Eine Passatstörung bei den Kap Verden am 3. Oktober 1894. 249
Dies wurde anders gegen 4*a, denn es heißt bei P: „Ende der Wache
Wind (NNE) umspringend auf SW“ und bei R: „Wind (NE) kurz nach 4" a auf
NW springend“. Das Umspringen des Windes bei P um 14 Strich links herum
und bei R um 8 Strich, ebenfalls links herum, deutet mit Bestimmtheit an, dafs
jetzt der niedrigste Druck nördlich von der „Patagonia‘“ lag. Die Schnelligkeit
der Windänderung war beträchtlicher bei P, dem östlicher stehenden, nach Süden
steuernden Schiff, das flaue Winde beobachtete, als bei R, dem nach Norden
steuernden Schiff mit frischeren Winden. Daraus läfst sich mit ziemlicher Sicherheit
weiter folgern, daß hier, wo es sich nachgewiesenermafsen noch um eine flache
Depression handelte, die „Patagonia‘“ ihrer Mitte näher war als der „Rosario“,
denn bei flachen Depressionen findet man allgemein die stärkeren Winde in
größerem Abstande von der Mitte als die schwächeren. Die Verbindungslinie
R 4*a P4"a weist also ungefähr auf die Mitte der Depression hin, wobei man
die Frage der Entfernung von P bis zur Mitte noch offen lassen kann. Das von P
beobachtete Minimum des Barometers, 757,1 mm, kann man ferner ohne merklichen
Irrihum auch als niedrigsten Luftdruck in der Depression für 4" a überhaupt
betrachten.
Acht Stunden später, am 3. Oktober um Mittag, hatte sich das Bild schnell
weiter entwickelt. R und B haben ihre Fahrt noch mit NNO-Kurs fortgesetzt,
bei R ist der Wind allmählich nach West gegangen, und mittags wehte es aus
SW 6. Das Minimum hat sich also östlich von R mit dem Schiff und schneller
als dieses nach Norden bewegt. Genauere Auskunft erhalten wir durch 3. Es
heifst da: „Von 10 bis 12a drehte der Wind von NNW durch WSW nach
SW.“ Die Depression überholte also auf ihrem Marsch nach Norden R sowohl
wie B, und da sich bei B trotz des nördlichen Kurses der Wind von 10 bis 12: a
um volle 10 Strich links herum änderte, bei R dagegen in derselben Zeit nur
um 4 Strich, muß die Mitte der Depression kurz vor Mittag in unmittelbarer
Nähe von B, und zwar östlich davon, vorbeigewandert sein.
Für diesen Zeitpunkt, Mittag, ersehen wir aber auch, dafß die Depression
sich vertieft hat; B beobachtete 752,7 mm. Sie war nicht mehr flach wie um
4b a, sondern hatte sich mehr der Trichterform genähert, da R gleichzeitig
757,7 mm beobachtete. Der Abstand B R betrug nach dem Besteck 32 Sm, der
Gradient also 757,7 — 752,7 = 5 mm auf 32 Sm. Daraus würde sich für 60 Sm
ein Gradient von 9,4 mm bei der Windstärke 7 Beaufort ergeben, ein unwahr-
scheinliches Verhältnifs. Im Mittel vieler Beobachtungen entspricht Windstärke 8
einem Gradienten von 4 mm. Bei gleichem Gradienten steigt die Windstärke
etwas mit der Annäherung an den Aequator und mit der Zunahme der Krümmung
der Isobaren, aber doch nicht in dem Maße wie oben.
Ein Ablesungsfehler wäre möglich, ist aber bei dem sorgfältig gehaltenen
Journal und mit Rücksicht auf die anderen Beobachtungen desselben Tages nicht
wahrscheinlich. Ebensowenig ist an einen Instrumentfehler von beträchtlicher
Größe zu denken; einmal sind die Instrumente vor der Reise verglichen, und
dann stimmen die 4® a Beobachtungen von R, P und B gut überein; sie sprechen
nur dafür, daß das Barometer von B etwas zu niedrig zeigt.
Es könnte sich also nur um einen Fehler in den Mittagsorten nach dem
Besteck handeln. B fand am 4. Oktober mittags eine Versetzung von 33 Sm
West in 48 Stunden, der Ort am 3. um Mittag wird also vermuthlich 16 Sm
westlicher als in der Skizze gelegen haben. Da aber bei R am 4. keine Angaben
über Versetzung gemacht sind, B und R aber vom 2, zum 4. ähnliches Wetter,
ähnlichen Seegang und auch wohl ähnliche Versetzung hatten, „Rosario“ fuhr
immer dicht hinter „Babitonga‘“ her, ist von einer Verbesserung des gegifsten
Schiffsortes am 3. auch bei B abgesehen, um die relative Lage der Schiffe zu
einander möglichst unberührt zu lassen. Eine wesentliche Aenderung würde
gerade in diesem Fall auch bei Berücksichtigung der Stromversetzung nicht ein-
treten, da der Breitenunterschied derselbe bleiben würde.
Aus den Beobachtungen selbst läfst sich noch vermuthen, dafs der Fehler
im Abstand der beiden Schiffe voneinander am 3. Oktober mittags ein gewisses
Mal. nicht überschritten hat. Bei R unter Bemerkungen heifst es nämlich:
„4 bis 6bp See merkwürdig wild und durcheinander, Die gröbste See von
SSE (6)“. Ein Blick auf die Skizze zeigt, dafs sich R von 4 bis 6"p eben
rechts von der eingezeichneten Bahn, im Kielwasser des eben vorbeigegangenen
Ann. d. Hydr. ate.. 1895. Heft YVIL