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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1895. 
am Morgen des 20, über Nordwestdeutschland und schritt von hier über Mittel- 
deutschland nach Polen fort. In seinem Gefolge traten am 18. an der Küste 
mehrfach, am 19. noch in Brüsterort und Schleimünde stürmische Winde aus 
SW, Stärke 8 (Brüsterort 9 am 19.), auf, Sehr starkes Fallen des Barometers 
über dem Norden der Britischen Inseln kündigte am Abend des 21. Dezember 
das Herannahen eines neuen tiefen Minimums an; dieses beherrschte bereits am 
folgenden Morgen, über der nördlichen Nordsee gelegen, fast ganz Europa und 
schritt am 22. und 23., im Centrum zunächst weniger als 725 mm Druck auf- 
weisend, an Tiefe jedoch abnehmend, über Jütland und Südschweden nach Kurland, 
von starker Druckzunahme in seinem Rücken gefolgt. Dieses Minimum ver- 
ursachte am 22, und 23. an der ganzen Küste stürmische, von SW nach NW 
drehende Winde, die meist Stärke 8 bis 9 nicht überschritten, doch ungewöhnlich 
lange anhielten, so daß an der Nordsee eine ungewöhnlich hohe Sturmfluth 
am 23, eintrat, die gegen die höchste beobachtete Fluth nur wenig zurückblieb 
und auf den Nordsee-Inseln ungeheure Verwüstungen verursachte. 
Nun folgte am 24. und 25. ruhiges, am erstgenannten Tage trockenes, am 
25. meist nebeliges Wetter, im Bereiche von Westen her nach Centraleuropa 
vorbuchtenden, hohen Druckes, Doch frischten bereits am nächsten Tage die 
Winde wieder auf unter dem KEinflufs eines tiefen Minimums, das am 26. und 
27. im hohen Norden südostwärts Lappland durchquerte; da der Druck hier 
weniger als 735 mm betrug und westlich von Irland 785 mm überstieg, so waren 
vedeutende Luftdruckunterschiede vorhanden, und wehten stürmisehe Winde am 
26. in Brüsterort und Leba aus West, Stärke 8, am 27. an der Ostsee in grofser 
Ausdehnung aus West—NW, Stärke 8 (Brüsterort 9). Hamburg hatte am Nach- 
mittag des 27. eine starke Böe mit Schnee, Hagel und Donner. 
Ein neues tiefes Minimum erschien am Morgen des 28. im hohen Nord- 
westen und schritt am 28. bis 30. in einer Tiefe von weniger als 720 mm über 
Nordskandinavien ostwärts fort, während auf seiner Südseite ein tiefes Theil- 
minimum am 29, und 30. von der nördlichen Nordsee, mit weniger als 725 mm 
Druck, über Jütland nach Südschweden schritt, von wo es sich unter Abnahme 
an Tiefe und allmäblicher Ausbreitung seines Depressionsgebietes über ganz 
Dentraleuropa am 31. über Jütland nach Nordwestdeutschland verlagerte; das 
Barometer war in Hamburg vom Morgen des 28. bis zum folgenden Morgen in 
24 Stunden um 31 mm gefallen. Im Gefolge dieser Luftwirbel herrschten am 
28. an Nordsee und westlicher Ostsee, am 29. an der ganzen Küste, am 29, an 
mittlerer und östlicher Ostseeküste stürmische südwestliche bis westliche, seltener 
und zumal an der Nordsee, bis nordwestliche Winde, Stärke 8 bis 9, doch 
stellenweise in Böen auch Stärke 10 erreichend; auch traten am 29. an der 
Nordsee und Schleswig’schen Ostküste früh und abends Gewitter auf. 
Die Morgentemperaturen lagen im Dezember fast durchweg über der 
Normale, ausgenommen am 4. bis 6, 9. bis 13., 17., 18. und 31. Auf ziemlich 
hohe Temperaturen am 1. bis 3. folgte am 4. meist eine starke Abnahme, hier- 
auf wenig Aenderung oder langsames Sinken bis zum 12. (Osten 14.); unter 
mehrfachen Schwankungen, bedingt durch relativ hohe Temperaturen am 13. bis 
15. und relativ niedrige am 17. (Osten 18.) sowie 21. (Osten 21. und 22), stieg 
die Morgentemperatur sodann bis zum 23., blieb hierauf einige Tage ziemlich 
yleichmälsig hoch und sank schließlich wieder während der letzten Pentade. 
In den Monatsmitteln war der Luftdruck, außer an der westlichen Nordsee, 
etwas zu niedrig, die Temperatur um 1'/2° bis 3° höher als die normalen Werthe; 
die registrirte Windgeschwindigkeit blieb meist etwas unter den vieljährigen Mitteln, 
während die Monatssummen der Niederschläge zum "Theil beträchtliche Ab- 
weichungen, jedoch in verschiedenem Sinne aufweisen. Von den Windrichtungen 
herrschten diejenigen aus SW—SE, theils gleichmäfsig, theils einzelne oder mehrere 
nn Richtungen vor; nur in Memel traten auch Nordwestwinde durch Häufig- 
eit hervor. 
Gedruckt und in Vertrieb bei E. S. Mittler & Sohn 
Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei 
Berlin SW, Kochstraflse 68—70.
	        
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