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Full text : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

334 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1895

nachher Peilungen, Abstandsbestimmungen und Höhenmessungen stattfinden. In
zweiter Linie haben selbstverständlich auch Aufnahmen von den Ankerplätzen
aus Werth für die Schiffahrt, damit endlich die häufig ganz veralteten Ansichten
aus den Seekarten und Hafenplänen verschwinden und durch bessere ersetzt werden.
Die fortschreitende Technik wendet hoffentlich dieser wichtigen Frage ihre
Aufmerksamkeit zu, auch dürfte ein uns gemachter Vorschlag Beachtung verdienen,
nach welchem unter den Gegenständen, die braven Seeleuten für Hülfeleistung
auf See als Geschenk überreicht zu werden pflegen, in geeigneten Fällen auch
Apparate für die Fernphotographie — Fernobjektive für Momentaufnahmen —
Verwendung finden sollten. Ch.

Das Sturmwarnungswesen an der deutschen Küste und Vorschläge
zur Verbesserung desselben.
Vortrag, gehalten in der Naturforscher- Versammlung zu Lübeck im September 1895
von Prof. Dr. W. J. VAN BEBBER.
In unseren Gegenden ist der Witterungsverlauf viel unregelmäfsiger und
verwickelter als in niederen Breiten, und nur nach sehr langen Erfahrungen,
verbunden mit unermüdlichen Forschungen, konnte es endlich gelingen, eine
gewissermafsen befriedigende Charakteristik der Witterungserscheinungen aufzustellen
 und so eine wissenschaftliche, entwickelungsfähige Grundlage für die
Wettervorhersage zu schaffen, sowohl im Interesse der Küstenbevölkerung als
auch der Landwirthschaft. Trotz‘ der vielen Bestrebungen, diese Grundlage zu
befestigen und zu verbreitern, harrt das Problem einer zuverlässigen Wetterprognose
 noch immerhin einer befriedigenden Lösung, und wir müssen uns mit
dem Gedanken vertraut machen, dafs wir uns mit wachsender Erfahrung und
unablässiger mühevoller Arbeit nur sehr langsam dem lang und heifs ersehnten
Ziele einer sicheren Vorherbestimmung des Wetters nähern können. Alle
Versuche, welche bisher gemacht wurden, die der ernsten Forschung nur
langsam weichenden Schranken unserer Kenntnisse im Fluge zu überspringen,
waren durchaus vergeblich, und das plumpe Herabfallen trug theils zur Erheiterung
des Publikums bei, theils aber auch hat es dem Fortschritt der Wissenschaft
erheblich geschadet. Aber immerhin sind die in den letzten Decennien erzielten
Errungenschaften gegenüber dem vorhergehenden schleppenden Gang der
Wissenschaft und der eminenien Bedeutung der Wettervorhersage sehr hoch anzuschlagen.
 Denn das meteorologische Arbeitsfeld, welches seit dem grauesten
Alterthum von Unkraut ganz überwuchert war, ist zum gröfsten Theil von demselben
gesäubert, und nur hier und dort treibt manchmal noch der alte Aberglaube seine
wunderlichen Auswüchse, die aber meist nur noch beim ungebildeten Publikum
einige Beachtung finden; dann aber sind die scheinbar verworrenen atmosphärischen
Vorgänge in ein übersichtliches System eingeordnet worden, so dafs Gruppen
typischer Witterungserscheinungen aufgestellt werden konnten, auf deren Grundlage
 man eine entwickelungsfähige Wettervorhersage aufzubauen vermochte.
In allen Ländern, in welchen Wettertelegraphie, verbunden mit Wetterprognosen,
 staatlich eingerichtet wurde, sei es zum Zwecke der Sturmwarnungen,
sei es zum Nutzen der Landwirthschaft, hat man die Erfahrung gemacht, daß zuerst
eine fast allgemeine Begeisterung für diese Einrichtungen herrschte, dal aber diese
nach und nach im Allgemeinen einer Enttäuschung Platz machte und dafs die Wettervorhersagen
 theils übertrieben günstig und theils ebenso übertrieben ungünstig vom
Publikum beurtheilt werden; nur selten liegen die Urtheile in der Mitte und sind den
thatsächlichen Verhältnissen entsprechend. Diese Thatsache ist keineswegs auffallend,
 da es mit außerordentlichen, ja fast unüberwindlichen Schwierigkeiten verknüpft
 ist, eine klare Uebersicht über die Erfolge der Wettervorhersage in den
einzelnen Staaten zu gewinnen. Zwar werden fast überall die Zahlenwerthe der
Trefferprocente veröffentlicht, allein die Methode der Prüfung, die dabei angenommenen
 Gesichtspunkte sind so verschieden, ‘die Willkür hat oft einen so
grofsen Spielraum, dafs die Vergleichbarkeit dabei völlig fehlt. Eine ganze Reihe
            
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