Ann. d. Hydr. etc., XXI Jahrg. (1895), Heft XI.
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Von Amoy über die Pescadores, Amping und Takau nach Hongkong.
Aus dem Reisebericht S, M, S. „Irene“, Kommandant Korv.-Kapt. voN DRESKY.
Das Wetter war auf der Fahrt von Amoy nach den Pescadores am
8. April 1895 bei östlichem Winde Stärke 3 bis 4 diesig, in der Nacht vom
8. bis 9. klarte es auf und wurde von Böen, welche die Stärke 7 erreichten,
begleitet. In dem Pescadores-Kanal herrschte am 9. April wiederum diesiges;
unter der. Küste von Formosa nebliges Wetter, Der Wind wehte aus NE bis
NNE in Stärke 4, Vom 10. bis 11., zwischen Amping und der Südspitze von
Formosa blieb das Wetter bei hohem Barometerstande, 765 bis 767 mm, klar,
der Wind wechselte zwischen den Richtungen WSW über Süd bis Ost und wehte
in der Stärke 1 bis 2, Am 11. nachmittags an der Südspitze von Formosa kam
der Wind aus ENE, frischte bis zur Stärke 5 auf und blieb auf der Fahrt nach
Hongkong östlich bis 117° O-Lg, wurde dann nördlich und nordöstlich bis
Hongkong, nahm aber an Stärke bis 1 ab. Das Wetter war klar,
In der Formosa-Strafse setzte der Strom südwestlich 0,8 Sm pro Stunde,
auf der Fahrt zwischen den Pescadores, von der Passage zwischen Ponghon und
Table Island bis East Island, bei Fluthzeit Nord 1,3 Sm pro Stunde. In: dem
Pescadores-Kanal selbst konnte eine Versetzung wegen mangelnder Positions-
bestimmung nicht beobachtet werden. Zwischen Amping und Takau setzte in der
vierten ‘bis sechsten Stunde nach Hochwasser bei Amping der Strom eine See-
meile pro: Stunde südlich längs der Küste, während er zwischen Takau und der
Expeditions-Bai bei fallendem Wasser in derselben Stärke nordwestlich längs der
Küste setzend gefunden wurde, Auf der Fahrt vom Südkap von Formosa nach
Hongkong erfuhr das Schiff bei frischem östlichen Winde (Stärke 5) während
19 Stunden eine Versetzung von 12 Sm N88°W bis 117,7° O-Lg, von da ab bis
zum Längengrade von Pedro Blanko wurde ein in entgegengesetzter Richtung
34 Sm pro Stunde setzender Strom ermittelt, während von Pedro Blanko bis
Hongkong sich kein Strom bemerkbar machte, .
Die auf der englischen Karte — 1968 — befindliche Vertonung vom
Eingange nach Tai-wan-fu ist unzutreffend. Das dort genannte alte hollän-
dische Fort Zelandia, von dem nur noch einige Ruinen vorhanden, gehört nach
Amping und ist als Fort nicht mehr erkennbar. Als Ansteuerungsmarke für
Amping von West oder Süd dienen außer den im Hafen oder auf der Rhede
liegenden Schiffen und Dschunken allein ein auf einem Hügel (dem alten Fort)
stehender hoher Baum und die nördlich von diesem Hügel befindlichen Häuser,
von denen einige mit weißen Dächern besonders sichtbar sind.) Von Süden
waren. der Baum bei klarem Wetter auf acht Seemeilen, die Häuser noch auf
fünf Seemeilen Entfernung zu erkennen. Das weiß gemalte Eisengerüst des
Feuers, nicht Signalmast, wie das Leuchtfeuer-Verzeichnifs angiebt, ist von der
Rhede aus kaum erkennbar, ebenso wenig das südlich von Amping gelegene neue
Fort. Letzteres markirt sich von See als eine Baumgruppe. Der Hafen wird
von einer ca 1 Sm langen und !2 Sm tiefen Lagune gebildet, die nach der See
hin durch eine Düne abgeschlossen wird. Der Eingang, vor welchem sich eine
Barre befindet, ist von Süden. Zum Einsteuern dient ein aufserhalb der Barre
liegender Pricken, von welchem aus man auf der Mitte der Einfahrt das Leucht-
feuer gut frei an St. B. zu halten hat. Der Weg zum Ankerplatz führt im Bogen
längs der genannten Düne im Abstande von einer Kabellänge und ist durch drei
weitere Pricken, welche dicht an B. B. zu passiren sind, gekennzeichnet. Der
Ankerplatz auf der Rhede, Hügel mit hohem Baum NO'40 2,5 Sm vom Hafen,
bot noch gegen Nordwind Schutz. *
Fünf Seemeilen südlich von Amping liegt an einer Flufsmündung ein
großes Dorf, einige Häuser desselben sind weils gekalkt. Dieses Dorf ist auf
4) Vgl. diese Annalen 1894, S. 465: „Die Ansegelung von Tai-wan-fu.“ D. Red
Ann, a, Hydr. eto., 1395, Heft XL