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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

v. Bezold: Ueber Gewitterbildung und labiles Gleichgewicht der Atmosphäre. 3921 
bloß Folgen jenes aufsteigenden Stromes sind, wie er den Cyklonen überhaupt 
eigen ist, dies kann nur durch ganz besondere Untersuchung ermittelt werden. 
Jedenfalls werden solche Gewitter Wirbelgewitter im strengsten Sinne des 
Wortes sein. Sie müssen sich an jenen Stellen der Cyklonen entwickeln, an 
welchen der aufsteigende Strom am stärksten ist, also in der Umgebung des 
Centrums, jedoch nicht im Centrum selbst, da dort die Centrifugalkräfte dem 
starken Aufsteigen hinderlich entgegentreten. Hierbei ist es jedoch selbstver- 
ständlich, daß Abkühlung der oberen Schichten sowie verzögerte Aenderungen 
des Aggregatzustandes noch unterstützend und verstärkend mitwirken können. 
Leider ist das bisher gesammelte Beobachtungsmaterial nicht hinreichend, 
um die eben entwickelten Anschauungen an der Hand der Thatsachen gründlich 
zu prüfen. Auf dem Festlande hat man zwar schon seit geraumer Zeit dem 
Studium der Gewitter die genügende Aufmerksamkeit geschenkt, aber nicht in 
gleichem Mafse zur See. Insbesondere scheint es wichtig, die jährliche 
und tägliche Periode der Gewitter für die verschiedenen Meere 
genauer festzustellen, als bisher geschehen ist. Desgleichen ist es 
wünschenswerth, daß auch bei den Beobachtungen auf dem Festlande diese 
Perioden nach dem Vorgange von Mohn und H. Hildebrandt - Hilde- 
brandsson für die Küstengegenden und für das Binnenland getrennt ermittelt 
werden. Hierbei sind die Küsten mit vorwiegenden Seewinden und jene mit 
überwiegenden Landwinden gesondert aufzuführen, also in unseren Breiten die 
Ost- und Westküsten. Vor Allem ist es wichtig, Schiffsbeobachtungen 
über Gewitter zu sammeln und aus diesen die Tagesperiode für die 
einzelnen Meere abzuleiten. Bei KErmittelung der täglichen Periode 
scheint es zweckmälsig, die Zeit des ersten Donners zu Grunde zu legen, 
da diese Erscheinung erfahrungsgemäfs die meiste Aufmerksamkeit erregt. 
Die Bestimmung des Zeitpunktes der gröfsten Intensität des Gewitters oder der 
„fase massima“ der Italiener hängt zu sehr von subjektiven Momenten ab, die 
Zählung nach Gewitterstunden aber stellt zu hohe Anforderungen an den Beob- 
achter, da man vom ersten Donner bis zum Verhallen des letzten ununterbrochen 
ihätig sein muß, wenn richtige Ergebnisse erzielt werden sollen. Ich gebe 
gerne zu, dafs man gegen eine solche Bevorzugung des Zeitpunktes des ersten 
Donners theoretische Einwände erheben kann; die rein praktischen Ueberlegungen, 
die man zu Gunsten dieser Zählweise anführen kann, sind jedoch zu gewichtig, 
als dafs man sich durch solche Bedenken sollte irre machen lassen. Ob und 
inwiefern es möglich sein wird, für die Gewitter über dem Meere Isobronten 
zu ziehen, wenn auch nur in unvollkommener Weise, dies entzieht sich meiner 
Beurtheilung. Wohl aber dürfte es möglich sein, festzustellen, in welcher 
Beziehung die Gewitter zur See zu den Cyklonen stehen, ab sie ausschliefslich 
als Begleiter von solchen auftreten oder auch mehr oder weniger unabhängig 
davon. Ganz besonderes Interesse würden in dieser Hinsicht auch Barogramme 
bieten, wie sie mit Hülfe der Richard’schen Barographen auch zur See leicht 
zu gewinnen sind. Aus ihnen würde man am besten ersehen, ob bei Gewittern 
über den Meeren ebenfalls jenes plötzliche Ansteigen des Luftdruckes vorkommt, 
wie es sich bei den Wärmegewittern des Festlandes in den sogenannten Gewitter- 
nasen und Druckstufen zu erkennen giebt, oder ob sie nur jenes allmähliche 
Sinken und Wiederansteigen des Luftdruckes zeigen, wie man es nach dem 
Vorüberziehen einer Depression zu finden pflegt. 
Regenfall an der Astrolabe-Bai und in Herbertshöhe.‘) 
Seit Anfang 1893 hat an den Stationen der Neu-Guinea-Kompagnie sowie 
der Astrolabe-Kompagnie eine Umgestaltung der klimatologischen Beobachtungen 
dahin stattgefunden, dafs die in streng wissenschaftlichem Sinne aus mancherlei 
Gründen nicht durchführbaren Beobachtungen über Luftdruck, Lufttemperatur etc. 
1) Aus den „Nachrichten über Kaiser Wilhelms-Land und den Bismarck-Archipel“, 1894, 
herausgegeben von der Neu-Gminea-Kompagnie in Berlin. 
Ann. d. Hydär. etec,, 1895, Heft YII.
	        
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