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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1895.
im Rio del Rey lagen auf ihren richtigen Plätzen, und ist diese Betonnung für
die sichere Navigirung im Rio del Rey vollkommen ausreichend. Man ankert
am besten in 12 m Wasser, Grund Schlick, etwa 400 m südlich von der deutschen
Zollstation, welche der — in der vom Hydrographischen Amt des Reichs-Marine-
Amts herausgegebenen Karte 2: 104 (Tit. VI, No. 106) — mit Owaatapa bezeichneten
Spitze gegenüber liegt.
Die Tiefenverhältnisse im Rio del Rey wurden dieser Karte entsprechend
gefunden,
Die Absicht, vom Rio del Rey aus durch den Aqua Bana-Kriek in den
Old Calabar-Flufs zu laufen, mußte aufgegeben werden, da die auf der oben
erwähnten Karte angegebenen Tiefenverhältnisse beim Uebergang vom Aqua
Bana bezw. Aqua Jafe durchaus nicht der Wirklichkeit entsprechen sollen. Nach
bei dem Führer eines schwedischen Dampffahrzeuges, welches häufig zwischen
dem Rio del Rey und dem Old Calabar-Flußs verkehrt, eingezogenen Erkundigungen
3zind bei dem Ausgang des Aqua Bana bezw. Aqua Jafe auf nur 2,5 bis 3m
Wasser bei Hochwasser zu rechnen, Diese Angabe entspricht auch der der
englischen Admiralitäts-Karte No. 149 vom Old Calabar- Flufs, welche im
August 1891 herausgegeben ist. Diese Karte giebt '/ Faden als geringste Tiefe
des Aqua Bana-Kriek an.
2, 01ld Calabar-Flufs.
Die Ansegelungstonne des Old Calabar-Flusses lag richtig aus. Wenn
diese fehlen sollte, so würden die Brecher von Tom Shot eine gute Ansteuerungs-
marke geben.
Die Wassertiefen wurden der englischen Admiralitäts-Karte No. 149 ent-
sprechend gefunden. Es wurde ein Ebbestrom von 1'/2 bis 2 Sm per Stunde, SzW
setzend, beobachtet.
Die Tonnen No. 1 und 2 lagen aus. Tonne No. 2 ist eine alte Fest-
machetonne, welche mit einem Ball als Toppzeichen versehen ist. Die rothe
Farbe der Tonne No. 2 hatte durch die Witterungseinflüsse sehr gelitten und
sah mehr schwärzlich aus. Erst beim Passiren konnte erkannt werden, dafs die-
selbe ursprünglich roth gemalt war.
Bei der Fahrt flufsaufwärts wurde oberhalb von Seven Fathoms Point das
Fahrwasser auf der linken Uferseite gewählt und bei der mit „Tree“ bezeichneten
Stelle nach dem rechten Ufer hinübergehalten. Das Fahrwasser ist an dieser
Stelle durch je einen weifßs gekalkten Baum, welcher weils gekalkte Fässer in
ler Krone trägt, auf jeder Seite des Flusses gekennzeichnet. Die Bäume stehen
an den auf der Karte mit „Tree“ bezeichneten Stellen.
Beim Verlassen des Old Calabar- Flusses wurde ein Fluthstrom von
1!2 bis 2 Sm per Stunde, nordnordöstlich setzend, beobachtet.
Mittheilungen über die Ansegelung einiger Plätze im Golf von
Tomini (Celebes) und der Rhede von Kalbut (Ost-Java).”
Von Kant. P. ALBRAND, Führer der holländischen Bark „Clara“.
Herr Kapt. P. Albrand hat die Güte gehabt, uns einige Mittheilungen
zu machen über die Ansegelung wenig besuchter Plätze im Golf von Tomini und
der Rhede von Kalbut (Strafßse von Madura). Da es im Allgemeinen keine zu-
verlässigen Segelanweisungen für den östlichen Theil des Ostindischen Archipels
ziebt, nehmen wir die Mittheilungen gerne in unsere Zeitschrift auf, in der
Hoffnung, dal andere Schiffsführer dem Beispiele Kapt. Albrands folgen mögen.
Die folgenden Bemerkungen über Häfen, die wenig von Segelschiffen
besucht werden, dürften vielen Kollegen willkommen sein. In den Häfen im
Golf von Tomini sind noch nie grofse Segelschiffe gewesen, und sie sind auch
) Uebersetzt aus „De Zee“, 1895, S, 172.