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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

Ueber den Khamsin im Golf von Tadjura. 
313 
1893 15. bis 20. Juni 28. bis 26. Juni 29. Juni bis 8. Juli 15. bis 19. Juli 5. bis 20. August 
DL rn, vn nm, vn ——, N, A Sage, 
8a—8p 8p—8 8a 8a—8p 8p—8a 83—8p 8p—88 8a—8p 8p—88 8a—8p 8p—8a 
Obok 35,1 33,9 37,8 35,8 36,8 34,4 35,2 35,4 33,8 32,0 
Djibuti 33,8 32,6 34,7 33,0 34,5 32,7 34,4 32,8 33,2 31,4 
Durchschnittlich ist also Djibuti 1 bis.3° kühler; an Khamsintagen steigt 
der Unterschied auf 3 bis 4°, 
Soweit Herr Cotigny. Das stoßweise Wehen, der plötzliche Eintritt und 
die Richtung dieses heilsen Windes vom Gebirge her macht es wahrscheinlich, 
daß wir im Khamsin zu Obok einen lokalen Föhn zu sehen haben. Seine aufser- 
ordentliche Trockenheit stimmt zu. dieser Annahme, wenn auch die Nähe von 
Wüsten bier die Trockenheit weniger auffallend macht als in der Schweiz. Leider 
ist mir über die Umgebung und das Hinterland von Obok nicht genug bekannt, um 
die Entstehung eines solchen Fallwindes genauer erörtern zu können. Südwestlich 
von Obok bis Ras Duan tritt das dicht bewaldete Gebirge dicht an die Küste 
heran, nordöstlich davon liegt dagegen ein flaches Vorland zwischen ihm und 
dem Meere. Diese Berge können indessen, der Vertonung auf der Br. Adm.- 
Karte No. 253 nach zu urtheilen, kaum über 300 bis 400 m hoch sein; die Luft 
im Khamsin kann also nicht von ihrem Kamme, sondern muß aus gröfserer Höhe 
stammen. 
Eine ähnliche plötzliche Temperatursteigerung, wie sie uns diese Diagramme 
vorführen, finden wir in Baron Nolde’s Reise nach Innerarabien aus der Wüste 
Nefud, auf dem Wege zwischen Djof und Hail, erwähnt; nur sank in diesem Falle 
die Temperatur fünf Stunden später mindestens ebenso plötzlich herab, während 
in den von Obok mitgetheilten Beispielen die Abnahme eine viel allmählichere 
war. Die interessante Mittheilung („Globus“, 1895, Bd. LXVII, S. 169) lautet: 
„1. Februar (1593), Das Thermometer zeigt um 12 Uhr mittags + 5,5°, steigt 
darauf bei sehr kaltem Winde nur sehr langsam; um 2 Uhr nachmittags + 6°, 
um 4 Uhr + 7,5° — nun rennt aber das Quecksilber auf einmal rasch herauf, 
und zwar bis auf 25,5° C 1 um 7 Uhr abends (kurz vor Sonnenuntergang), worauf 
es dann, aber noch plötzlicher, und zwar innerhalb der ersten 15 Minuten, 
nachdem die Sonne verschwunden, um 33° C herunterstürzt, d. h. bis auf — 8°, 
aus denen gegen Morgen — 11° werden.“ 
Daß es sich bei diesem ungeheuren Temperatursturze um eine ungewöhn- 
liche Erscheinung handelte, beweist der. Umstand, dafs am folgenden Tage ein 
großer Schneefall die Wüste mit einer mehrzölligen Schneeschicht bedeckte, ein 
Ereignifs, das nach Aussagen der Beduinen zum letzten Male vor etwa 50 Jahren 
vorgekommen sein soll. Die Kälte erreichte indessen Nacht für Nacht solche für 
eine Breite von 27!/2 bis 30° Nord überraschenden Grade, „Die Tage waren bis- 
weilen recht warm und angenehm, bei Nacht aber fror es regelmäßig 5 bis 10° C, 
und ich habe niemals, weder in Mexico noch im Himalaya, im Kaukasus noch 
in Hocharmenien, so arge und plötzliche Thermometerstürze beobachtet.“ Die 
Seehöhe der Sandwüste Nefud fand Baron Nolde zwischen 800 und 1000 m 
schwankend. Die Höhe der Sandwellen beträgt 30 bis 100 m. 
W. Köppen. 
Russische Untersuchungen im Marmara-Meer auf dem türkischen 
Dampfer „Selanik“ im Jahre 1894. 
Von J. SPINDLER. 9) 
Die Untersuchungen der Tiefsee-Expeditionen im Schwarzen Meere 1890 
and 1891 haben die Infektion seines Tiefenwassers mit Schwefelwasserstoff und 
die vollständige Abwesenheit alles Lebens unterhalb der Tiefe von 100 Faden 
nachgewiesen (vgl. diese Annalen 1892, Seite 306). Andererseits hat eine Reihe 
von Expeditionen im Mittelmeer gezeigt, dafs die Tiefen dieses Meeres bis zum 
1) Uebersetzt aus dem russischen „Meteorologischen Boten“, 1894, Dezemberheft., 
Ann. d. Hydr. ete.. 1895. Heft YIIL
	        
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