accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

van Bebber: Das Sturmwarnungswesen an der deutschen Küste,

337

weniger belangreichen telegraphischen Verbindungen der Azoren und Bermuden
mit dem Festlande sind durchgeführt worden.
2. Wenn auch die europäische Wettertelegraphie im grofßsen Ganzen, trotz
der zeitweisen unvermeidlichen Rückschläge, immer mehr an Ausbreitung und
Popularität gewinnt und das Bedürfnifs des Publikums nach Wettervorhersagen
und insbesondere nach Sturmwarnungen sich immer mehr steigert, so ist doch
das allseitige Bestreben der Centralstellen, in kürzester Zeit nach den Beobachtungen
 im Vollbesitze des Depeschenmaterials zu sein, keineswegs erreicht
worden, wenn dieses auch ohne vermehrten Geldaufwand und ohne gröfsere
Belastung des Telegraphen verhältnilsmäfsig leicht zu erreichen ist. Eine solche
Beschleunigung der Depeschen wäre zu erzielen durch Einführung des Circuit-Systems,
 welches sich in den Vereinigten Staaten vollkommen bewährt hat. Zu
diesem Zweck müften die telegraphischen Leitungen der meteorologischen
Stationen und Centralanstalten kurz nach der Beobachtung direkt in Verbindung
gesetzt werden und die Abgabe der Telegramme in ununterbrochener im voraus
bestimmter Reihenfolge geschehen. Bei zweckmälfiger Einrichtung könnte man
schon in höchstens 1!/2 Stunden nach der Beobachtung im Vollbesitze des ganzen
wettertelegraphischen Materials aus Europa sein.
Während in den Vereinigten Staaten durch das Cireuit-System durchschnittlich
 schon 1 Stunde 16 Minuten nach der Beobachtung sämmtliche Telegramme
 in Washington und auszugsweise in allen gröfseren Städten des Landes,
wo Stationen des Signal-Office sich befinden, aufgenommen und registrirt sind
und 1 Stunde 40 Minuten nach der Beobachtung die ersten Berichte des Signal-Office
 ausgegeben werden, wobei gleichzeitig an den gröfseren Telegraphenstationen
 und in den gröfseren Städten Wetterkarten und tabellarische Uebersichten
der Witterung öffentlich ausgestellt werden, gelangen an der deutschen Seewarte
erst nach vier bis fünf Stunden nach der Beobachtung die Hafentelegramme
und Wetterberichte zur Versendung, und auch die auf dem wettertelegraphischen
Material begründeten Sturmwarnungen erleiden ebenfalls eine sehr erhebliche
Verspätung. ')
Bei Gelegenheit der vorjährigen Versammlung des internationalen meteorologischen
 Komites wurde dieser Vorschlag des Circuit-Systems wieder eingebracht,
und hoffen wir, daß dasselbe verwirklicht werde. Vorbedingung ist, dafs für die
Wettertelegraphie die Beobachtungen nach Ortszeit wegfallen und dafür Simultanzeit
 eingeführt wird. Bisher hat man sich allerdings in Deutschland nicht entschließen
 können, dieselbe Ortszeit für die Beobachtungstermine einzurichten,
Bemerkenswerth ist es, dafs in neuester Zeit das Reichs-Marine-Amt die
Beschleunigung und ausgiebigere Verwerthung der am Abend ausgegebenen
Sturmwarnungs - Depeschen in die Wege geleitet hat. Hierdurch wird die
Wirksamkeit des Abenddienstes an der Seewarte nicht unerheblich gefördert
werden.
Sehr wünschenswerth wäre es, wenn den Instituten neben allen Vortheilen
bei Benutzung des Telegraphen eigene Geldmittel zur Verfügung gestellt würden,
so dafs eine freiere Auswahl der Stationen und des Materials ermöglicht wäre.
Eine Einigung zwischen den einzelnen Instituten dürfte nicht schwierig sein.
3. Um ein gegründetes Urtheil über den wahrscheinlichen Witterunugsverlauf
 abgeben zu können, ist es vor Allem, insbesondere aber im Interesse des
Sturmwarnungswesens nothwendig, mit Sicherheit die Aenderungen und die
Aenderungstendenz des Wetters in letztverflossener Zeit zu kennen. Dieses ist
aber in einem Zeitintervall von 24 Stunden in vielen Fällen nicht möglich, und
daher wurden in den meisten Staaten der Nachmittagsdienst und nachher an
der deutschen Seewarte auch noch ein Abenddienst eingeführt, welch letzterer nur
den Interessen des Sturmwarnungswesens dient.
Indessen kommt es noch sehr häufig vor, dafs die Küste in der Zwischenzeit
 von Stürmen überrascht wird, welche von der Centralstelle nicht rechtzeitig
vorher signalisirt werden können. Sehr wirkungsvoll würde die von Buys-Ballot
 zuerst vorgeschlagene Einrichtung der „Telemeteorographie“ sein, welche
darauf hinzielt, eine ständige direkte telegraphische Verbindung zwischen den

1) Ein Bericht über den Wetterdienst an der Seewarte wird demnächst in dieser Zeitschrift
veröffentlicht werden.
Ann. d. Hydr. ete.. 1895. Heft IX.
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.