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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

290 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1895. 
iypen. Eine starke Entwickelung des Hochäruckgebietes nördlich vom Polarkreis, 
wie sie besonders im Frühjahr oft vorkommt, liefert die Klasse N. Ist der Luft- 
druck über Westeuropa und im höheren Norden unter 765 mm, dagegen in der 
Gegend der Azoren sowohl als in Russland über dieser Schwelle, so bezeichnen 
wir seine Lage als peripherisch und erhalten die Klasse P, welche besonders 
für den Spätherbst charakteristisch ist. HEndlich, wenn umgekehrt der Luft- 
druck an den Küsten von Westeuropa höher ist als in der Umgebung, so haben 
wir die litorale Klasse L, welche sich gleichförmiger über die Jahres- 
zeiten vertheilt. 
Die einzelnen Typen dieser Klassen, in deren Bezeichnung mit Buchstaben 
ihre Beziehungen zu den anderen Klassen ausgedrückt sind, finden sich auf den 
Ihnen vorgelegten Karten durch die mittleren Lagen der Isobare 765 gekenn- 
zeichnet. Zum besseren Verständnisse greifen wir einen Typus als Beispiel heraus, 
und zwar wählen wir dazu den Typus Pp. 
Das Unterscheidende dieses Typus ist hoher Druck am Kaspischen 
Meere und bei Madeira sowie relativ hoher auch in der nördlichen Sahara und 
niedriger Druck nicht allein in ganz Westeuropa, sondern auch bei Griechenland 
and Italien. 
Auf der grofsen Karte, von der einleitend gesprochen wurde,') sind sämmt- 
liche barometrische Minima, die sich beim Typus Pp in den Jahren 1884 bis 1887 
zeigten, nach Ort, Tiefe und Bewegungsrichtung, die sie jeweils um 8 Uhr morgens 
hatten, eingetragen. Daraus ist zu sehen, dafs die Meere zwischen Island, Irland, 
Kurland und Spitzbergen bei dieser Wetterlage die Tummelplätze zahlreicher 
yarometrischer Minima sind, deren tiefste sich in der Mitte dieser Gegenden 
zwischen Nordirland und dem Nordkap zeigen. Süddeutschland und Frankreich 
sind von Depressionscentren frei, dagegen häufen sich dieselben weiter im SO 
bei Italien und Griechenland. Aber hier, wie auch schon am Rande des eben 
arwähnten Tummelfeldes, haben wir es, wie die Karte zeigt, mit Depressionen 
von geringer Tiefe und meist einseitiger Ausbildung, sogenannte Theilminima, 
zu thun, wie die vielen nach Nord offenen Kreise beweisen, 
Ein Wall hohen Luftdruckes umsäumt gemeinsam beide Gebiete an ihrer 
Süd- und Ostseite. Mehr als bei allen anderen Isobarentypen gewinnt man bei 
diesem Typus Pp den Eindruck, dafs man es mit einer dynamisch durch centri- 
fugale Abfuhr von den Cyklonencentren gebildeten Anhäufung von Luft zu 
thun habe. 
In der That sind aber auch bei keinem Typus so gewaltige Wirbelcentren 
zur Beobachtung gekommen, wie bei diesem. Insbesondere gehören die beiden 
jiefsten barometrischen Minima, welche innerhalb der Zeit, von welcher Beob- 
achtungen vorliegen, in Europa beobachtet worden sind, diesem Typus an. Diese 
Erscheinungen zeigen dabei eine wunderbare, in der Witterungsgeschichte höchst 
seltene Uebereinstimmung: dem tiefsten Barometerstande von 694 mm am Abend 
des 26. Januar 1884 zu Ochtertyre in Schottland tritt ein solcher von 696 mm 
am Abend des 8. Dezember 1886 zu Barrow in Furness, Lancashire, ebenbürtig 
zur Seite (natürlich sind beide auf das Meeresniveau reducirt). Beide Wirbel 
entstanden südöstlich von Island als schwache Ausbuchtungen auf der Rückseite 
weiter östlich liegender, bewegten sich unter rapider Zunahme der Tiefe südost- 
wärts nach den Britischen Inseln und von da, an Tiefe abnehmend, im Bogen 
gegen das Nordkap zu. Ihre Ausfüllung stand im deutlichen Zusammenhang 
mit dem Erscheinen und rvasehen Wachsthum eines neuen Wirbels auf ihrer 
1) Eine Wiedergabe dieser Karte in kleinem Mafsstabe giebt Tafel8. Die Positionen der 
Minima sind durch die in der Legende der Karte erklärten Zeichen angegeben; der kurze Strich 
dabei giebt die Richtung, von wo das Minimum sich augenblicklich bewegt. Die kleinen Bögen, 
welche die Theilminima anzeigen, sind nach der Seite des Hauptminimums offen. Die Ziffern in der 
Karte geben die Dauer der Herrschaft der temporären Maxima nach Tagen an; wo eine freie Ziffer 
steht, hat ein stationäres Maximum (also die ungefähre Mitte eines Hochdruckgebiets) die angegebene 
Zahl von Tagen ohne Unterbrechung gelegen; eine Ziffer, die in eine Bahn eingeschrieben ist, giebt 
lie Zahl der Tage an, während deren ein wanderndes Maximum diese Bahn verfolgte. 
Auf dem Nebenkärtchen ist die Dichtigkeit der barometrischen Minima nach fünf Stufen 
dargestellt, das heifst, die Zahl der Depressionscentren, die im Laufe der untersuchten Jahre auf der 
Einheit der Fläche vorgekommen sind, In dem weifs gelassenen Gebiet sind weniger als 5, im 
schwarz gedeckten über 20 Minima auf der Flächeneinheit vorgekommen, Es sind nur die allseitig 
geschlossenen oder Hauptminima, nicht die Theilminima berücksichtigt,
	        
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