116 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1895.
festgemacht, die zur Bezeichnung des Platzes dient. Besondere Vorkehrungen
müssen getroffen werden, um die Boje nicht aus den Augen zu verlieren, während
die Falle unten ist. Im Jahre 1894 zeigte diese Vorrichtung, dafs die tiefsten
Gewässer des westlichen Mittelmeeres voll von hoch organisirten Lebewesen sind,
und sehr interessante biologische Ergebnisse wurden bei einem Versuch in
2700 Faden (4938 m) in dem Biskaischen Meerbusen gewonnen.
Bei einer Gelegenheit zogen die Lichter auf den schwimmenden Bojen in
dem Biskaischen Meerhusen die Aufmerksamkeit mehrerer vorbeipassirender
Dampfer auf sich, die so nahe herankamen, dafs keiner aus Furcht vor einem
Zusammenstofs es wagen durfte, seinen Platz vor Tagesanbruch zu verlassen.
Andere Mittel Thiere zu sammeln, einschliefslich des Lockmittels eines
versenkten elektrischen Lichtes, sind an Bord der „Prinzessin Alice“ mit Erfolg
zur Anwendung gekommen.
Der Fürst von Monaco wird auf seiner gegenwärtigen Kreuzfahrt von den
Herren Jules Richard, Marius Bornel, Lallier und Collinet, als Mitarbeitern
in dem Laboratorium an Bord, begleitet.
Die Kreuzfahrt hatte zur Zeit, wo dies geschrieben wurde, nur eine Woche
gedauert, aber sie hatte schon gute Ergebnisse geliefert, unter Anderem den Fang
eines Fisches (Macurus) von 2 Fufs 6 Zoll Länge und einiger merkwürdiger Holo-
*hurien aus einer Tiefe von 2000 Faden (3658 m).
Die Beziehungen des Golfstromes und der Labrador-Strömung.‘
Von Prof. WILLIAM LIBBEY, D. Sc.
Die Beziehungen des Golfstromes zu der Labrador-Strömung, die bei der
hier betrachteten Untersuchung ans Licht gezogen wurden, sind besonders
interessant wegen ihres Einflusses auf die Wanderungen von Fischschwärmen.
Die Gegend in der Nähe der südlichen Küste von Neu-England war für diese
Untersuchung ausgewählt worden, wegen der Voraussetzung, dafs die Gegensätze
zwischen den Strömungen hier deutlicher hervortreten würden, weil sie durch
das Vorspringen des Festlandes aus der allgemeinen Kurve nach Südosten hier
näher zusammengedrängt werden. Diese Erwartung wurde im Laufe unserer
Untersuchungen erfüllt.
Die durch Eintragung der an den verschiedenen Stationen gemachten
Beobachtungen gewonnene Temperaturkurve von 50° F (10° C), ist von Anfang
an sehr interessant gewesen. Sie hat den Beweis der Thatsache ermöglicht, dafs
es zwei Arten Bedingungen giebt, worunter diese beiden verschiedenen Wasser-
massen in Berührung kommen. Der Bequemlichkeit wegen sprechen wir von
diesen zwei Theilen der Hauptströmung des Golfstromes getrennt unter zwei
Ueberschriften, nämlich dem oberen und dem unteren Theil.
Der obere Theil.
Die Grenze zwischen dem kalten und warmen Wasser an der Oberfläche
ist sehr selten eine gerade Linie senkrecht zu der Oberfläche des Wassers,?) Sie
bezeichnet die Lage der Resultirenden aller wirksamen Kräfte. Natürlich wird
die allgemeine Lage der Grenze durch die Geschwindigkeiten der zwei Wasser-
massen und ihre Richtung bei dem Zusammentreffen bestimmt. Wenn wir den
Wind als wirksame Kraft bei der Erzeugung und Lenkung der Meeresströme aus
der Betrachtung weglassen, finden wir, dafs er noch aufserdem eine besonders
große Rolle in der Herbeiführung von Aenderungen spielt, die sich in der Lage
der Grenzlinie an der Oberfläche zeigen. Die Winde verursachen bestimmt
Schwankungen der Oberflächenwasser dieser Strömungen hierhin oder dorthin,
bisweilen auf Meilen hin in einer Richtung oder der anderen, gerade so wie sie
die Strömungen in ihrer allgemeinen Richtung aufhalten oder verstärken können.
Die über diesen Theil des Nordatlantischen Oceans wehenden Winde
kann man der Bequemlichkeit wegen in zwei Klassen eintheilen. Eine weht
iy „Sechster Internationaler Geographen-Kongrefs“, London 1895. Dienstag, 30. Juli. B. No. 4.
‚Kurze Auszüge aus den Vorträgen.“ London, Wm. Clowes and Sons,
2) ? D. Red.