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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1895. 
anderen Auffassungen, namentlich von jener in England herrschenden, das er- 
forderliche Material lieferten, um durch eigene praktische Versuche die besten 
Abblendungsmittel für Seitenlichter ermitteln zu können. Dabei war Rücksicht 
darauf zu nehmen, daß den gesetzlichen Vorschriften genügt würde, und sollte 
die Direktion der Seewarte gleichzeitig positive Vorschläge über die etwa zu 
erlassende Ergänzungsvorschrift über das Abblenden der Seitenlichter anfügen. 
IL Einleitung. 
Aufgabe. Die zu lösende Aufgabe wurde nach eingehender Berathung 
dahin präcisirt, daß es sich darum handeln müsse, genau festzustellen, wie grofs 
bei verschiedenen Abblendungen der Seitenlichter, bei verschiedenen Laternen 
und bei verschiedenen Entfernungen der Winkel ist, den ein Schiff drehen kann, 
oline dafs für einen sich voraus befindlichen Beobachter eins der Seitenlichter 
verschwindet. 
Apparat. Um diesen Zweck in einer nach allen Richtungen hin einwand- 
freien Weise zu erreichen, wurde ein eigener Apparat gebaut, der eine Aufstellung 
der Laternen in verschiedenen Entfernungen voneinander und eine Abblendung 
des Lichtes auf verschiedene Winkel in genauer Weise ermöglichte und eine 
beliebige Drehung beider Laternen um eine gemeinschaftliche Axe gestattete. 
Aufstellung des Apparats. Der Apparat wurde vor der Südwestseite 
des Gebäudes der Seewarte nahe am Rande der Anhöhe des Stintfanges, der in 
einer Höhe von 25 m über mittlerem Wasserstand der Elbe liegt, so aufgestellt, 
dafs die Lichter von dem Fahrwasser der Elbe aus von sehr kleinen Entfernungen 
an bis zu 2 km frei und ungehindert beobachtet werden konnten. Aus gröfserer 
Entfernung zu beobachten, erschien nicht nothwendig, da dann die einzelnen 
Phasen der Lichter doch nicht mehr genau hätten unterschieden werden können 
und in der Entfernung von 2 km die von beiden, 15 m von einander aufgestellten 
Laternen nach dem Beobachter gelangenden Strahlen schon nahezu als parallel 
angesehen werden können. Der Gesichtswinkel zwischen beiden Laternen beträgt 
nur noch 26 Bogenminuten, so dafs bei den verschiedenen Abblendungen das 
Resultat immer dasselbe bleiben mufste. Durch das Gebäude der Seewarte, 
dessen Südwestfront nicht erleuchtet wurde, war ein dunkler Hintergrund gegeben, 
so dafs alle Phasen der farbigen Lichter, ungehindert durch anderes Licht, von 
den Beobachtern genau zu unterscheiden waren. 
Art der Beobachtungen und deren Ausführung. Für die Beob- 
achtungen wurde ein kleiner Dampfer gemiethet, von welchem aus die Lichter 
aus verschiedenen Entfernungen nach einem jedesmal vorher festgestellten Special- 
programm und verabredeten Lichtsignalen beobachtet werden konnten. 
Zu den Versuchen wurden auf ihre Sichtweite geprüfte und in jeder 
Beziehung richtig konstruirte Laternen mit geschliffenen farblosen Linsen und 
grünen und rothen Vorsteckscheiben genommen. Diese Laternen konnten mit 
verschiedenen Lampen und Brennern (Flachbrenner und Rundbrenner) versehen 
und mit und ohne Anwendung von Reflektoren benutzt werden. 
Die Versuche fanden an 6 Abenden, nämlich am 12., 13., 17., 18., 25. Juni 
und 5. Juli 1895 statt, und wurden die verschiedensten Kombinationen in Beziehung 
auf Stellung der Laternen zu einander, Abblendung, Form der Brenner, Reflek- 
toren ete. durchgearbeitet und von verschiedenen Entfernungen aus die einzelnen 
Lichterscheinungen beobachtet. 
Als Ergänzung hierzu und zur physikalischen Begründung des Gesehenen 
wurden aufser diesen Versuchen im Laboratorium zur Ermittelung der Licht- 
intensität über den Leuchtbogen der gebrauchten Laternen bis zum Verschwinden 
des Lichtes photometrische Messungen angestellt, und zwar unter denselben Ab- 
blendungen und Drehungen, wie bei den Beobachtungen im Freien. 
I. Ergebnisse und Schlufsfolgerungen. 
ı. Vergleichung der Beobachtungen mit und ohne Reflektoren. 
Aus den Beobachtungen sowohl der Sichtigkeitsgrenzen als auch der photo- 
metrischen Messungen geht unmittelbar hervor, dafs bei Anwendung von Reflektoren 
die Lichter über die Abblendungslinien hinaus zu sehen sind, und zwar derart,
	        
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