Knipping: Zur Entwickelungsgeschichte der Cyklonen in subtropischen Breiten. 345
möglich machen. Kleinere, rings vom Meer umgebene Inseln verhalten sich ganz
anders wie größere Landmassen. Hat sich ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet
über dem Meere gebildet, so wird sich der Kern, die zukünftige Mitte des
werdenden Taifuns, am leichtesten dort bilden, wo der aufsteigende Strom am
stärksten ist, und bei dem bekannten Unterschied der Wirkung der Sonnen-
strahlung auf Land und Wasser werden kleinere Inseln, worüber der aufsteigende
Strom bei Tage viel kräftiger sein mufs als über dem Meere, sehr häufig. solche
Kerne abgeben. Nöthig sind solche Inseln nicht, aber wohl günstig. Die
Liukiu-Inseln spielen so bei den Taifunen oft dieselbe Rolle, wie die Andamanen
bei den Cyklonen im Bengalischen Meerbusen, die Samoa-Inseln, Neu-Hebriden etc.
bei den Örkanen der Südsee es wahrscheinlich thun.
Wenn sich Taifune zuerst in den höheren Schichten entwickelten, bliebe
der Einfluß, den die topographischen Verhältnisse unzweifelhaft in den japanischen
Meeren ausüben, unverständlich. Wie grofs er ist, zeigte sich besonders in 1886,
wo nicht weniger als vier Taifune innerhalb einiger Wochen über ein und den-
selben Ort in See, 32° N-Br, 132° O-Lg, hinweggingen. . Da auch die Höhe der
Taifune nicht beträchtlich sein kann — es folgt dies aus ihrem.schnellen Zerfall
über den Gebirgen Japans, deren Höhe man rund zu 2000 m annehmen kann —,
so bleibt nichts Anderes übrig, als die Ansicht von der Entstehung der Cyklonen
in der Höhe auch für die subtropischen Gebiete und damit für alle Theile der
Erdoberfläche endgültig fallen zu lassen.*)
Für die Praxis ergeben sich aus diesen Beobachtungen und der Thatsache,
daß es sich nur um Bewegungen zwischen West über Nord bis Ost handelt,
folgende Punkte: Innerhalb des grofsen Bogens, den die japanische Strömung
beschreibt, wächst die Wahrscheinlichkeit, einen ausgebildeten Taifun anzutreffen,
mit der Annäherung an diesen Bogen in den Monaten Juli bis Oktober. Kin
tiefer Barometerstand oder langsamer Fall bei Naha deuten die Entwickelung an,
eine Schwelle bei tiefem Stand oder langsamem Fall gewöhnlich den Abmarsch
eines geschlossenen Theiles des grofsen Minimums, Der Schlufs der ganzen Periode,
die meist zwei Minima umfafst, findet erst bei schnellem Steigen satt. Für den
telegraphischen Wetterdienst Japans folgt hieraus der Wink, zwischen Naha und
Kiushu wenigstens noch eine, besser zwei Stationen einzuschalten, dann ist eine
Ueberraschung Süd-Japans durch Taifune ohne lange vorhergegangenetelegraphische
Warnung so gut wie ausgeschlossen,
Die Faerger-Gruppe.
Auf Veranlassung der Direktion der Seewarte aus dem neuesten dänischen Segelhandbuch übersetzt
von Kapt. z. See a. D. BROEKER,
(Hierzu Tafel 9 und 10.)
Allzemeine Bemerkungen.
Die Faerger-Inseln bestehen aus einer Gruppe von 18 gröfseren und
kleineren Inseln, welche auf ungefähr 62° N-Br und 7° W-Lg auf dem unter-
seeischen Rücken liegen, der die Nordsee-Bänke mit Island verbindet und die
tiefen Bassins des Eismeeres und des Atlantischen Oceans scheidet. Die Inseln
sind vulkanischen Ursprungs und gehören der miocänischen Periode an, sie
ragen namentlich an der Nord- und Westseite steil aus der See und sind von-
einander durch tiefe Sunde getrennt, von welchen manche nur ganz schmal sind.
Ihre. Lage im Golfstrom und der warme atlantische Strom, welcher südlich von
Island herüber gegen Norwegens Westküste fliefst, geben ihnen im Verhältnifs
zu ihrer hohen Breite ein mildes, aber feuchtes und unbeständiges Klima. Die
Jahres-Mitteltemperatur ist 6,5° C; das Meer um sie herum gefriert nie, und der
Schnee verschwindet im Sommer selbst von der höchsten Bergspitze, welche eine
4) Vgl. Hann: „Bemerkungen über die Entstehung der Cyklonen.“ „Oestr. Zeitschr. f£.
Met.“, 1877, S. 308, .
Ann. d. Hyär. ete.. 1895. Heft 1X.