Borchgrevink: Die. Südpolarreise des „Antarctic“,
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meine Landsleute richtete, um ihnen mitzutheilen, dafs wir die zweite Gesellschaft
wären, die den Fufßs auf diese Insel setzte. Sir James Ross, unser Vorgänger,
wäre vor 54 Jahren hier gelandet und hätte die britische Flagge aufgepflanzt.
Wir ließen den grofsen britischen Seefahrer dreimal hoch leben und ebenso
Kapt. Svend Foyn, der so unternehmend diese gegenwärtige Südpolar-Expedition
hinausgesandt hatte.
Die Pinguine hatten .halberwächsene Junge und wurden oft von einer
grauen Raubmöwe, Lestris, angefallen, die in grofsen Mengen herumsegelten,
Dieser Vogel war so dreist, dafs ich mehrere Male meinen Stock zur Selbst-
vertheidigung anwenden mufste. Der Boden auf der Insel war mit einer tiefen
Schicht Guano bedeckt, der vielleicht später für Australien werthvoll. werden
könnte. Ich habe eine Probe mitgebracht, um sie chemisch untersuchen zu lassen.
Die Insel besteht aus vulkanischer blasiger Lava und erreicht im Südwesten in
scharfen Spitzen 3000 Fufs (910 m). : Nach Westen steigt sie allmählich an und
bildet ein schroffes und leicht kenntliches Kap, dessen Taufe mir überlassen
wurde, da Sir James Ross ihm keinen Namen gegeben hatte. Ich nannte es
nach Sir Ferdinand von Müller. Ich fand unerwarteter Weise Pflanzenwuchs
auf den Felsen, etwa 30 Fuß (9m) über dem Meere, und ich glaube, dafs
niemals vorher Pflanzenwuchs in so südlichen Breiten gefunden worden ist. Ich
habe Grund zu der Annahme, dafs diese zellige und kryptogame Pflanze eine
Flechte ist.
Die Possession-Insel, in 71° 56‘ Breite, 171° 10‘ O-Lg, war auffallend frei von
Schnee. Ich schätzte die Gröfse dieser Insel der Gruppe zu 300 bis 350 Acres
(1,2 bis 1,4 qkm). Wir gaben ihr den Namen Sir James Ross-Insel. Am 20.
dampften wir südwärts und sichteten die Coulman-Insel am 21. um Mitternacht.
Da wir das östliche Kap dieser grofsen Insel unbenannt fanden, tauften wir es
Kap Oskar, zu Ehren Seiner Majestät unseres Königs, dessen Geburtstag gerade
an dem Tage war. Bei der Coulman-Insel fanden wir grofse Unregelmäfsigkeiten
in unseren Kompassen, und sie birgt ohne Zweifel Geheimnisse von wissenschaft-
lichem Werth. Am 22, waren wir in 74° S-Br. Da sich keine Wale zeigten,
wurde beschlossen, wieder nordwärts zu liegen, obwohl wir es alle bedauerten,
dafs Umstände uns nicht erlaubten, weiter nach Süden vorzudringen. Am 23.
waren wir wieder bei Kap Adare und hatten Erfolg bei der Ausführung einer
Landung, so dafs wir die ersten menschlichen Wesen waren, die jemals ihren
Fuß auf das Festland setzten. Unser Landungsplatz war eine Art Halbinsel
oder Erdrutsch, der sanft von den steilen Felsen des Kap Adare abfiel, bis er als
langes, flaches, mit Kieseln bedecktes Ufer in die Bai hineinlief. Diese Halb-
insel bildet einen vollständigen Wellenbrecher für die innere Bai. Die Pinguine
waren hier womöglich noch zahlreicher als auf der Possession-Insel und sie
wurden auch auf dem Kap selber entdeckt bis zu einer Höhe von 1000 Fuß
(300 m). Diese Vögel scheinen ein merkwürdiges Leben zu führen, Sie müssen
oft Tage lang ohne Nahrung leben, denn sie brauchen nothwendigerweise zwei
oder drei Tage, um eine Höhe von 1000 Fufß auf den Felsen zu erreichen, wo
einige ihr Nest hatten, und da Argonauta antarctica und Fische ihre Nahrung
bilden, ist es klar, dafs diese Vögel auf irgend eine Weise Nahrung für mehrere
Tage wegstauen können,
Nachdem wir Gesteinproben gesammelt und denselben kryptogamischen
Pflanzenwuchs hier wie auf der Possession-Insel gefunden hatten, ruderten wir
wieder an Bord; wir hatten dabei grofse Schwierigkeiten, unser Schiff wieder
zu gewinnen, wegen einiger heftiger Schneeböen zwischen Boot und dem Schiff.
Wir steuerten jetzt nordwärts und drangen am 26. in 69° 52‘ Breite, 169° 56’ O-Lg
wieder in das Packeis ein. Am folgenden Tag harpunirten wir einen kleinen
Finnwal, dessen Fleisch vorzüglich schmeckt. Am 1. Februar, in 66° Breite, 172°
31' O-Lg, gelangten wir wieder in offenes Wasser, nachdem wir dieses Mal nur
sechs Tage im Packeis zugebracht hatten. Am 17. erschien das Südlicht, stärker
als ich jemals das Nordlicht gesehen hatte. Es stieg vom Südwesten auf, erstreckte
sich in einem breiten Strom auf nach dem Zenith hin und wieder abwärts nach
dem östlichen Horizont. Die Erscheinung hatte diesmal ein ganz anderes Aus-
sehen als am 20. Oktober. Sie zeigte jetzt lange glänzende Vorhänge, die sich
in wunderbaren Formen und Schattirungen hoben und senkten, bisweilen an-
Ann. 4, Hydr. etc., 1895, Heft XI.