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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1895.
In oben geschilderter Weise festgemacht, hat man während der jetzigen
Jahreszeit (Ende Juni) den Wind ziemlich querein aus nordöstlicher Richtung,
während nachts der Wind von innen in der Richtung des Hafens weht. Die
Molen sind sehr niedrig über Wasser, werden daher im Nordwestmonsun häufig
überspült, doch soll die Kraft der See gebrochen sein.
3. Wind, Wetter und Strom. Nach Angabe des Lootsen soll immer
etwas Strom von innen (aus den Kanälen heraus) setzen und der Unterschied
zwischen Hoch- und Niedrigwasser gewöhnlich nur ca 2 Fuß (0,6 m) betragen,
Die Befürchtung schlechter Dünste oder übler Gerüche bei Niedrigwasser ist
daher im äußeren Hafen nicht begründet. Die leichte Briese wehte tags aus
nordöstlicher, nachts aus südlicher Richtung. Es sollen manchmal schwere Böen
einfallen, so dafs aus diesem Grunde das Fallenlassen eines Ankers schon beim
Einlaufen in den Hafen von Nutzen sein kann.
Zur Zeit meines Aufenthaltes lagen die Verhältnisse insofern günstig, als
es noch bis drei Tage vor meiner Ankunft heftig geregnet hatte, während es oft
schon von Mitte Mai an bis zum August hin nicht regnen soll. In dieser trockenen
Zeit tritt das Fieber heftiger auf, und ist dann die Rhede vorzuziehen; jedoch
ankert man besser auf der Rhede von Tandjong Priok, trotz der Unbequemlichkeiten,
welche die weitere Entfernung von Batavia mit sich bringt, um den besseren
Landungsplatz in Tandjong Priok benutzen zu können.
Von Auckland nach Akaroa und Lyttelton.
Ans dem Reisebericht S. M. S. „Bussard“, Kommandant Korv.-Kapt. SCHEDER.
Während der Dauer der Reise von Auckland nach Akaroa waren südliche
Winde (SO bis SSW) in verschiedenen Stärken bis zu 6 vorherrschend. Nach
Passiren des East Cape am Morgen des 13. Februar 1895 machte sich bis zum
Ankern eine ziemlich heftige Dünung aus süd- bis südsüdöstlicher Richtung
bemerkbar.
Besondere Stromversetzungen konnten nicht festgestellt werden.
Die hohen Schneeberge des Küstengebirges an der Nordostecke der
mittleren Insel wurden auf ca 40 Sm Entfernung deutlich gesichtet, und ergab
die Peilung der höchsten Spitzen derselben eine dem observirten Besteck ent-
sprechende und somit benutzbare Ortsbestimmung.
Die Ansteuerung der Akaroa-Bai war infolge der guten Befeuerung der
Banks-Halbinsel leicht und mühelos.
Ueber die Akaroa-Bai ist Nachstehendes zu erwähnen:
Während des vierzehntägigen Aufenthaltes trieb S. M. S. „Bussard“ vor
einem 1750 kg schweren Inglefield-Anker liegend, mit 50 und 65 m Kette auf
11m Tiefe zweimal um ca 300 m während stofsweiser Böen in Stärke 6 bis 7.
Eine Erprobung des Grundes ergab, dafs sich eine Stange mit leichter
Mühe 1,8 bis 1,9 m (auf 10m Tiefe) in den sehr weich scheinenden Mud ein-
treiben ließ, dann aber auf harten Grund stieß. Geschlossen wurde aus dem
Versuche, dafs der Grund zwar Mud, aber von sehr weicher Beschaffenheit ist
and dem Anker keinen besonderen Haltegrund gewährt. Die gleiche Erfahrung
ist — nach dem „New Zealand Pilot“, 1891, Seite 289 — in früheren Jahren
im Aufsenhafen von Lyttelton gemacht worden. Als sicher kann der Ankergrund
daher nicht bezeichnet werden.
Die Angabe der Segelanweisung, dafs ein Ueberflufs an Trinkwasser vor-
handen sei, trifft nicht mehr zu, da durch Abholzung der umliegenden Berge
Wassermangel eingetreten ist. S. M. S. „Bussard‘“ konnte täglich nicht mehr
wie eine Tonne erhalten.
In Bezug auf Witterungsverhältnisse ist zu erwähnen, dafs während des
Aufenthaltes des Kreuzers im Februar 1895 am Nachmittage häufig ein mit Um-
springen des Windes nach Süd verbundenes Aufbriesen desselben bemerkt wurde,
welches das bisher glatte Wasser mit Schaumköpfen bedeckte,
Die Angaben der englischen Karte der Bucht erwiesen sich als durchaus
zuverlässig und richtig,