Die Strömungen in der Bucht von Biscaya,
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Bewegungen der Oberflächenströmungen aufserhalb des Golfs schärfer begrenzt
sind und nach innen an Geschwindigkeit und Richtung abnehmen und wechseln
und schliefslich, dafs zwischen Kap Ortegal und Ouessant eine Zone von mehr
als 100 Sm Breite zu existiren scheint, in welcher die Gewässer sich vermengen,
indem sie Wirbel bilden.
2, Eine Karte der wahrscheinlichen Richtung und Stärke der Strömungen
für das Sommerhalbjahr April bis September vom Schiffs-Lieut. G. Simart 1889.
Die Karte ist nach Schiffsbeobachtungen zusammengestellt, weiche vom
französischen Marine-Ministerium gesammelt waren.
Im Innern des Golfs von Biscaya sind sechs Pfeile nach Süd gerichtet,
ein solcher vor der Loire nach Südost, derjenige vor Arcachon zeigt nach SSW
und diejenigen in Front der spanischen Küste nach Süd.‘ Auf hoher See, gegenüber
den spanischen Küsten, ist nicht das geringste Anzeichen für westlich oder östlich
gerichtete Strömungen vorhanden. Die verzeichneten Geschwindigkeiten sind
gering. Diese Daten ergeben an der französischen Küste eine mittlere Bewegung
nach Südost und Süd, also genau das Gegentheil der sogenannten Rennell-
Strömung. -
Die Karte zeigt ferner nördlich von Ortegal bis 45° Breite geringere
Geschwindigkeiten für die Strömungen wie in der Umgebung. Das deutet auf
Störungen, welche schon durch Wrack-Beobachtungen angedeutet sind,
3. Die vom Fürsten von Mönaco 1892 veröffentlichte Strömungskarte,
welche nach in den Jahren 1885 bis 1888 namentlich während des Sommers 1886
von der Yacht „Hirondelle“ ausgesetzten Flaschenposten und Fässern (auf
20° Länge und 42° bis 50° Breite) zusammengestellt ist. Von 500 Flaschen
wurden 40 wieder gefunden, und zwar 3 zwischen Brest und Cherbourg,
22 zwischen Gironde und Bidassoa, 7 an der spanischen und 7 an der portu-
giesischen Küste. Ueberraschend ist die konvergirende Richtung der Routen.
Mit östlichen, ostsüdöstlichen und südöstlichen Kursen sind die auf den Breiten
zwischen Vigo und Lizard ausgesetzten Objekte vorzugsweise im Innern des Golfs
zwischen Bilbao und der Gironde angetrieben, während die Küsten der Vendee
und Bretagne — und das ist charakteristisch — fast ausgeschlossen waren.
Diese Daten verneinen durchaus wenigstens für den Sommer das Vor-
handensein einer Strömung, wie die Rennell-Strömung, welche sich an den Küsten
les Landes entlang nach Norden bewegen sollte. .
4 Resultate der Flaschenposten, welche im Juni und Juli 1893 in der
Umgebung von Arcachon ausgesetzt wurden. Es wurden in jedem Falle zwei
geschlossene Flaschen benutzt, welche durch Leine oder Draht von 3 bis 3'/2 m
Länge verbunden waren. Die eine Flasche wird 2% mit Wasser gefüllt und dient
als Ballast, unbeeinflußt durch die Wirkung des Windes, während die obere
vertikal mit dem Boden nach‘ oben schwimmt und den Winden wenig Fläche
bietet. In dieser Weise kommt nur die Strömung zur Geltung. Beim Aufstofsen
der unteren Flasche auf Grund zur Zeit des Hochwassers wird das ganze System
festgehalten und kann dann bei Ebbe von den Küstenbewohnern geborgen werden.
An der Küste les Landes, an welcher, wie wir gesehen, schwimmende
Körper vorzugsweise antreiben, beträgt der Fluthwechsel 3,50 m.
Die Ausführung der Versuche wurde mit grofser Bereitwilligkeit von den
Fahrzeugen der Hochseefischerei zu Arcachon, welche sich zwischen der Gironde
und Kap Breton auf 10 bis 30 Sm von der Küste aufhalten, und von den Brasil-
Dampfern der „Messageries maritimes“ übernommen. Letztere hatten die Auf-
gabe, zwischen der Gironde und Kap Finisterre in Abständen von je 50 Sm
Flaschen auszusetzen. ;
Vor der Ausführung erschien es erwünscht, Fachleute von Arcachon und
Biarritz über die Küstenströmungen zu hören.
Der Direktor der Fischerei zu Biarritz äufserte sich: Früher pflegten
viele kleine Küstenfahrzeuge Bayonne aufzusuchen. Wenn dieselben auf den
Strand aufliefen, wurde das Heck durch den Strom nach Süden herumgeworfen,
Ein früherer Kapitän von der Fischerei zu Arcachon sagt:
Dieser Strom ist nicht regelmäßig ....; er mufßs durch den Wind hervor-
gerufen sein ,.. .; bei Nordwinden setzt er nach Süd, bei Südwinden nach Nord.
Bisweilen bei ablandigen Winden aus Ost existirt er überhaupt nicht.... Im
Winter ist er stärker als im Sommer.