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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

340 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1895, 
Durch solcherlei Vergleichungen sowie durch Hinzuziehung von Lokalbeob- 
achtungen in Bezug auf die Aenderungen des Luftdruckes und des Windes, die 
Himmelsansicht u. dgl., könnte beurtheilt werden, ob sich die Wetterlage in der- 
selben Weise umwandelt, wie es im Atlas angegeben ist, oder aber ob die Aenderungen 
in anderer Weise erfolgen, namentlich in Bezug auf die Depressionen, oder die Aus- 
bildung und das Verhalten der Theilminima u. dgl. Nach und nach würde man 
im Gebrauche eines solchen Atlanten sich eine solche Uebung in der Beurtheilung 
des Witterungsverlaufes verschaffen, dafs die Anwendung auf die Wettervorhersage, 
insbesondere aber auf das Sturmwarnungswesen mit Erfolg gemacht werden könnte. 
Die Wetterkarten der Seewarte kommen, wie bereits bemerkt, erst mit 
grofser Verspätung zu Händen der Interessenten, aulßser Hamburg überall 
frühestens am Morgen des der Ausgabe folgenden Tages, theilweise am zweiten 
Tage nach der Ausgabe. Es würde sich nun empfehlen, jede Wetterkarte mit 
einer Nummer zu versehen, welche mit der Nummer der analogen Karte im 
Wetteratlas (auch die Karten dieses Atlas müfsten numerirt sein) übereinstimmte; 
diese Nummer könnte nun spätestens um die Mittagszeit telegraphisch nach auswärts 
mitgetheilt werden, und so würde schon um diese Zeit die Wetterlage, wie sie vor 
wenigen Stunden statt hatte, allgemein bekannt sein, und Jeder wäre in der Lage, 
ein gegründetes Urtheil über den wahrscheinlichen Verlauf der jeweiligen Witterung 
abzugeben. Diese Einrichtung würde nicht allein praktisch von grofem Nutzen 
sein, sondern. auch eine erziehende Wirkung auf das große Publikum haben. 
Der Wetteratlas, wie ich ihn im Laufe der Zeit nach und nach in seinen 
Grundzügen zusammengestellt habe, würde zunächst etwa 500 bis 600 Karten 
(mit einer Reihe von Nebenkarten) enthalten und schon beim ersten Erscheinen 
ziemlich vollständig sein. Im Laufe der Zeit würden sich hier und dort Er- 
yänzungen oder Abänderungen als wünschenswerth erweisen, und diese könnten 
ja leicht nachgeliefert werden. 
Das sind die Vorschläge, deren Durchführung nach meiner vollen Ueber- 
zeugung geeignet ist, die Wirksamkeit der Wettervorhersage, insbesondere aber 
des Sturmwarnungswesens, in hohem Grade zu heben, und ich betone es mit 
allem Nachdruck, dafs bei zweckmäfsiger Durchführung derselben das 
Sturmwarnungswesen und die Wettervorhersage überhaupt in ein 
neues Stadium treten wird. 
Zur Entwickelungsgeschichte der Cyklonen in subtropischen Breiten. 
Nach Beobachtungen in Naha auf den Liukiu-Inseln. 
Vortrag, gehalten auf der Lübecker Naturforscher- Versammlung, September 1895, von E. KNIPPING. 
Die Frage nach der Entwickelung der Cyklonen, früher oft und lebhaft 
erörtert, ist in den letzten Jahren mehr in den Hintergrund getreten. Sie bietet 
aber neben dem grofsen theoretischen auch ein praktisches Interesse, da es für 
den Seemann, der hierbei zunächst in Frage kommt, durchaus nicht gleichgültig 
ist, wo die Cyklonen herkommen. 
Die Ansicht, dafs sich Cyklonen zunächst in der Höhe bilden, rührt 
ursprünglich wohl daher, daß man oft genug Wind- und Wasserhosen zuerst in 
der Höhe entstehen sieht. Es lag darum nahe, diese Beobachtung von Wind- 
hosen und ähnlichen Gebilden auf Cyklonen zu übertragen, obwohl man sich 
bei einiger Ueberlegung sagen mulste, dafs beide Arten von Erscheinungen trotz 
einiger Aehnlichkeit doch im Grunde genommen himmelweit voneinander ver- 
schieden sind. Hier haben wir eine dünne Scheibe oder Kalotte mit sehr 
großem Durchmesser, nicht unter 100 bis 200 Sm, dort einen Schlauch mit ganz 
kleinem Durchmesser, selten über !/10 Sm; die Scheibe liegt, der Schlauch steht 
auf der Erdoberfläche. Ein stufenweiser Uebergang zwischen den beiden Formen 
fehlt, und wenn man auch eine Windhose mit dem Hundertfachen des gewöhn- 
lichen Durchmessers beobachtete, wäre sie doch noch weit entfernt. von dem 
Mafse der kleinsten Cyklone. 
Zum ersten Male wurde meine Aufmerksamkeit auf die Entwickelung der 
Cyklonen gelenkt bei der Untersuchung des großen August-Taifuns in 1880. Er 
kam von den Liukiu-Inseln und zog dann die japanischen Inseln und die Kurilen 
entlang. Ich bemerkte schon damals, als mir noch keine weiteren Erfahrungen 
vorlagen: „Sämmtliche Beobachtungen (bei den Liukiu-Inseln) scheinen in diesem
	        
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