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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

Bemerkungen über den‘ Südwestmonsun im Indischen Ocean im Sommer 1894. 379 
Barometer hielt sich während der ganzen Ueberfahrt sehr gleichmäfsig, trotz des 
stürmischen und zeitweilig sehr drohend aussehenden Wetters. Die Temperatur 
des Oberflächenwassers nahm bei der Annäherung an die Küste Afrikas, nachdem 
der eigentliche Monsunwind eingesetzt hatte, ziemlich rasch ab, in 24 Stunden 
ging sie von 26° auf 19° hinunter. Es wurde jedoch beobachtet, dafs dieselbe 
ganz nahe unter der Küste, in einem Abstande von 10 Sm von der letzteren 
zwischen Ras Hafun und Kap Gwuardafui, wo sich das Schiff wahrscheinlich in 
einer Art Gegenstrom befand, schon wieder bis auf 24° zunahm; allerdings stieg 
dann die Temperatur, als Kap Guardafui passirt war, rasch auf 30°. Am Abend 
des 4. Juli gelangten wir in den Golf von Aden. 
Der Wetterdienst an der Deutschen Seewarte. 
Von Prof. Dr. W. J. vAN BEBBER. 
Wenn wir die verschiedenen Systeme, wie sie in Europa und in Amerika 
für die Wettertelegraphie eingerichtet sind, mit einander vergleichen, so findet 
man eine Reihe mehr oder minder erheblicher Unterschiede und zwar in Bezug 
auf die Benutzung des Telegraphen, die Organisation des für den Wetterdienst 
nothwendigen Beohbachtungsnetzes, insbesondere aber in Bezug auf die Ver- 
werthung des Depeschenmaterials für die mannigfachen Zwecke des Berufslebens, 
wie sie aus den verschiedenen natürlichen und politischen Verhältnissen der 
einzelnen Länder, sowie aus der Entstehung und Entwickelung des Wetterdienstes 
selbst hervorgingen. Alle diese Ungleichheiten lassen sich auf drei Haupt- 
verschiedenheiten zurückführen, so dafs wir drei Hauptsysteme der Wetter- 
telegraphie unterscheiden können, deren Einrichtungen theilweise ineinander 
übergreifen. Der Hauptsache nach unterscheiden sich diese drei Systeme folgender- 
malen voneinander: 
1. Das europäisch-kontinentale System. Dieses System ist aus dem 
französischen, von Leverrier gegründeten hervorgegangen und hat sich über den 
ganzen europäischen Kontinent ausgebreitet. Wenn auch die Grundlagen dieses 
Systems im Wesentlichen dieselben geblieben sind, so hat sich dasselbe doch 
im Laufe der Zeit immer mehr ausgebildet und vervollkommnet. Die Grundzüge 
dieses Systems sind folgende: Die Wetterdepeschen werden von den Telegraphen- 
verwaltungen theils unentgeltlich, theils mit Ermäfsigungen (Abonnements- 
depeschen), theils mit voller Gebührenentrichtung befördert und in den beiden 
ersteren Fällen als Diensttelegramme behandelt. Nothwendig für die gedeihliche 
Wirksamkeit dieses Systems ist ein einheitliches, internationales Zusammenwirken 
im Depeschenverkehr, sowohl mit benachbarten, als auch entfernteren, insbesondere 
nach dem Westen Europas hin gelegenen Ländern. Die Beobachtungen erfolgen 
nach Ortszeit, wobei die Beobachtungstermine in den einzelnen Ländern vielfach 
verschieden sind. Für die Abfassung und Versendung der Telegramme erhält 
der Beobachter keine, oder doch nur eine geringe Entschädigung. Von allen 
Stationen kommt ein Morgentelegramm zur Versendung, welchem noch die Beob- 
achtungen vom Vorabende beigefügt sind, von einer beschränkten Anzahl 
Stationen auch noch Nachmittags- oder Abenddepeschen. Die Verwerthung 
des wettertelegraphischen Materials geschieht durch tägliche Wetterberichte an 
die Hafenplätze, an die Zeitungen und an die Institute und Private, sowie durch 
Herausgabe einer täglichen, mehr oder weniger vollständigen synoptischen Wetter- 
karte mit tabellarischen Uebersichten, und zwar in Verbindung mit Sturm- 
warnungen und Wettervorhersagen. 
Nach diesem System ist der Hauptsache nach der Wetterdienst an der 
Deutschen Seewarte eingerichtet, nur mit dem Unterschiede, dafs einige englische 
und amerikanische Einrichtungen, welche sich besonders gut bewährt hatten, auf 
dieses System übertragen wurden. Für den Depeschenverkehr wurde der Tele- 
graphenverwaltung eine Pauschsumme zur Verfügung gestellt, wobei im Inlands- 
verkehr die Depeschen als Staats- und im Auslandsverkehr als Dienstdepeschen 
behandelt werden. In der ruhigeren Jahreszeit (Mai bis Mitte September) laufen 
täglich zweimal Depeschen ein (morgens und nachmittags), in der unruhigeren 
(Mitte September bis Ende April) dreimal (Abenddienst).
	        
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