Witte: Luft- und Meeresströmungen.
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die Achsendrehung der Erde bewirkten, westlichen Komponente der Passate nach
Westen fließen kann. Sobald aber diese Strömung an den Ostküsten der Konti-
nente Widerstand findet, bekundet sich vorwiegend der Einflufs der Erwärmung,
welcher die oberen Wasserschichten polwärts führt.
Dieses warme, abfliefsende Wasser lockert nun seinerseits die Luft so weit
auf, daß über den westlichen Theilen der Oceane ein Passat nicht zu Stande
kommt, vielmehr schon etwa vom 20. Breitengrade ab die Luftströmung sich der
Wasserströmung anschliefst. Nach dieser Auffassung bedingen also die warmen
Strömungen an den Ostküsten der Kontinente die entsprechenden Luftströmungen,
nicht umgekehrt. Der Ausdruck, dafs die Windrichtung durch die über den
Mitten der Oceane liegenden barometrischen Maxima bedingt sei, besagt eigent-
lich dasselbe, verdeckt aber den ursächlichen Zusammenhang. Denkt man sich
das Wasser in den entsprechenden Breiten gleich warm, dann kommt eine wesent-
liche Bedingung für die Ausbildung der Maxima in Wegfall. Alsdann würden,
meine ich, die Passate über allen geographischen Längen nahezu gleichmäfßsig
wehen. Der niedrige Luftdruck über den westlichen Theilen der Oceane ist eben
eine Auflockerung durch das stark erwärmte Wasser. Darum tritt dieselbe im
Sommer sehr viel deutlicher hervor als im Winter. (Man vergleiche z. B. die
Karten 1895, Heft 2 der Annalen.) Aehnlich steht es mit dem Minimum über
dem Nordatlantischen und dem Nordpacifischen Ocean.
Wenn Herr Wharton!) auf das von Herrn Clayden entworfene Modell
verweist, „worin Wasser über eine Fläche ausgebreitet wie der Atlantische
Ocean und bedeckt mit Lycopodium, um die Bewegung sichtbar zu machen, Luft-
strömungen ausgesetzt wird, die die mittleren Richtungen der beständigen Winde
vorstellen“, *) und hiernach als erste bewegende Kraft des Oberflächenstromes den
Wind annimmt, so verfällt er m. E. in den Irrthum, dafs er die Windrichtung
als unabhängig von den Meeresströämungen gegeben ansieht. Diese Annahme
widerspricht dem, was wir hinsichtlich des analogen Verhaltens der Windrichtung
über den Festländern wissen, wo die Lage der grofsen barometrischen Maxima
und Minima und dementsprechend die Windrichtung bedingt ist durch die
geringere und stärkere Erwärmung der Kontinente. Kin ähnlicher Einfluß mufs
m. E. von vornherein dem Wasser zugeschrieben werden, und ich glaube durch
Beispiele wahrscheinlich gemacht zu haben, dafs Luft- und Meeresströmungen sich
gegenseitig bedingen. Und zwar würde für den Nordatlantischen Ocean der
Afrikanische Küstenstrom durch den Passat hervorgerufen sein, der Golfstrom
durch die thermische Cirkulation, welche ihrerseits die Strömungen der unteren
Luftschichten wesentlich beeinflufst. Ebenso in den anderen Oceanen.
Nach Allem scheint das stärkste Motiv der oceanischen Cirkulation die
Wärmedifferenz des Wassers zwischen den Polen und dem Aequator zu sein, Dieses
Motiv wird in der Region der Passate an den Westküsten der Kontineute überwogen
durch das der Windströmungen, kommt aber an den Ostküsten um so siegreicher
zum Durchbruch, auch in seinem Einflusse auf die Windrichtung. Alle Strömungen
werden in ihrer Richtung wesentlich modifieirt durch die Achsendrehung der
Erde, und letztere hauptsächlich ist es, welche selbst entgegen der Tendenz der
Luftströmung, oft aber auch von ihr unterstützt, das kalte Wasser an den Küsten
emporhebt. 5)
Inhaltsberechnung von Fässern und Bojen.
Von Dr. C. SCHRADER.
Bezeichnet man den Spunddurchmesser eines Fasses mit D, den Boden-
durchmesser mit d, die Länge mit 1 (alle Gröfsen im Lichten gemessen), so ist
der Inhalt, falls man als mittleren Querschnitt das Mittel zwischen dem gröfsten
Querschnitte mit doppeltem Gewichte und dem kleinsten Querschnitte ansetzt,
2 D2+a2
wün 3
1 =
1) „Annalen. der Hydrographie“, 1894, S. 357.
2) S. auch Krümmel im „Handbuch der Oceanographie“ von Boguslawski und
Krümmel, B. II, S. 358. D. Red.
3) Die Redaktion bringt diesen anregenden Aufsatz, obwohl sie dem Herrn Verfasser nicht
in allen Punkten seiner Beweisführung zustimmen kann.