verschwand dieser
Unterschied.
Einerseits ist dies dadurch erklärlich, dafs, wenn auch unter derselben
Abblendung für einen Beobachter zwischen beiden Lichtern recht voraus bei
geringerer Entfernung nur von einem kleineren Theile des Lichtes Strahlen ins
Auge gelangen können, diese doch noch heller erscheinen müssen als die ver-
yröfserte Lichtquelle bei gröfserer Entfernung, da bis zum Erscheinen des ganzen
Lichtes die Lichtfläche (man kann dieselbe bei Anwendung von Linsen unbe-
lenklich als ein Rechteck ansehen) und damit die Lichtstärke nur einfach pro-
portional der Entfernung wächst, während die Helligkeit proportional dem Quadrate
der Entfernung, bei grünem Lichte sogar nahezu proportional dem Kubus der
Entfernung abnimmt. Andererseits sind bei kleineren Entfernungen durch das
veflektirte und diffuse Licht noch Strahlen deutlich sichtbar, die bei gröfseren
Jereits so weit von der Atmosphäre absorbirt werden, dafs sie nicht mehr wahr-
zunehmen sind. Daher sind die beiden Lichter in verschiedenen Entfernungen
über den gleichen Bogen gesehen worden.
Dieser Bogen betrug nun nach den vorliegenden Beobachtungen auch ohne
Anwendung von Reflektoren noch immer 2° bei einer parallelen Abblendung von
der Innenkante des Dochtes. (Der Unterschied in der Breite der verschiedenen
Brenner erwies sich als zu gering, als dafs er hätte bemerkt werden können.)
Es ist dies etwas mehr, als man in der Entfernung von 1 km nach der Art der
Abblendung hätte erwarten sollen, wie die folgende Betrachtung zeigt. .
Die Entfernung der Flamme von der äufsersten Kante des Abblende-
schiebers betrug bei den benutzten Laternen 90 cm, der Durchmesser eines
10“ Rundbrenners, dessen Ausdehnung als geringstes Mafs zur Erzielung der
vorschriftsmäfsigen Sichtweite angesehen werden kann, beträgt 17 mm. Daraus
ergiebt sich ein Winkel von 1° 4,9%, den die von beiden Enden des Dochtes nach
der Kante des Abblendeschirmes gehenden Strahlen miteinander bilden, und bei
15 m Entfernung beider Laternen voneinander werden sich die letzten Strahlen
jeider Lichter in einer Entfernung von 8397 m oder rund 400 m kreuzen. In
größerer Entfernung kommt ein Theil des Lichtes zum Vorschein, und in 1 km
Entfernung beträgt dieser Theil, wie eine einfache Rechnung zeigt, 0,6 des Ganzen,
so dafs 0,4 verdeckt bleiben, welches letztere einem Bogen von 26‘ entspricht.
Danach sollten bei 1 km Entfernung beide Lichter nur über einen Bogen von
2° 10° -— 52 =1,3° gleichzeitig sichtbar bleiben. Da dieser Bogen nach den
Beobachtungen aber bis zu 2° betrug und die Parallelstellung der Laternenbretter,
sowie die Abblendung durch wiederholte Nachmessung als genau richtig befunden
wurde, so ist damit der Beweis gegeben, dafs bei geringeren Entfernungen
auch ohne Anwendung von Reflektoren und bei sonst richtig kon-
struirten Linsen doch immer noch ein Theil der von der Laterne
veflektirten Strahlen und des diffusen Lichtes wahrnehmbar bleibt.)
Es wird diese T’hatsache auch noch dadurch bestätigt, dafs bei der Abblendung
auf die Aufsenkante des Dochtes noch immer ein Schimmer des farbigen Lichtes
sichtbar blieb, wie die Beobachtungen des letzten Abends zeigten.
Bei der Abblendung auf die Innenkante des Dochtes waren beide Lichter,
sobald der Dampfer in Linie kommen konnte, was hei einer Entfernung von 600 m
geschah, sehr hell zu sehen.
3. Relative Helligkeit des Lichtes in dem nur von theilweisem
Lichte beschienenen Streifen („dark lane“ der Engländer). Aus den vor-
stehenden, die angestellten Beobachtungen betreffenden Erörterungen geht nun
4) Dies entspricht auch den photometrischen Messungen, nach welchen erst bei 1° Drehung
lie letzten Strahlen verschwanden.