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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

4128 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1895. 
achtungszeit umfafst, fallen viele Tage aus, für die keine Angaben über Strömungen 
vorliegen, während für eine Reihe anderer die Beobachtungen von zwei, drei 
oder selbst vier Schiffen vorhanden sind. Zur Darstellung der Gesammt-Wasser- 
bewegung würde es nun vielleicht richtiger gewesen sein, für den Tag nur eine 
Beobachtung in Rechnung zu ziehen. Indessen weichen die für denselben Tag 
geltenden Angaben oft sehr voneinander ab, und es ist nicht immer möglich, 
von vornherein zu erkennen, welche die zuverlässigste ist. Ferner war nicht wohl 
anzunehmen, dafs immer dieselbe Strömung durch die wiederholte Notirung an 
demselben Tage besonders hevorgehoben werden würde, Es erschien deshalb 
unbedenklich, alle Beobachtungen, ob sie nun gleichzeitig mit anderen gemacht 
worden waren oder für sich. allein standen, mit gleichem Gewicht einzustellen. 
Das ganze Material der Untersuchung beziffert sich auf 450 einzelne Beob- 
achtungen. Den verhältnifsmäfsig gröfsten Theil, über die Hälfte derselben, 
lieferten .die Dampfer der Hamburg-Südamerikanischen Gesellschaft, in zweiter 
Linie kommen die des Norddeutschen Lloyd und ferner mit kleineren Beiträgen 
die der Ostafrika-Linie, der Kin-Sin-Linie, der Kosmos-Linie, der Westafrika- 
Linie, der Deutsch - Australischen Gesellschaft und einige Dampfer kleinerer 
Rhedereien. Bekanntlich sind die an Bord fahrender Schiffe gemachten Strömungs- 
berechnuugen, wobei man den aus der Loggerechnung erhaltenen Schiffsort mit 
dem nach astronomischen Beobachtungen oder Peilungen des Landes wirklich 
erreichten vergleicht, durchaus nicht einwandfrei, schon aus dem Grunde nicht, 
weil die in Rechnung gezogenen Kurse und Distanzen leicht mit Fehlern behaftet 
sein können. Indessen sind sie zur Zeit noch fast die einzigen, welche uns zur 
Erforschung der Oberflächenströmungen von Tag zu Tag auf hoher See zu 
Gebote stehen. 
Um eine allgemeine Uebersicht über die Wasserbewegung zu gewinnen, 
sind zunächst die 450 Beobachtungen nach den vier Quadranten zusammengestellt 
worden. Als Nordostströmungen wurden dabei die von Nord bis N 89° O, als 
Südostströmungen die von Ost bis S 1° O gezählt u. s. w. Geringe Versetzungen 
von weniger als 3 Sm im Etmal wurden als „kein Strom“ angenommen. In den 
Fällen, wo die Beobachtung für weniger als 24 Stunden galt, wurde die Strom- 
distanz der vollen Tagesdauer entsprechend vergrößert. 
Vor der Bucht von Biscaya, zwischen Ouessant und Kap Finisterre, setzte 
danach während der vorher angegebenen Beobachtungszeit die Strömung nach: 
NO So SW NW Hef kein Strom 
102 mal 92 mal 110 mal 111 mal 35 mal 
22,7 0% 20,4 9% 24,4 0% 24,7 9% 7,8 9% 
1031 Sm 946 Sm 1153 Sn 1182 Sm 
10,1 Sm 10,3 Sm 10,5 Sm 10,7 Sm 
Dies giebt in Procenten der 
Häufigkeit, .. . +. 
Die gesammte Stromversetzung 
betrug . . 0. 0. + 404 
oder durchschnittlich im Etmal 
Wie man sieht, kann nach diesem von einer regelmäfsigen oder 
auch nur einer vorherrschenden Strömung in der fraglichen Gegend 
nicht die Rede sein. Die vier Quadranten sind mit nahezu gleichen Procenten 
der Häufigkeit und ebenso mit gleichen Durchschnittsgeschwindigkeiten vertreten, 
und die Gesammt-Wasserbewegung als Resultat aller einzelnen Stromangaben 
dürfte nahezu gleich Null herauskommen. 
Der Gedanke lag nahe, dafs dieses Sichausgleichen der verschiedenen 
Stromrichtungen vielleicht daher rühren könne, dafs die Beobachtungen nicht 
alle an demselben Ort, sondern die einen auf dem nördlichen, die anderen auf 
dem südlichen Theile der Strecke gemacht worden waren, und nach der gewöhn- 
lichen Annahme die vorherrschende Strömung hier und dort eine verschiedene 
ist. Diese Verschiedenheit der Haupt-Stromrichtungen — eine östliche Richtung 
im südlichen, eine nordwestliche im nördlichen Theile der Bucht von Biscaya — 
mufste hervorireten, wenn man die Beobachtungen nach der nördlicheren oder 
südlicheren Lage des Ortes, wo sie angestellt waren, trennte. Zu dem Ende 
wurde der Parallel von 46° N-Br als Scheidelinie angenommen. Für alle Beob- 
achtungen wurden aus den Schiffsörtern zu Anfang und am Ende der Beobachtungs- 
zeit die mittleren Oerter der Versetzung berechnet, und nach der Breite dieser 
mittleren Oerter die Versetzungen im Süden und im Norden voneinander 
geschieden.
	        
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