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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1895. 
Der jetzige Ausrüstungsdirektor der Fischerei, früherer Schiffskapitän, 
äufsert sich wie folgt: 
Stets habe ich beobachtet, dafs bei Süd-—Südwestwinden die Strömungen 
längs der französischen Küste nach Norden setzen, mit Nordost- bis Nordwest- 
winden dagegen drehen sie sich, setzen nach Süden und folgen später der 
spanischen Küste nach Westen, um so schneller, je stärker und andauernder der 
Wind ist. Aus diesen Aeufserungen geht hervor, dafs die Praktiker an unseren 
Küsten die Strömungen im Golf von Biscaya für durchaus abhängig von den 
herrschenden Winden halten. 
Um neue Daten zu sammeln, entschlofs man sich, die oben hezeichneten 
Flaschenposten paarweise nach bestimmtem Plan während mehrerer Monate aus- 
zusetzen. Die Versuche begannen am 26. Mai 1893 und wurden wöchentlich 
für die Dauer der Saison wiederholt. Bis zum 31. Juli waren von der Fischerei 25, 
von der Messagerie maritime 15 Flaschen über Bord gesetzt, von denen 21 an 
der Küste durch Zollbeamte und Küstenwächter geborgen wurden. Die gewonnenen 
Daten wurden in einer Karte niedergelegt und mit den Aufzeichnungen über die 
Windverhältnisse und Gezeiten in Verbindung gebracht. 
Die Fortbewegungsrichtung der von den Dampfern auf hoher See 
geworfenen Flaschen war im Durchschnitt Ostsüdost, diejenige der von den 
Fischern näher der Küste über Bord gesetzten Südsüdost. 
Im nördlichen Theile des Gebietes war der Wind vom 20. Mai bis 20. Juni 
nordöstlich, dagegen vom 20. Juni bis 31. Juli nordwestlich, im südlichen Theile 
bei Biarritz durchschnittlich westlich. 
Aus den Erfahrungen im Juni und Juli ergeben sich folgende Resultate: 
1. Schwimmende Körper treiben im Golf von Biscaya nach der Küste 
les Landes. 
2. Die Geschwindigkeit des Transports verringert sich in der Nähe 
der Küste. | 
3. Die Richtung verändert sich bis auf Süd in geringer Entfernung von 
der Küste. 
4. Die Daten der Landung stimmen mit denen der Springfluthen überein. 
Zum Schlufs möge aus allen Erfahrungen, welche vorstehend besprochen, 
nochmals betont werden, dafs sämmtliche Flaschen und sonstige schwimmenden 
Körper, welche in den Golf eindrangen, südlich von ihrem Abgangspunkte 
antrieben, wodurch die bisherige Theorie über die sogenannte Rennell-Strömung 
vollständig beseitigt wird. 
Unter dem Titel: „Les courants et les vents sur la cöte des Landes 
de Gascogne“ hat Herr M. Hautreux in den „Comptes Rendus“ der Akademie 
No. 1 (2. Juli) 1894 über die Fortsetzung der Versuche mit Flaschenposten 
namentlich auch während des Winterhalbjahres und über die daraus gewonnenen 
Resultate, wie folgt, berichtet: 
Seit einigen Jahren wird die Rennell-Strömung diskutirt; ihre Existenz 
wird in Zweifel gezogen; neue Untersuchungen sind angestellt während eines 
ganzen Jahres vom 1. Juni 1893 bis 31. Mai 1894 mittels schwimmender Flaschen, 
welche durch die Fischdampfer von Arcachon auf eine mittlere Entfernung von 
20 Sm von der Küste, durch Dampfer der „Messageries maritimes“ auf hoher See 
auf 150 bis 200 Sm Entfernung ausgesetzt waren. 
Um das Rollen der Flaschen an der Oberfläche des Wassers zu vermeiden, 
wurden je zwei Flaschen durch ein 3 m langes dünnes Tau miteinander ver- 
bunden. Die eine derselben, zu %4 mit Wasser gefüllt, dient als Ballast und 
bewirkt, daß die andere in der Vertikale schwimmt. Vereinigt gehorchen sie 
den Bewegungen des benachbarten Oberflächenwassers bis zur Tiefe von 3m. 
Diese Anordnung zeigt eine grofse Widerstandsfähigkeit; man hat Flaschen nach 
siebenmonatlicher Eintauchung wiedergefunden. 
Tabelle der Flaschenposten. Für jeden Monat ist die Zahl der Aus- 
würfe und Ankünfte angegeben: 
3893 1894 
Mai Juni Juli Aug. Sept. Okt. Nov. Dez. Jan. Febr, März April Mai Total 
Auswürfe nahe 
der Küste... 7 19 9 18 28 122 8 14 3 8 17 2 16 1861 
Ankünfte ....— 14 17T 1 6 4 2 3 4 5 13 1 3 64 
3741
	        
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