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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1895. 
Dentralstellen unter sich beziehungsweise zwischen den Centralanstalten und den 
Beobachtungsstationen herzustellen, um im Stande zu sein, sich jeder Zeit über 
lie auswärtigen Witterungsverhältnisse zu informiren. Zu diesem Zweck sollten 
Specialdrähte die Registrirungen der meteorologischen Elemente, insbesondere 
les Luftdruckes und des Windes, auf die Centralanstalten ununterbrochen über- 
:ıragen. Eine solche ständige Registrirung wurde thatsächlich in den Nieder- 
landen und Belgien sowie zwischen Brüssel und Paris hergestellt, und so die 
urchführbarkeit dieser Idee aufser Frage gestellt. Durch eine solche Einrichtung 
wäre man im Stande, in jedem beliebigen Augenblick sowohl bei Tag als auch 
bei Nacht die Witterungsänderungen und, worauf es bei Sturmwarnungen und 
Wettervorhersagen überhaupt besonders ankommt, die Aenderungstendenz des 
Wetters ununterbrochen zu verfolgen. 
Begnügen wir uns indessen mit einfacheren Mitteln, welche bereits ohne 
Weiteres benutzt werden können, so ist die Durchführung weniger schwierig. 
Eine nicht geringe Anzahl Telegraphenleitungen wird zeitweise z. B. in der Nacht 
and an einigen Tagesstunden nicht oder doch wenig benutzt, und solche könnten 
zu diesen Zeiten den Zwecken der Telemeteorographie dienen. Wäre man hierzu 
yeneigt, so würde es sich nur noch darum handeln, einfache, weniger kostspielige 
Registrirapparate zu konstruiren, was grofse Schwierigkeiten nicht bereiten dürfte. 
Aus dieser modificirten Einrichtung würde insbesondere das Sturmwarnungswesen 
einen nicht unerheblichen Vortheil schöpfen können. 
‚Der vorjährigen Versammlung des internationalen meteorologischen Komitees 
wurde die Einführung der Telemeteorologie vorgeschlagen mit dem KErsuchen, 
Jiesen Vorschlag sowie den des Circuit-Systems beim nächsten internationalen 
Telegraphen-Kongresse (1896) zur Sprache zu bringen. 
4. Wie ich schon eben zu bemerken Gelegenheit hatte, ‚kommt es nicht 
selten vor, dafs unvermuthete Störungen ganze Küstenstrecken überraschen, ohne 
dafs es möglich ist, diese vor der drohenden Gefahr noch rechtzeitig zu warnen. 
Dieser Mifsstand konnte durch Einführung des Nachmittags- und Abenddienstes 
neben dem Morgendienste nicht ganz gehoben werden, zumal die KEinsammlung 
and Verwerthung des am Morgen und Nachmittag einlaufenden Depeschenmaterials 
bei den jetzigen Einrichtungen erhebliche Verspätungen erleidet. 
Um nun die Küste vor solchen unvermutheten Ueberraschungen wenigstens 
zum grofsen Theile zu schützen, dürfte die folgende Einrichtung dienen. — Der 
Küstenhevölkerung ist .es von gröfster Wichtigkeit, zu wissen, wie die Wind- 
verhältnisse in der nächsten Umgebung beschaffen sind, um hiernach ihre Dis- 
positionen für ihre Unternehmungen zu treffen. Kine solche Information kann 
yanz einfach in der Weise bewerkstelligt werden, dafs ein Depeschenaustausch 
zwischen den einzelnen benachharten Signalstellen stattfindet, und zwar regel- 
mäfsig zu bestimmten Tagesstunden und bei besonderen Gelegenheiten, etwa bei 
stark auffrischenden Winden oder hei Eintritt steifer oder stürmischer Winde, bei 
Aenderung der Richtung und des Charakters der Winde u. dgl. Im letzteren 
Falle würden Flaggensignale am Platze sein. 
Dahin zielende Einrichtungen sind bereits au einigen deutschen Küsten- 
arten getroffen, so zu Neufahrwasser, Kolberg, Swinemünde, Cuxhaven, Weser-Leucht- 
*hurm, Bremen, Wilhelmshaven u. A., welche um 5 Uhr morgens Wettertelegramme 
von benachbarten Stationen erhalten, wobei zu Cuxhaven und Weser-Leuchtthurm 
'Nohe Weg) Richtung und Stärke des Windes durch Signale angezeigt werden. 
Diese Einrichtungen haben sich im grofsen Ganzen ganz gut bewährt, indessen 
würden dieselben durch Hinzufügen eines zweiten Wettertelegrammes am Nach- 
mittage event. noch eines dritten in den Abendstunden und durch gelegentliche 
Mittheilungen gefahrdrohender Windverhältnisse in ihrer Wirksamkeit sehr er- 
heblich gesteigert werden können. 
Welcher Art im Einzelnen ein solches System eingerichtet werden müfste, 
ergiebt sich aus den örtlichen Bedürfnissen von selbst; ein grofser Kostenaufwand 
oder eine erhebliche Mehrbelastung der Telegraphenämter würden bei der Kürze 
der Telegramme nicht hervorgerufen werden. 
Denken wir uns beispielsweise, Travemünde erhält von Fehmarn und 
Warnemünde täglich zwei Wetterdepeschen, eine am Morgen und eine in den Nach- 
mittagsstunden event. auch noch eine am Abend und aufserdem noch Extradepeschen, 
wenn die Witterungsverhältnisse einen drohenden Charakter annehmen, wobei Trave-
	        
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