accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

Witfte: Luft- und Meeresströmungen. 
457 
eine Tendenz nach rechts, auf der südlichen eine solche nach links mittheilt. 
Hat also eine Strömung der nördlichen Halbkugel auf ihrer rechten Seite Land, 
so ist die Wirkung dieselbe, als ob sie durch einen Wind gegen das Land 
getrieben würde, also die eines Seewindes. Hat dagegen der Strom das Land zu 
seiner Linken, so ist die Wirkung die eines Landwindes. Umgekehrt auf der 
südlichen Halbkugel. 
Diese verschiedenen Motive der Strömungen können nun entweder in dem- 
selben Sinne wirken, oder im entgegengesetzten Sinne. Im ersten Falle wird der 
Erfolg verstärkt, im zweiten Falle .abgeschwächt. Gerade dieser zweite Fall aber 
gestattet. unter günstigen Umständen ein Urtheil über die verhältnilsmälsige Stärke 
der bewegenden. Kräfte. 
Für die Strömung im nordöstlichen Theile des Nordatlantischen Oceans 
kommt in Betracht sowohl die Wärme des *Wassers als auch die Luftströmung. 
Beide wirken in demselben Sinne, um das Oberflächenwasser zum Eismeere zu 
führen, und’ gestatten daher. zunächst kein Urtheil über ihre relative Stärke. 
Nun aber überwiegen im Winter an der Skandinavischen Nord- und Nord- 
westküste, also etwa bis Bergen, weitaus diejenigen Winde, welche das Ober- 
fächenwasser von der Küste wegzuführen streben, während dasselbe Wasser durch 
die Achsendrehung der Erde gegen die Küste gedrückt wird. Wenn wir also 
sehen, dafs ausschliefslich die letzte Wirkung zu Tage tritt, dafs an der ganzen 
Küste nirgends das kalte Grundwasser emporquillt, sondern dafs sich die warme 
Strömung eng au die Küste aulehnt, so müssen wir schliefsen, dafs mindestens 
für diesen Meerestheil die Wirkung des Windes auf. die Strömungen wesentlich 
schwächer ist als die der Erdrotation. Ja, während der Wind in diesem Falle 
auf die Strömung keinen sichtbaren Einflulßs auszuüben vermag, springt umgekehrt 
der Einflufs der Meeresströmung auf die Windrichtung in die Augen, Das von 
dem Golfstrome : herrührende warme Wasser‘ lockert die über ihm befindliche 
Luft auf und ist so das Motiv der ablandigen Windrichtung. 
Nachstehend gebe ich nach Supan!) die Procente der Windrichtung im 
Winter für die betreffende Küste an: 
vıNElE sel s |swiw Inw| Cal. 
Hammerfest ... 
Andenes ..... 
Christiansund .. 
Aalesund .... 
Hellisö . ..... 
Bergen. 0... 
3 
3 
i2 
8 
4 
9 
8 
23 
15 
6 
A 28 
+8 23 
29 | 13 
10 8 
23 | 18 
11 | 40 
L& 
20 
28 
11 
3ıl 
f 
{ 
10 12 
17 7 
12 4 
9 9 | 
7 9 
8 
5 
Betrachten wir kurz noch ein Beispiel für den entgegengesetzten Fall, in 
welchem der Wind das Wasser gegen die Küste treibt, die Erdrotation dasselbe 
von ihr wegführt, nämlich den südlichsten Theil der peruanischen Strömung, etwa 
vom 40. bis 25. Grad S-Br.. Die Procente der Windrichtung sind hier in der 
Nähe der Küste folgende: ?) 
35—40° S-Br, 75—73° W-Lg 
NE‘) E | SE| S | SW W | NW | Cal. 
Sommer .. n 
Herbst ...... 
Winter. ..... 
Frühling. ... 1 
Fr 
20 
9 
5 2 9 
„6 a 2 | 2 
[5 1 4 | 28 
N 
% 
| 
31 10 8 
28 10 11 
20 13 21 
31 9 13 
1) Supan: „Statistik der. unteren 
2) aa. O0. S. 250, 252 und. 253. 
Ann. d. Hydr. ete., 1895, Heft XI. 
Luftströmungen“, Leipzig 1881, S. 42. 
f 
$
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.