Ueber den Khamsin im Golf von Tadjura.
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1893 15. bis 20. Juni 28. bis 26. Juni 29. Juni bis 8. Juli 15. bis 19. Juli 5. bis 20. August
DL rn, vn nm, vn ——, N, A Sage,
8a—8p 8p—8 8a 8a—8p 8p—8a 83—8p 8p—88 8a—8p 8p—88 8a—8p 8p—8a
Obok 35,1 33,9 37,8 35,8 36,8 34,4 35,2 35,4 33,8 32,0
Djibuti 33,8 32,6 34,7 33,0 34,5 32,7 34,4 32,8 33,2 31,4
Durchschnittlich ist also Djibuti 1 bis.3° kühler; an Khamsintagen steigt
der Unterschied auf 3 bis 4°,
Soweit Herr Cotigny. Das stoßweise Wehen, der plötzliche Eintritt und
die Richtung dieses heilsen Windes vom Gebirge her macht es wahrscheinlich,
daß wir im Khamsin zu Obok einen lokalen Föhn zu sehen haben. Seine aufser-
ordentliche Trockenheit stimmt zu. dieser Annahme, wenn auch die Nähe von
Wüsten bier die Trockenheit weniger auffallend macht als in der Schweiz. Leider
ist mir über die Umgebung und das Hinterland von Obok nicht genug bekannt, um
die Entstehung eines solchen Fallwindes genauer erörtern zu können. Südwestlich
von Obok bis Ras Duan tritt das dicht bewaldete Gebirge dicht an die Küste
heran, nordöstlich davon liegt dagegen ein flaches Vorland zwischen ihm und
dem Meere. Diese Berge können indessen, der Vertonung auf der Br. Adm.-
Karte No. 253 nach zu urtheilen, kaum über 300 bis 400 m hoch sein; die Luft
im Khamsin kann also nicht von ihrem Kamme, sondern muß aus gröfserer Höhe
stammen.
Eine ähnliche plötzliche Temperatursteigerung, wie sie uns diese Diagramme
vorführen, finden wir in Baron Nolde’s Reise nach Innerarabien aus der Wüste
Nefud, auf dem Wege zwischen Djof und Hail, erwähnt; nur sank in diesem Falle
die Temperatur fünf Stunden später mindestens ebenso plötzlich herab, während
in den von Obok mitgetheilten Beispielen die Abnahme eine viel allmählichere
war. Die interessante Mittheilung („Globus“, 1895, Bd. LXVII, S. 169) lautet:
„1. Februar (1593), Das Thermometer zeigt um 12 Uhr mittags + 5,5°, steigt
darauf bei sehr kaltem Winde nur sehr langsam; um 2 Uhr nachmittags + 6°,
um 4 Uhr + 7,5° — nun rennt aber das Quecksilber auf einmal rasch herauf,
und zwar bis auf 25,5° C 1 um 7 Uhr abends (kurz vor Sonnenuntergang), worauf
es dann, aber noch plötzlicher, und zwar innerhalb der ersten 15 Minuten,
nachdem die Sonne verschwunden, um 33° C herunterstürzt, d. h. bis auf — 8°,
aus denen gegen Morgen — 11° werden.“
Daß es sich bei diesem ungeheuren Temperatursturze um eine ungewöhn-
liche Erscheinung handelte, beweist der. Umstand, dafs am folgenden Tage ein
großer Schneefall die Wüste mit einer mehrzölligen Schneeschicht bedeckte, ein
Ereignifs, das nach Aussagen der Beduinen zum letzten Male vor etwa 50 Jahren
vorgekommen sein soll. Die Kälte erreichte indessen Nacht für Nacht solche für
eine Breite von 27!/2 bis 30° Nord überraschenden Grade, „Die Tage waren bis-
weilen recht warm und angenehm, bei Nacht aber fror es regelmäßig 5 bis 10° C,
und ich habe niemals, weder in Mexico noch im Himalaya, im Kaukasus noch
in Hocharmenien, so arge und plötzliche Thermometerstürze beobachtet.“ Die
Seehöhe der Sandwüste Nefud fand Baron Nolde zwischen 800 und 1000 m
schwankend. Die Höhe der Sandwellen beträgt 30 bis 100 m.
W. Köppen.
Russische Untersuchungen im Marmara-Meer auf dem türkischen
Dampfer „Selanik“ im Jahre 1894.
Von J. SPINDLER. 9)
Die Untersuchungen der Tiefsee-Expeditionen im Schwarzen Meere 1890
and 1891 haben die Infektion seines Tiefenwassers mit Schwefelwasserstoff und
die vollständige Abwesenheit alles Lebens unterhalb der Tiefe von 100 Faden
nachgewiesen (vgl. diese Annalen 1892, Seite 306). Andererseits hat eine Reihe
von Expeditionen im Mittelmeer gezeigt, dafs die Tiefen dieses Meeres bis zum
1) Uebersetzt aus dem russischen „Meteorologischen Boten“, 1894, Dezemberheft.,
Ann. d. Hydr. ete.. 1895. Heft YIIL