402 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1895.
Gesteine der Festländer im Ocean und in den Ablagerungen der unergründlichen
Tiefen angesammelt haben. Die Basen werden ihnen fortwährend entzogen und
in Lösung fortgeführt, — so dafs die schwereren Bestandtheile die Neigung zeigen,
sich in den tiefsten Tiefen zu lagern, während der leichtere unlösliche und wider-
spenstige Quarz sich meist auf oder in der Nähe der Festländer sammelt. Fest-
Jlandgesteine haben ein durchschnittliches specifisches Gewicht von 2,5; die
Ablagerungen in den tiefsten Tiefen würden Gesteine von einem specifischen
Gewicht über 3,1 bilden. „In der ursprünglichen oberflächlichen Erdkruste war
vermuthlich aller Kiesel vereint mit Basen; die tieferen Schichten waren mehr
basisch als die an der Oberfläche, aber alle Gesteine der Kruste waren wahr-
scheinlich viel weniger sauer als Granit.“ Gneifse und Granit, denkt Dr. Murray
weiter, bildeten sich wahrscheinlich nach dem Anfang der Entblöfsung durch
Witterungseinflüsse auf unserer Erde; er bezieht sich dabei auf die Schlufsfolgerung
der Naturforscher, dafs die Festländer leichtere Theile der Erdkruste sind. Das
Hauptergebnifs aller entblöfsenden und wieder aufbauenden Wirkungen ist eine
große Anhäufung von Quarz und aufserordentlich kieselhaltigem Material auf den
Festländern und den anstoßenden, von den vom Festland stammenden Ablage-
rungen eingenommenen Gebieten gewesen, und das wird möglicherweise für die
Hauptursache gehalten, warum die durchschnittliche Tiefenlage der unergründ-
lichen. Gebiete ungefähr drei engl. Meilen (4,8 km) unterhalb der mittleren Höhen-
lage der Festländer liegt.
Der Verfasser schließt mit einigen allgemeinen Bemerkungen über die
verhältnifsmäfsige Beständigkeit festländischer und oceanischer Gebiete, In paläo-
zoischen Zeiten hatte das Meer wahrscheinlich durchweg fast dieselbe hohe
Wärme, und die unter solchen Bedingungen gebildeten Ablagerungen müssen von
denen, die wir jetzt in den gröfsten Tiefen finden, verschieden gewesen sein.
Möglicherweise waren die Meeresbecken in diesen frühen Zeiten auch nicht so
tief und mit zahlreichen Inseln übersät, aus Gesteinen aufgebaut, ähnlich denen,
die bei der Bildung der bestehenden Festländer mitwirken. Bei der allmählichen
Entwickelung der Oberflächengestalt der Erdkugel ist das feste Land im Ganzen
gedrungener, genauer begrenzt und höher geworden, während die Meeresbecken
mehr voneinander getrennt und tiefer geworden sind. Das feste Land ist durch-
aus nicht immer dasselbe geblieben; aber die Flächen, worin die gegenwärtigen
Festländer liegen, scheinen dieselben Flächen zu sein, worüber seit der Morgen-
dämmerung der geologischen Geschichte Festländer entstanden und verschwunden
3ind, aufgebaut und niedergerissen wurden. Dagegen sind ähnliche Umwälzungen
in den oceanischen Flächen der Meeresbecken nicht annähernd in gleichem Um-
fange vorgekommen, und ganz und gar nicht während der späteren geologischen
Zeiträume. „In der Entwickelung der Oberflächenformen der Erde und der Ent-
wickelung des Klimas, ebenso in der Entwickelung des Sonnensystems und in
der Entwickelung von Organismen hat ein stetiger Fortschritt vom Einfachen
zum Zusammengesetzten, von Zuständen mehr oder weniger Gleichartigkeit zu
3olchen gröfserer Mannigfaltigkeit stattgefunden.“
Wir haben Dr. Murray’s „Uebersicht der Ergebnisse“ so viel Raum
gewidmet, daß wir uns damit begnügen müssen, die Aufmerksamkeit unserer Leser
auf den Anhang zu lenken, der Dr. Buchau’s „Bericht über den Kreislauf des
Meeres“ enthält. Der erste Theil dieses Berichts beschäftigt sich mit der Ober-
fläche des Meeres, der zweite mit den tieferen Gewässern. Der Bericht wird
durch 16 je über zwei Seiten reichende Karten erläutert. Auf den beiden ersten
sind die Vertheilung der Temperatur und des specifischen Gewichtes der Ober-
Aäche des Meeres eingehend dargestellt. Zwölf Karten zeigen die mittlere
Temperatur des Meeres in 100, 200, 300 u. s. w. Faden (183, 366, 549m) bis
zu 1000 Faden (1829 m) hinab, und bei 1500 Faden (2743 m) und 2200 Faden
(4023 m). Karte 15 zeigt die Bodentemperatur von 1000 Faden abwärts;
Karte 16 das specifische Gewicht am Boden des Meeres innerhalb derselben
Grenzen. Die Bearbeitung dieser Karten hat selbstverständlich viel Arbeit
gekostet, aber das Ergebnifs ist eine wichtige Bereicherung der wissenschaftlichen
Meereskunde.
Es erübrigt uns nur, Dr. Murray zur erfolgreichen Vollendung dieses
grofsen nationalen Werkes zu beglückwünschen. Wir können die Kraft und
Begeisterung, womit er die Veröffentlichung der Berichte geleitet hat, nur