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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

Borchgrevink: Die Südpolarreise des „Antarctic“. 
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sind 2 bis 20 Zoll (5 bis 50 cm) lang, gerade und schmal, und wo mehrere solcher 
Furchen an demselben Thier bemerkt wurden, waren sie zu weit voneinander 
entfernt, als dafs sie durch die zahlreichen scharfen Zähne eines Seehundes hätten 
verursacht sein können. Die Wunden gingen immer weit in das Fell hinein, 
bisweilen ganz ins Fleisch. Dafs dieser unbekannte und tödliche Feind des 
Seehundes in diesen Gewässern zu einer mächtigeren und gefährlicheren Art 
gehört als der Seehund selber, schließe ich aus der Thatsache, dafs die ver- 
wundeten Seehunde nie eine Wunde am Kopf und Nacken haben, was unzweifelhaft 
der Fall. gewesen sein würde, wenn sie Kämpfe untereinander ausgefochten hätten. 
Wenn sich meine Ansicht bewährt, kann sie als eine Erklärung für den merk- 
würdigen Mangel an Seehunden 
in Gegenden dienen, wo man 
sie eigentlich in Menge er- 
warten sollte. 
Als wir in das Packeis 
eindrangen, war die Tempera: 
tur der Luft 25° (— 3,9° C), 
die des Wassers 28° (—2,2° €), 
und diese letztere Temperatur 
blieb ganz durch das Packeis 
immer dieselbe. Pinguine gab 
es in grofsen Mengen auf den 
Eisschollen, und wir hatten 
keine Schwierigkeit, sie zu 
tödten, obwohl wir manchmal 
arg hinter ihnen her rennen 
mufßten über die gewöhnlich 
schneebedeckten Schollen, und 
zahlreich waren die kalten 
Sturzbäder, die wir ihretwegen 
nahmen. Am 14. sichteten wir 
die Balleny-Insel und fanden 
sie, nach Ross, in 66° 44 
Breite, 164° O-Lg. Mehrere 
Seehunde wurden an dem Tage 
geschossen. Die KEisschollen 
wurden allmählich gröfser, je 
mehr wir uns dem Lande 
näherten, und es war klar, 
daß die KEismassen um uns 
grofßentheils von den Gilet- 
schern der Balleny-Insel her- 
stammten, da manche Schollen 
Steine und Erde mit sich 
führten. Obwohl der höhere 
Theil der Balleny-Insel‘ von 
Nebel bedeckt war, bekamen 
wir doch in gröfserer Nähe 
einen guten Blick auf ihre 
hochragenden Gipfel, die sich 
zu 12000 Fuß (3660 m) über 
dem Meere erheben. Die Gröfe 
und Form des Packeises bei der Balleny-Insel brachte unserem Schiff beträchtliche 
Gefahr, und wir brachten dort manche angstvolle Stunde zu, Bedeckt mit mehreren 
Ellen tiefen Schnees auf der verhältnilsmäfsig kleinen Fläche über Wasser und 
unter Wasser in lange, scharfe Spitzen auslaufend, waren sie in unserem Kampfe 
mit den Elementen Monitors von einer ganz gefährlichen. Art. Mehrere trafen 
unsere Schraube, ohne sie ernstlich zu verletzen, aber es ist nicht wahrscheinlich, 
dafs ein ganz und gar von seinen Segeln abhängiges Schiff in solchem Kise lange 
hätte bestehen können, und selbst mit Dampf fühlten wir, wie klein und machtlos 
wir in seiner erbarmungslosen Umklammerung waren. 
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