.Geikie: Die Forschungsreise des „Challenger“.
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in. den Polargebieten im Vergleich zum tropischen Gebiet, ferner die gröfsere
Aehnlichkeit der Seichtwasser-Thiere an den Polen mit Tiefsee-Arten. . Er nimmt
auch an, dafs die Frischwasser-Thierwelt in der Hauptsache gleichfalls von den
Thieren der Schlammlinie abstammt.
Es ist sehr merkwürdig, daß unter den am Boden lebenden Thieren der
Ost- und Westküste Afrikas kaum eine Art beiden Küsten gemeinsam ist, wenn
gewisse Brackwasser- und Tiefseeformen ausgeschlossen werden. Man könnte
annehmen, daß die gröfsere Mannigfaltigkeit der Bedingungen an einer der beiden
Seiten dieses Festlandes im Vergleich mit denen der Polargegenden eine schnellere
Aenderung der Arten an jener als an dieser Seite zu Wege gebracht hätte. Aus
dieser Annahme würde folgen, dafs die Thierwelten an der Ost- und Westküste
Afrikas trotz ihres ganz verschiedenen Charakters nicht so lange von einander
getrennt sind, als die Polar-Thierwelten, die sich mehr ähneln. Dr. Murray
weist ‚aber darauf hin, dafs die Trennung der Thierwelt des Atlantischen und
Stillen Oceans bei der Landenge von Panama nicht so vollständig ist, wie die
der Thierwelt an jeder Seite von Afrika. Er gelangte so zu dem Schlufs, dafs
die letzteren schon sehr viel länger getrennt sind und möglicherweise schon zu
einer Zeit, als in. allen oceanischen Gebieten noch beinahe dasselbe Klima
herrschte. Er glaubt ferner, dafs die Vertheilung des Lebens in dem Antarktischen
oder. grofsen Südlichen Ocean beweist, dafs die kleinen Landmassen in diesem
Gebiet genügend lange von einander getrennt gewesen sind, um selbst. in den
kalten antarktischen Gewässern besondere Abweichungen entstehen zu lassen.
Dieser Schlufs widerspricht also der Ansicht, dals innerhalb neuer geologischer
Zeiten die Festländer durch ihre südlichen Ausläufer mit einem weit ausgedehnten
antarktischen Festland verbunden gewesen wären. Hätte sich das Land früher
so weit ausgedehnt, so hätten wir erwarten dürfen, sehr viele cirkumpolare
Arten anzutreffen. Aber in dieser Beziehung steht der Antarktische Ocean in
schroffem Gegensatz zu den nördlichen Polarmeeren, wo wahrscheinlich ununter-
brochene Küstenlinien seit ungeheuer langen Zeiten bestanden haben.
Als allgemeiner Schlufs ergiebt sich, dafs die Vertheilung der Festland-
massen auf die Vertheilung der Seethiere in seichtem Wasser sowohl wie in der
Tiefsee einen grofsen Einfluß ausgeübt hat, In den langen geologischen Zeit-
räumen sind die Festlandbezirke außerordentlich unstätig gewesen. Immer wieder
sind sie durch auflösende und entblöfsende Wirkungen niedergerissen worden —
immer wieder durch unterirdische Thätigkeit beeinflußt — bald hoch gehoben,
bald niedergedrückt. Die Küstenlinien sind deshalb einem fortwährenden Wechsel
unterworfen gewesen. Die Forschungen des „Challenger“ haben gezeigt, dafs
die nach den mittleren Theilen der Meeresbecken hin vorkommenden Ablagerungen
fast vollständig frei von Quarztheilchen sind. Aber diese werden im Verhältnifs
zur Annäherung an die Festländer immer zahlreicher, bis sie 80 Procent der Ab-
lagerungen ausmachen. Solche quarzigen Ablagerungen stammen offenbar vom
Land her, — sie sind von. den Festländern heruntergewaschen. Und da fest-
ländische Gesteinsmassen zum grofsen Theil aus freien Quarztheilen bestehen, und
alle solche Theilchen in geringerer oder gröfserer Menge enthalten, folgt daraus,
daß sich diese ebenfalls aus Ablagerungen gebildet haben müssen, die sich in
der Nähe vorher schon vorhandenen Landes niedergeschlagen hatten. Gesteine,
so aus vom Lande stammenden Ablagerungen gebildet, sind immer wieder zur
Bildung neuen Landes hinaufgeschoben, und immer wieder zerkleinert und in die
See geschwemmt worden — „so dafs die verschiedenen Schichten einfacher in
der Zusammensetzung wurden, während die Landmassen im Ganzen bei jeder
Umwälzung in ihrem Bau verwickelter wurden.“ Die wahren pelagischen Ab-
lagerungen sind nicht nur durch das Fehlen von Quarztheilchen gekennzeichnet,
sondern in dem sehr tiefen Wasser der „Centralsee“ auch durch die Anwesenheit
grofßser Mengen Eisen und Mangan, Zeolithen, metallischer aus dem Weltraum
stammender. Kügelchen, Haizähne und Walknochen — einige der letzteren zu
ausgestorbenen Arten gehörend. Alle diese Dinge können als Kerne großer
Manganeisenknollen angetroffen werden. Nach Dr. Murray und Herrn Irvine
kann Mangan durch fortwährende chemische Aenderungen in und auf den
oceanischen Ablagerungen über dem Meeresboden von den Küstengegenden bis
zu den centralen und tieferen Gebieten befördert werden. . Es wird angenommen,
dafs sich Kalk, Eisen, Mangan, Magnesia und die Alkalien auf Kosten. der
Ann. d. Hydr. etc... 1895. Hefi X.