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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 23 (1895)

Mittheilungen über die Ansegelung einiger Plätze im Golf von Tomini (Celebes). 283 
noch nicht regelrecht aufgenommen. Darum erst Einiges über Wind und Wetter 
im Golf von Tomini, 
Das Wetter ist in dieser Gegend im Allgemeinen gut; es herrschen fast 
immer regelmäfsig Land- und Seewinde. Abends gegen 4 bis 5 Uhr wird der 
Seewind flau, und Windstille tritt ein. Dann kommt der Landwind durch, der 
gewöhnlich bis 7 oder 8 Uhr morgens weht. Danach folgen wieder einige Stunden 
mit flauem Wind und Stillen, wonach dann wieder der Seewind durchkommt. 
Während des Westmonsuns, von November bis März, ist die Richtung der See- 
briese oft nicht südlicher als SW, dagegen weht sie während der übrigen Monate, 
im Ostmonsun (März bis November), häufig gerade aus Süd bis SSE (hauptsächlich 
Juni, Juli und August). Nach 2 bis 3 Uhr nachmittags sind die Versuche, in 
eine der Baien des Golfes hineinzusegeln, erfolglos. Ja es glückt auch oft nicht 
zu einer früheren Tagesstunde, da der Strom, flauer Wind und Stille es nicht 
zulassen. Insbesondere weht bei Neu- und Vollmond der Wind ununterbrochen 
den ganzen Tag von Land ab und aus den Buchten heraus. Um diese Zeit ist 
das Wetter oft unbeständig; es wehen dann vorherrschend flaue umlaufende 
Winde mit Regen- und Gewitterböen, Nur von Mitte Oktober bis Ende Dezember 
liegt man in den Baien an der Nordseite des Golfes sicher und gut; von Januar 
bis März herrschen oft starke Landwinde mit schweren Gewittern und Seewinde 
mit Dünung. Man mufs morgens zwischen 8 bis 9 Uhr vor der Bai sein, denn 
nur bis ungefähr 2 Uhr, bisweilen 3 Uhr, hat man Aussicht, den Ankerplatz 
zu erreichen; danach wird es, wie schon bemerkt, still, und der Wind kommt 
schon mehr und mehr von Land her. In der Bai von Pagu-Yama,*) wo ich 
zweimal dem Ankerplatz (Ladeplatz) bei Pulehu”) auf 2 bis 3 Schiffslängen nahe 
yekommen war, und ebenso in der Langula-Bai, sind wir wieder nach See 
getrieben. An Ankern ist nicht zu denken, da es überall sehr tief ist. Der 
Boden fällt sehr steil ab, so dafs wir beispielsweise bei Pulehu hinter dem Schiff 
kaum 3 Faden (5,5 m) Wasser hatten, während der Anker vorn in 27 Faden 
(49 m) lag. Die Ankerplätze sind in der Regel sehr tief, oft 30 bis 45 Faden 
(55 bis 82 m); der Ankergrund ist übrigens vortrefflich und besteht fast immer 
aus blauem Lehm (blue clay). Das Schiff muß man hinten an den Bäumen fest- 
machen. 
Das Klima in den Buchten des Golfs von Tomini ist ziemlich gesund, 
weil der Strand meist sandig ist, wenig Korallenbänke da sind und das Wasser 
da ganz salzig ist. Fast überall hat man gutes Trinkwasser in kleinen Bächen 
und Bergquellen. Proviant kann man nicht bekommen, bisweilen einige Fische, 
etwas Reis und Mais, selten Hühner, jedoch in Gorontalo viele und billig. 
Arbeitslohn ist 50 Cents den Tag. Man mufs die Arbeiter aus Gorontalo mit- 
nehmen, und ihre Kost kommt noch dazu; da diese aus Reis besteht, ist sie 
nicht theuer. Küstenlootsen sind wohl zu haben, man kann sich aber nicht 
sehr auf sie verlassen. Ich besuchte im Golf von Tomini vier Plätze: Gorontalo, 
Pulehu und in der Bucht von Pagu-Yama: Limba und Langula.®) Da es, so- 
viel mir bekannt, keine neuen Karten. dieser: Gegend giebt — die von mir 
benutzte Detailkarte von Gorontalo®) ist von 1868 (bearbeitet nach der englischen 
Karte von 1798) —, und die kleinen Plätze meistens wenig bekannt sind, 80 
können die folgenden und vorhergehenden Bemerkungen für Kollegen, die hierher 
müssen, vielleicht von einigem Werth sein. 
Die Bucht von Gorontalo ist oft schwer zu erreichen wegen des fast 
stets auslaufenden starken Stromes. An der Ostseite steht ein festes Feuer, 10 Sm 
weit sichtbar (war auf dem Plan ganz verkehrt angegeben),“) ein wenig weiter 
nach innen zu stehen auf beiden Seiten Packhäuser, in deren nächster Nähe man 
ankert und vertäut. Die Schiffe laden hier verschiedene Holzarten, Kopra, 
1) Pogie-Yama der Karte Tit. X: 151; Pogu-Yama d, Segelanweisungen, East. Archipel., Part II 
(West. Part). S. 368, wo aber die Breite irrthümlich zu 0° 47' Süd angegeben ist, statt etwa 
0° 31‘ Nord. Red. Ann. 
2) Wir konnten den Platz auf der Karte Ostküste von Celebes, Blatt I, nicht finden, ebenso- 
wenig auf der Karte in dem Atlas: Nied. Besitzungen in Ost-Indien, von J. J. Stemfoort und 
J. J. ten Siethoff, Red. Zee. 
3) Es giebt eine Karte der Bai von Gorontalo vom Jahre 1868 nach einer niederländischen 
Aufnahme, ausgeführt von dem Seekadetten D. Hordyk. Red. Zee. — Tit. X: 149. Red. Ann. 
4) Auf dem niederländischen Plan steht es richtig. Red, Zee,
	        
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