Witfte: Luft- und Meeresströmungen.
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eine Tendenz nach rechts, auf der südlichen eine solche nach links mittheilt.
Hat also eine Strömung der nördlichen Halbkugel auf ihrer rechten Seite Land,
so ist die Wirkung dieselbe, als ob sie durch einen Wind gegen das Land
getrieben würde, also die eines Seewindes. Hat dagegen der Strom das Land zu
seiner Linken, so ist die Wirkung die eines Landwindes. Umgekehrt auf der
südlichen Halbkugel.
Diese verschiedenen Motive der Strömungen können nun entweder in dem-
selben Sinne wirken, oder im entgegengesetzten Sinne. Im ersten Falle wird der
Erfolg verstärkt, im zweiten Falle .abgeschwächt. Gerade dieser zweite Fall aber
gestattet. unter günstigen Umständen ein Urtheil über die verhältnilsmälsige Stärke
der bewegenden. Kräfte.
Für die Strömung im nordöstlichen Theile des Nordatlantischen Oceans
kommt in Betracht sowohl die Wärme des *Wassers als auch die Luftströmung.
Beide wirken in demselben Sinne, um das Oberflächenwasser zum Eismeere zu
führen, und’ gestatten daher. zunächst kein Urtheil über ihre relative Stärke.
Nun aber überwiegen im Winter an der Skandinavischen Nord- und Nord-
westküste, also etwa bis Bergen, weitaus diejenigen Winde, welche das Ober-
fächenwasser von der Küste wegzuführen streben, während dasselbe Wasser durch
die Achsendrehung der Erde gegen die Küste gedrückt wird. Wenn wir also
sehen, dafs ausschliefslich die letzte Wirkung zu Tage tritt, dafs an der ganzen
Küste nirgends das kalte Grundwasser emporquillt, sondern dafs sich die warme
Strömung eng au die Küste aulehnt, so müssen wir schliefsen, dafs mindestens
für diesen Meerestheil die Wirkung des Windes auf. die Strömungen wesentlich
schwächer ist als die der Erdrotation. Ja, während der Wind in diesem Falle
auf die Strömung keinen sichtbaren Einflulßs auszuüben vermag, springt umgekehrt
der Einflufs der Meeresströmung auf die Windrichtung in die Augen, Das von
dem Golfstrome : herrührende warme Wasser‘ lockert die über ihm befindliche
Luft auf und ist so das Motiv der ablandigen Windrichtung.
Nachstehend gebe ich nach Supan!) die Procente der Windrichtung im
Winter für die betreffende Küste an:
vıNElE sel s |swiw Inw| Cal.
Hammerfest ...
Andenes .....
Christiansund ..
Aalesund ....
Hellisö . .....
Bergen. 0...
3
3
i2
8
4
9
8
23
15
6
A 28
+8 23
29 | 13
10 8
23 | 18
11 | 40
L&
20
28
11
3ıl
f
{
10 12
17 7
12 4
9 9 |
7 9
8
5
Betrachten wir kurz noch ein Beispiel für den entgegengesetzten Fall, in
welchem der Wind das Wasser gegen die Küste treibt, die Erdrotation dasselbe
von ihr wegführt, nämlich den südlichsten Theil der peruanischen Strömung, etwa
vom 40. bis 25. Grad S-Br.. Die Procente der Windrichtung sind hier in der
Nähe der Küste folgende: ?)
35—40° S-Br, 75—73° W-Lg
NE‘) E | SE| S | SW W | NW | Cal.
Sommer .. n
Herbst ......
Winter. .....
Frühling. ... 1
Fr
20
9
5 2 9
„6 a 2 | 2
[5 1 4 | 28
N
%
|
31 10 8
28 10 11
20 13 21
31 9 13
1) Supan: „Statistik der. unteren
2) aa. O0. S. 250, 252 und. 253.
Ann. d. Hydr. ete., 1895, Heft XI.
Luftströmungen“, Leipzig 1881, S. 42.
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