384 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1895.
ist das wettertelegraphische Material aus dem Inlande und ein Theil aus dem
Auslande (vorzüglich aus Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark, Holland,
Belgien) eingelaufen, und nun beginnt sofort die Abgabe der unterdessen fertig
gestellten nur Beobachtungen enthaltenden Wetter-Depeschen nach den ver-
schiedenen Instituten und Privaten in dem Mafse, als der jetzt stark besetzte
Draht zwischen der Seewarte und dem Haupt-Telegraphenamte es gestattet.
Gewöhnlich zwischen 10 und 11 Uhr kommen folgende Wetterdepeschen
zur Versendung: nach Pariss Gruppe 1 bis 6 (volle Depesche) von 9 Stationen,
nach Kopenhagen und Stockholm Gruppe 3 bis 5 von je 7 Stationen, nach Wien
und Budapest Gruppe 3 bis 5 von je 9 Stationen, nach Utrecht Gruppe 3 bis 5
von 6 Stationen, nach St. Petersburg Gruppe 1 bis 6 von 4 Stationen, nach Zürich
Gruppe 3 bis 4 von 5 Stationen, nach London Gruppe 1 bis 6 von 3 Stationen,
nach Christiania Gruppe 1 bis 6 von 4 Stationen. Gleich darauf folgen die
Depeschen nach Stuttgart („Merkur“), Magdeburg (Wetterwarte der „Magde-
burgischen Zeitung“), Berlin („Berliner Tageblatt“), Chemnitz (Meteorologisches
Institut) und Breslau (Sternwarte) mit Gruppe 3 und 4 von je 20 bis 24 Stationen.
Hieran schliefst sich nun um etwa 11!/s Uhr eine Depesche nach Brüssel (Gruppe
3 bis 4 mit 12 Stationen), und nun laufen andererseits bis etwa um Mittag
dieSammeldepeschen von den Britischen Inseln, Wien, St. Petersburg und gewöhnlich
zuletzt auch von Frankreich ein.
Das Depeschenmaterial liegt jetzt, also um Mittag, bis auf die Sammel-
depesche aus Italien, welche erst am Nachmittag mit den Wiener Beobachtungen
eintrifft, vollständig vor, und nunmehr wird sofort zur Verwerthung desselben
geschritten. Während dieser Arbeit kommen noch folgende Telegramme zur
Versendung: 3, bis 4. Gruppe nach Zürich von 12 Stationen, nach Utrecht von 3,
nach Wien und Budapest von je 8 Stationen, aufserdem ein Abonnements-
Wetterbericht, der sogenannte „kleine Wetterbericht“, welcher einen Auszug aus
den Hafentelegrammen für die Nord- und Ostseehäfen enthält.
Inzwischen werden (um Mittag) auf den Arbeitskarten, worin nun sämmt-
liches Material eingetragen ist, die Isobaren für den Morgen und den Abend von
5 zu 5 mm eingezeichnet, ebenso die lsothermen für den Morgen von 5 zu 5 Grad.
Eine wichtige Grundlage sowohl für die Berichterstattung, als auch für die
Beurtheilung des wahrscheinlichen Verlaufs der Witterung, bilden die Aenderungs-
karten für Luftdruck und Temperatur.
Nachdem man aus den verschiedenen Arbeitskarten eine genügend klare
Uebersicht der Wetterlage in Europa und ein Urtheil über die Aenderungstendenz
des Wetters gewonnen hat, wird für die Hafentelegramme der Nord- und
Ostseehäfen, sowie für die grofse Zeitungs-Abonnements-Depesche, für welch’ beide
der tabellarische Theil schon fertig gestellt wurde, eine Witterungsübersicht
gegeben, welcher in allen Fällen, in welchen es thunlich erscheint, auch Muth-
mafsungen (Wetterprognosen) über die demnächst zu erwartende
Witterung beigegeben werden. Diese beiden Telegramme gelangen in der
Regel zwischen 12 und 12'/ Uhr zur Beförderung. Etwaige direkte Anfragen
über Witterungsaussichten für den folgenden Tag und dergl. finden zu
dieser Zeit ihre Erledigung. Kurz darauf folgen die übrigen Wetterdepeschen
(Gruppe 3 und 4 mit je 21 Stationen) nach Magdeburg, Berlin(„Tageblatt“), Chemnitz
‘Meteorologisches Institut) und München (Meteorologische Centralstation), sowie
das Isobarentelegramm nach Karlsruhe und Frankfurt a. M., und hiermit schliefst
der Morgendienst, wenn nicht Sturmwarnungen, welche ja in erster Linie berück-
sichtigt werden müssen, den Dienst verzögern.
Zum Zwecke der telegraphischen Uebermittelung der Isobaren ist die
Wetterkarte in 900 kleine Quadrate abgetheilt, so daß die Isobaren durch
Schnittpunkte (in je 3 Ziffern) genau bestimmt werden können.
An der deutschen Küste sind im Ganzen 90 Sturmsignalstellen errichtet
und zwar 47 staatliche und 43, welche von den Provinzial-Regierungen auf eigene
Kosten erhalten werden. In dem folgenden Verzeichnisse sind die Signalstellen
unter Berücksichtigung der telegraphischen Leitungen nach Gruppen eingetheilt
und die Signalstellen zweiter Klasse (Signalstange mit Ball) durch ein * von
denjenigen erster Klasse (Signalstellen mit vollständigem Signalapparat) unter-
schieden. Die Signalstellen, welche Hafentelegramme erhalten, sind durch fetten
Druck hervorgehoben.