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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

Ueber die täglichen synoptischen Wetterkarten für den Nordatlantischen Ocean, 289 
zu verzeichnen, welche auf dem vorstehend beschriebenen Material basirt. Es 
ist deshalb nicht zu verwundern, wenn die Frage über den Werth der täglichen 
synoptischen Wetterkarten für den Nordatlantischen Ocean und die auf denselben 
basirende Wetter-Rundschau von Zeit zu Zeit angeregt worden ist, und zwar 
mit der Absicht, zu entscheiden, ob die erheblichen, mit diesen Veröffentlichungen 
verknüpften Kosten sich rechtfertigen liefen, und ob es nicht rathsam sei, die 
Herausgabe der in Rede stehenden Veröffentlichungen zu sistiren. 
Durchdrungen von der Bedeutung der täglichen synoptischen Wetterkarten 
für den Nordatlantischen Ocean für die Entwickelung unserer Kenntnisse der 
Vorgänge in unserer Atmosphäre, hat der Vortragende die Bearbeitung des bereits 
vorliegenden Materials nach verschiedenen Gesichtspunkten von Seiten seiner 
meteorologischen Kollegen in der Seewarte angeregt und auch die bereitwilligste 
Unterstützung gefunden. Die Herren Professoren Köppen und van Bebber 
haben sich vereinigt, um zwei Arbeiten,, von denen die eine demnächst als Bei- 
lage der „Vierteljahrs-Wetter-Rundschau“ erscheinen wird und die andere in den 
„Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie‘ im Juniheft 1894 er- 
schienen ist, in dem Sinne der Verwerthung der täglichen synoptischen Wetter- 
karten etc. durchzuführen. Der Vortragende wird im Nachfolgenden einen zu- 
sammenfassenden Ueberblick über diese Arbeiten unter dem Titel: „Die Isobaren- 
Typen Europas und des Nordatlantischen Oceans und ihre Beziehung 
zur Bewegung und Stärke der Cyklonen und Anticyklonen“ nach den 
Darlegungen der beiden genannten Gelehrten geben. Zur Beleuchtung dieser 
Darlegung wird eine Karte vorgezeigt, welche in grofsem Mafsstabe die Ver- 
hältnisse, die hierbei in Betracht kommen, wiedergiebt sowie eine Anzahl von 
Karten, welche die Klassen der einzelnen Typen veranschaulichen. 
Die Darlegung hat den folgenden Wortlaut: 
Durchblättert man eine längere Reihe synoptischer Karten, so erhält man 
zunächst den Eindruck einer unendlichen Mannigfaltigkeit. Doch findet man bald, 
dafs gewisse Eigenthümlichkeiten der Luftdruckvertheilung, und also auch der 
Luftströmungen, mehrere Tage, ja selbst Wochen lang anhalten, um dann wesentlich 
anderen Platz zu machen. Bei anhaltender Beschäftigung mit dem Gegenstande 
bemerkt man ferner, daß zwar eigentliche Wiederholungen ganz gleicher Wetter- 
lagen ausgeschlossen sind, dafs aber die Zahl der vorkommenden Kombinationen 
dennoch keine unendliche ist, sondern eine Neigung zur Wiederkehr ähnlicher 
Wetterlagen in allerdings ganz unbestimmten Zwischenräumen besteht, 
Diese Erkenntnifs ist es, welche dem Plane der „Vierteljahrs-Wetter-Rund- 
schau“ der Seewarte zu Grunde liegt. Es wird in derselben das Vierteljahr 
nach der allgemeinen Wetterlage über dem Nordatlantischen Ocean und den an- 
grenzenden Kontinenten in eine Anzahl möglichst natürlicher Zeitabschnitte 
getheilt, welche eine getrennte kartographische Darstellung finden. Da in Europa 
und auf dem Nordatlantischen Ocean besonders die Gebiete hohen Druckes eine 
starke Erhaltungstendenz besitzen und inmitten des wechselvollen Spieles der 
barometrischen Minima das relativ stabile Element darbieten, so wurde ein Ver- 
fahren gesucht, die durchschnittliche Lage der Gebiete mit höherem Drucke 
während eines jeden Zeitabschnittes zu fixiren, und dieses wurde in der graphischen 
Ableitung der Mittellage der Isobare 765 gefunden, ein Verfahren, welches sich 
sehr gut bewährt hat, da nur selten die Aenderungen dieser Isobare innerhalb 
der zu einem Zeitabschnitt verbundenen Tage so bedeutend sind, daß die Mittel- 
lage zweifelhaft oder willkürlich erscheint. 
Auf Grund von Vorarbeiten, die auf eine Untersuchung dieser Eigen- 
thümlichkeit abzielen und unter vorzugsweiser Beachtung der Verhältnisse über 
dem Nordatlantischen Ocean sowie über der Westhälfte von Europa war es 
möglich, 20 Typen der Wetterlagen verhältnifsmäfsig scharf zu charakterisiren, 
die in fünf grolse Klassen sich einordnen. Diese Klassen lehnen sich an die 
mittlere Luftdruckvertheilung in den verschiedenen Jahreszeiten an. In der 
oceanischen Klasse O ist das Druckmaximum auf dem Ocean in der Nähe der 
Azoren alleinherrschend, der Luftdruck über Europa unter 765 mm (das sind 
Sommertypen). Die kontinentale Klasse K ist durch hohen Luftdruck auf 
dem Festlande gekennzeichnet, der entweder als schmales Band von Asien 
durch. Europa nach den Azoren sich hinzieht (K.o, Ko und Kp), oder ein 
abgerundetes Gebiet in Centraleuropa einnimmt (Kl und Kn); das sind Winter- 
Ann. 4. Hydr. ete., 1895, Heft VII.
	        
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