Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1895.
im Monatsmittel unter dem vieljährigen Durchschnitt, und war, zumal in der
letzten Dekade, ruhiges Wetter vorherrschend.
Während der ersten Dekade lagerte über Centraleuropa hoher Druck,
welcher in seiner zeitweise sehr gleichmäfsigen Vertheilung vielfache Umwandlung
erfuhr; mehrfach schritten Druckmaxima vom Ocean her in einer östlichen Richtung
durch Europa, so dafs die meist schwachen Winde an der Küste grofse Ver-
änderlichkeit der Richtung zeigten. Bei leichten südöstlichen und südlichen
Winden stiegen die Temperaturen in den ersten Tagen und erreichten am 2. bis
4. mit ihren höchsten Werthen dieses Monats zugleich beträchtlich hohe
Wärmegrade für diese Jahreszeit; am 4. September überschritten die Temperaturen
vielfach 30°. Als am 7. eine Äusbuchtung des Gebietes eines im hohen Nord-
westen liegenden Minimums von der Nordsee längs der Küste nach der südlichen
Ostsee wanderte, traten, mit der Zeit ostwärts fortschreitend, vom Morgen bis
Abend Gewitter an der westlichen Nordsee bis jenseits der Oder-Mündung auf,
begleitet von den einzigen Niederschlägen während der ersten neun Monatstage.
In der Nacht zum 10, machte sich zunächst an der Nordseeküste der
Einflufs eines tiefen Minimums im Nordwesten geltend, das, von stark nach-
drängendem hohen Drucke gefolgt, während des 11. bis 14. von Nordschottland
über die südliche Ostsee nach Russland schritt und zunächst südwestliche, dann
am 13. nach NW drehende Winde bedingte. Am 11. bis 13. erstreckte sich die
regnerische Witterung, ausgenommen an der östlichen Ostseeküste mehrfach von
Gewittern begleitet, über das ganze Gebiet und am 14. noch über die östliche
Ostsee. Stürmische Winde, Stärke 8, aus SW— WNW traten im Gefolge
des Minimums am 12. und 13. an der westlichen Ostsee auf. Sehr ergiebige,
20 mm übersteigende Niederschläge erfolgten am 12. in Leba (26) und Stolp-
münde (38) und am 13. in Leba (25), Rügenwaldermünde (20), Colbergermünde
(44) und in Wismar (23).
Das im Rücken des Minimums nachfolgende Hochdruckgebiet bedeckte
zunächst Westeuropa, verlagerte jedoch in den Tagen vom 15. bis 17. seinen
Kern rasch nach Frankreich und beschränkte sich auf Südwesteuropa; am 15.
und 16. hatte die Küste vorwiegend nur geringfügige oder gar keine Nieder-
schläge, eine kurze Unterbrechung der Regenzeit dieser zweiten Dekade.
Ein vom 18. bis 20. nordwestlich von Schottland her über Südskandinavien
nach Westrussland schreitendes tiefes Minimum, welches zeitweise ganz Nord-
europa beherrschte, brachte erneute Regenfälle, und wiederum drehten in seinem
Rücken die Winde nach Nordwest und bis Nord, indem abermals hoher Druck
stark nachdrängte, unter dessen Einwirkung am 19. und 20. stürmische Winde,
Stärke 8 bis 9, aus- West—-NNW an der Ostsee eintraten. Sehr ergiebigen
Regenfall hatte Memel mit 24 mm am 20., während an der Nordsee- und west-
lichen Ostseeküste bereits mit diesem Tage trockenes Wetter eintrat.
Während der letzten Dekade gab es nur noch vereinzelt geringfügige
Niederschläge, wohl meist von Nebel herrührend; ruhiges, vorwiegend heiteres,
doch vielfach am Morgen nebeliges Wetter kennzeichnete die Herrschaft hohen
Druckes über Centraleuropa. Wiederum zeigte die Druckvertheilung mannig-
faltige Umgestaltungen, doch blieb die Küste dem KEinfluls von Depressionen
dauernd entzogen. Am 22, und 23, traten meist die niedrigsten Temperaturen
des Monats ein, dann stiegen die unter wenig Schwankungen vom 5. bis dahin
langsam gesunkenen Morgentemperaturen und lagen vom 26. bis 30. über ihren
normalen Werthen.
In den Monatswerthen lagen der Luftdruck und die Temperatur über, die
registrirte Windgeschwindigkeit und in besonders hohem Grade die Niederschlags-
mengen unter den normalen Werthen, außer an der pommerschen Küste, wo
theilweise nahezu normale Regenmengen beobachtet wurden.
Von den Windrichtungen kamen die aus NNE—ESE fast durchweg sehr
selten vor,* während‘ die übrigen Richtungen verhältnifsmäfsig gleich häufig vor-
kamen und keine allein durch besondere Häufigkeit hervortrat, aufser in Keitum,
wo die Nordwestwinde eine hervorragende Häufigkeit erreichten.
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