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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1895.
Nur ein einziges Mal brachte mich der Lootse über die Barre beim Aus-
yehen, er schnitt die eigentliche Barre ebenso wie ich, nur sobald er die Barre
passirt hatte, steuerte er noch etwas südlicher, hatte aber nicht mehr Wasser
wie ich, sonst bin ich stets ohne Lootsen ein- und ausgegangen, ohne auch nur
im Geringsten zu stofsen.
Ferner kann ich noch berichten, dafs hier, sowie an der ganzen Küste,
bei südlichem Winde mehr und bei nördlichem weniger Wasser auf der Barre ist.
Bemerkungen über den Südwestmonsun im Indischen Ocean
im Sommer 1894.
Von R. STÜBEN, erstem Offizier des Dampfers „Priok“,
Der Dampfer „Priok“ verliefßs Singapore am 18, Juni 1894 und traf am
12. Juli in Suez ein; er durchquerte den Indischen Ocean in der Zeit vom
21. Juni bis zum 4. Juli Die genommene Route war diejenige, welche Fracht-
Jampfer, die nicht Ceylon anzulaufen haben, während des Südwestmonsuns gewöhn-
lich einschlagen, nämlich durch den Anderthalb-Grad-Kanal, zwischen den zu der
Malediven-Gruppe gehörenden Atollen hindurch. Auf dieser Ueberfahrt trafen wir
ganz aufsergewöhnliche Witterungsverhältnisse an, wie sie sonst in dieser Jahres-
zeit nicht vorzukommen pflegen.
Nachdem wir am 21. Juni Pulo Brasse am Ausgange der Malakka-Strafse
passirt waren, hatten wir den Wind zunächst aus der zu erwartenden Südwest-
richtung und nur von der Stärke 4 bis 5. Die See war ebenfalls sehr mäßig,
das Wetter schön und klar bei leicht bewölktem Himmel. Am nächsten Tage
wuchsen jedoch Wind und Seegang schon zu der der Jahreszeit entsprechenden
Stärke an, das Wetter wurde böig, auch kam die aus dem Südostpassat herlaufende
Dünung aus Süd mehr auf. Da wir indessen durch eine nach Süden und Westen
setzende Strömung unterstützt wurden, steuerten wir nicht, wie üblich, zuerst nach
SW, um bald niedrigere Breiten und leichtere Winde zu erreichen, sondern
behielten den direkt nach dem Anderthalb-Grad-Kanal führenden Kurs bei. Vom
22. bis zum 26. Juni holte der Wind allmählich westlicher, an Stärke zwischen
7 und 5 schwankend, das Wetter wurde böiger, zeitweilig wehten schwere Regen-
böen aus Westnordwestrichtung.
{n der Nacht vom 26. auf den 27. Juni wurde der Anderthalb-Grad-Kanal
passirt. Auf der Westseite der Malediven ging der Wind sofort auf den nord-
westlichen Quadranten über und wehte aus den Strichen NNW bis WNW in der
Stärke 6 bis 8 mit häufigen schweren Regenböen. Von hier bis nach 3,8° N-Br
und 58° O-Lg hatten wir nun eine von den gewöhnlichen Verhältnissen der
Jahreszeit ganz abweichende Witterung. Anstatt dafs der Wind, wie meistens in
dieser Gegend, mit Stärke 3 bis 4 aus WSW kam, wehte er stets steif bis
stürmisch mit schweren Böen aus dem Nordwestviertel. Im Süden und SW
standen fortwährend dunkle Gewitterwolken am Horizonte, in denen es stark
blitzte; die See lief kurz und hoch aus WNW. Der Strom setzte beständig mit
L bis 1'/2 Knoten Fahrt nach SE und ESE und nicht nördlich von Ost, wie hier
gewöhnlich der Fall ist. Am 1. Juli begann der Wind endlich westlicher zu
holen, aber erst am 2. Juli auf 5,5° N-Br und 55° O-Lg setzte der eigentliche
Südwestmonsun ein, auch wurde an diesem Tage zuerst eine nordöstlich setzende
Strömung beobachtet.) Am nächsten Tage hatten wir jedoch wieder die ganz
aufsergewöhnliche Versetzung von 54 Sm nach SE und bald darauf am 4. Juli
noch eine von 66 Sm nahezu recht nach Osten. Während dieser letzten beiden
Tage wehte der Südwestmonsun mit der in dieser Gegend zu erwartenden Stärke
5 bis 7, begleitet von einer hohen See aus SW bis SSW, doch machte sich bis
nahe unter der afrikanischen Küste eine hohe westliche Dünung bemerkbar. Das
) An demselben Tage hatte der Dampfer „Solingen“, der, von Colombo kommend, ungefähr
7° nördlicher, unweit der Ostspitze von Socotra, stand, einen beftigen, zuletzt arkanartigen Sturm
aus SW bis Süd.