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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

.Geikie: Die Forschungsreise des „Challenger“. 
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in. den Polargebieten im Vergleich zum tropischen Gebiet, ferner die gröfsere 
Aehnlichkeit der Seichtwasser-Thiere an den Polen mit Tiefsee-Arten. . Er nimmt 
auch an, dafs die Frischwasser-Thierwelt in der Hauptsache gleichfalls von den 
Thieren der Schlammlinie abstammt. 
Es ist sehr merkwürdig, daß unter den am Boden lebenden Thieren der 
Ost- und Westküste Afrikas kaum eine Art beiden Küsten gemeinsam ist, wenn 
gewisse Brackwasser- und Tiefseeformen ausgeschlossen werden. Man könnte 
annehmen, daß die gröfsere Mannigfaltigkeit der Bedingungen an einer der beiden 
Seiten dieses Festlandes im Vergleich mit denen der Polargegenden eine schnellere 
Aenderung der Arten an jener als an dieser Seite zu Wege gebracht hätte. Aus 
dieser Annahme würde folgen, dafs die Thierwelten an der Ost- und Westküste 
Afrikas trotz ihres ganz verschiedenen Charakters nicht so lange von einander 
getrennt sind, als die Polar-Thierwelten, die sich mehr ähneln. Dr. Murray 
weist ‚aber darauf hin, dafs die Trennung der Thierwelt des Atlantischen und 
Stillen Oceans bei der Landenge von Panama nicht so vollständig ist, wie die 
der Thierwelt an jeder Seite von Afrika. Er gelangte so zu dem Schlufs, dafs 
die letzteren schon sehr viel länger getrennt sind und möglicherweise schon zu 
einer Zeit, als in. allen oceanischen Gebieten noch beinahe dasselbe Klima 
herrschte. Er glaubt ferner, dafs die Vertheilung des Lebens in dem Antarktischen 
oder. grofsen Südlichen Ocean beweist, dafs die kleinen Landmassen in diesem 
Gebiet genügend lange von einander getrennt gewesen sind, um selbst. in den 
kalten antarktischen Gewässern besondere Abweichungen entstehen zu lassen. 
Dieser Schlufs widerspricht also der Ansicht, dals innerhalb neuer geologischer 
Zeiten die Festländer durch ihre südlichen Ausläufer mit einem weit ausgedehnten 
antarktischen Festland verbunden gewesen wären. Hätte sich das Land früher 
so weit ausgedehnt, so hätten wir erwarten dürfen, sehr viele cirkumpolare 
Arten anzutreffen. Aber in dieser Beziehung steht der Antarktische Ocean in 
schroffem Gegensatz zu den nördlichen Polarmeeren, wo wahrscheinlich ununter- 
brochene Küstenlinien seit ungeheuer langen Zeiten bestanden haben. 
Als allgemeiner Schlufs ergiebt sich, dafs die Vertheilung der Festland- 
massen auf die Vertheilung der Seethiere in seichtem Wasser sowohl wie in der 
Tiefsee einen grofsen Einfluß ausgeübt hat, In den langen geologischen Zeit- 
räumen sind die Festlandbezirke außerordentlich unstätig gewesen. Immer wieder 
sind sie durch auflösende und entblöfsende Wirkungen niedergerissen worden — 
immer wieder durch unterirdische Thätigkeit beeinflußt — bald hoch gehoben, 
bald niedergedrückt. Die Küstenlinien sind deshalb einem fortwährenden Wechsel 
unterworfen gewesen. Die Forschungen des „Challenger“ haben gezeigt, dafs 
die nach den mittleren Theilen der Meeresbecken hin vorkommenden Ablagerungen 
fast vollständig frei von Quarztheilchen sind. Aber diese werden im Verhältnifs 
zur Annäherung an die Festländer immer zahlreicher, bis sie 80 Procent der Ab- 
lagerungen ausmachen. Solche quarzigen Ablagerungen stammen offenbar vom 
Land her, — sie sind von. den Festländern heruntergewaschen. Und da fest- 
ländische Gesteinsmassen zum grofsen Theil aus freien Quarztheilen bestehen, und 
alle solche Theilchen in geringerer oder gröfserer Menge enthalten, folgt daraus, 
daß sich diese ebenfalls aus Ablagerungen gebildet haben müssen, die sich in 
der Nähe vorher schon vorhandenen Landes niedergeschlagen hatten. Gesteine, 
so aus vom Lande stammenden Ablagerungen gebildet, sind immer wieder zur 
Bildung neuen Landes hinaufgeschoben, und immer wieder zerkleinert und in die 
See geschwemmt worden — „so dafs die verschiedenen Schichten einfacher in 
der Zusammensetzung wurden, während die Landmassen im Ganzen bei jeder 
Umwälzung in ihrem Bau verwickelter wurden.“ Die wahren pelagischen Ab- 
lagerungen sind nicht nur durch das Fehlen von Quarztheilchen gekennzeichnet, 
sondern in dem sehr tiefen Wasser der „Centralsee“ auch durch die Anwesenheit 
grofßser Mengen Eisen und Mangan, Zeolithen, metallischer aus dem Weltraum 
stammender. Kügelchen, Haizähne und Walknochen — einige der letzteren zu 
ausgestorbenen Arten gehörend. Alle diese Dinge können als Kerne großer 
Manganeisenknollen angetroffen werden. Nach Dr. Murray und Herrn Irvine 
kann Mangan durch fortwährende chemische Aenderungen in und auf den 
oceanischen Ablagerungen über dem Meeresboden von den Küstengegenden bis 
zu den centralen und tieferen Gebieten befördert werden. . Es wird angenommen, 
dafs sich Kalk, Eisen, Mangan, Magnesia und die Alkalien auf Kosten. der 
Ann. d. Hydr. etc... 1895. Hefi X.
	        
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