Geikie: Die Forschungsreise des „Challenger“.
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Thierwelt anzeigten. Es wurde für wahrscheinlich gehalten, dafs die fraglichen
Ueberreste durch Strömungen aus seichteren Zonen dahingeführt oder von dem
Oberflächenwasser nach dem Tode auf den Boden gesunken wären. Aber während
der Reise I. M, S. „Bulldog“ im Jahre 1860 fing Dr. Wallich sehr vollständig
organisirte Wesen lebendig in Tiefen, die hei Weitem die übertrafen, bis wohin
man vor ihm thierisches Leben annehmen zu dürfen geglaubt hatte, und er hielt
daran fest, dafs ihre Anwesenheit da unten nicht als eine zufällige oder aufser-
gewöhnliche Erscheinung aufgefafst werden könnte. Das Bestehen einer Tiefsee-
Thierwelt wurde bald darauf endgültig bewiesen, Beim Aufnehmen des Telegraphen-
kabels zwischen Sardinien und Bona, das in einer Tiefe von 1200 Faden (2200 m)
gerissen war, fand man eine Anzahl Korallen und anderer Wesen daran festsitzen.
Dann, im Jahre 1864, holte ein schwedischer Naturforscher, Dr. Otto Torell,
mit dem Schleppsack eine grofse Anzahl Thiere auf der Höhe von Spitzbergen
aus Tiefen von 1000 bis 1400 Faden (1830 bis 2560 m), und die folgenden
Forschungsreisen des „Lightning“, „Porcupine“ und „Shearwater“ waren in gleicher
Weise, im Erlangen überreicher und endgültiger Beweise einer Tiefsee-Thierwelt,
erfolgreich. Die „Lightning“-Reise, unter der Leitung von Wyrville Thomson
and W. B. Carpenter, zeigte, dafs ein mannigfaltiges und sehr reiches Leben
in Tiefen bis zu wenigstens 650 Faden (1190 m) besteht. Während der ersten
von drei erfolgreichen Reisen der „Porcupine“ fand Gwyn Jeffries keinen
Mangel an Leben in einer Tiefe von 1470 Faden (2690 m). Wyrville Thomson,
Leiter der zweiten Reise, fischte mit dem Schleppsack erfolgreich in Wasser-
tiefen von mehr als 2000 Faden (3660 m), und diese Ergebnisse wurden von
Dr. Carpenter auf der dritten Reise desselben Schiffes bestätigt und erweitert.
Diese und andere vorhergegangene und gleichzeitige Forschungsreisen hatten
bewiesen, dafs Wesen in ungeheuren Tiefen lebten, und dafs die in tiefem Wasser
und auf dem Meeresboden gültigen physikalischen und chemischen Bedingungen
weder beständig noch immer dieselben seien, so dafs der Plan gefafst wurde,
„auf einer grofsen Forschungsreise die Erde zu umsegeln, die gröfsten Tiefen
auszulothen und die physikalischen, chemischen und biologischen Verhältnisse der
grofsen Oceane zu untersuchen.“ Auf die Empfehlungen der Königlichen Gesell-
schaft und anderer wissenschaftlicher Vereine wurde eine solche Forschungsreise
von der britischen Regierung vorbereitet, und im Dezember 1872 trat der
„Challenger“ seine Reise an. Er hatte einen vollen Stab von ausgesuchten
Marineoffizieren und einen wissenschaftlichen Stab an Bord, bestehend aus dem
Prof. C. Wyvrille Thomson (Leiter) und den Herren J. Y. Buchanan,
H. N. Moseley, John Murray, R. von Willemoes-Suhm und J. J. Wyld,
Nach einer Reise um die ganze Erde und der Ausführung von Tiefsee- und
anderen Untersuchungen in vielen Theilen des Meeres kehrte der „Challenger“
Mai 1876 wieder nach England zurück. Zahlreiche wissenschaftliche Beobach-
tungen waren in allen Gebieten der Meeresforschung erfolgreich ausgeführt,
grofse zoologische und andere Sammlungen während der Reise aus den ver-
schiedenen Häfen nach Hause gesandt, oder im.Schiffe selbst mitgebracht worden.
Nach der Rückkehr wurde ein zeitweiliges Regierungsamt geschaffen, um die Be-
arbeitung der physikalischen und biologischen Beobachtungen, der Untersuchung
der Sammlungen und der Veröffentlichung der wissenschaftlichen Ergebnisse,
soweit sie sich auf die Meereskunde bezogen, anzuordnen. In diesem Amt wurde
Sir C. Wyville Thomson Direktor und Herr John Murray erster Assistent.
Unglücklicherweise wurde der Direktor kränklich, und bei seinem Tode im
Jahre 1882 nahm Herr Murray seine Stelle ein., Die mühsame und verant-
wortliche Arbeit der Veröffentlichung der wissenschaftlichen Berichte wurde von
Herrn Murray unter Mitberathung eines Komites der Königlichen Gesellschaft
fortgeführt. Nur wenige zoologische Einzelabhandlungen waren vor 1882 ver-
öffentlicht worden — während die 46 Bände des Reiseberichts und eine grofse
Anzahl von Einzelabhandlungen unter Dr. Murray’s Leitung erschienen sind.
Hierzu kommen die jüngst erschienenen zwei Bände, die eine Reihe von 50 Grofs-
quart-Bänden abschließen, ein Werk, das zu Rathe gezogen und studirt werden
wird, so lange die Menschheit ein Interesse an der wissenschaftlichen Unter-
suchung der Welt bewahrt, worin sie lebt.
Ehe wir unseren Lesern einen kurzen Abrifs von Dr. Murray’s „Ueber-
sicht der Ergebnisse“ mittheilen, mag bemerkt werden, dafs die Berichte der